Leben in der Pfarre (2) – Freude an der Musik

Kirchenmusik. Wer in der Pfarre im Kirchenchor mit dabei ist, investiert Zeit und Energie: Verlässlichkeit ist ein Qualitätskriterium im Ehrenamt. Freude am gemeinsamen Singen sowie die Aus- und Fortbildung, die Chorsänger genießen, ist eine weitere Facette des Engagements für die Pfarre. Andreas Gassner, mehrfach ausgezeichneter Chorleiter und Musiker, erzählt als Leiter des Kirchenmusikreferats von der Begeisterung der Kirchenchöre in der Erzdiözese Salzburg.  

RB: Wie lange leiten Sie schon Ihren Kirchenchor Bischofshofen?

Andreas Gassner: Ich leite zusammen mit Martina Mayr seit den 80er-Jahren den Kirchenchor Bischofshofen und seit 1990 den Kammerchor Vox Cantabilis. 

RB: Im Kontext der Liturgie nimmt die Kirchenmusik einen bedeutenden Platz ein; viele Ehrenamtliche gestalten so Sonntag für Sonntag, Feiertag für Feiertag die Liturgie maßgeblich mit. Wie gelingt es, die Sängerinnen und Sänger für diese Aufgabe über Jahre hinweg zu begeistern? 

Gassner: Die Frage ist ja immer: Was hält eine Gruppe zusammen? Zuerst einmal ist das die Gemeinschaft. Dann die Begeisterung  der Chorleiter und Chorleiterinnen für die Kirchenmusik: Wenn Sängerinnen und Sänger diese Faszination spüren, springt die Begeisterung automatisch auf sie über, sie sind dann voll und ganz dabei. 

Chöre machen gemeinsame Ausflüge, das gehört zur Förderung Gemeinschaft unbedingt dazu: Man lernt dabei einander nicht nur besser kennen, sondern genießt auch, dass man Zeit miteinander verbringt. Wenn man in der Liturgie singt und dabei die Menschen beziehungsweise deren Herzen berührt, freuen sich die Sänger über die positive Rückmeldung seitens der Pfarrgemeinde. Es ist schade, wenn hier angebrachte Wertschätzung nicht geäußert wird, da hier viel Energie und Arbeit und Einsatz und Freizeit eingebracht werden.

RB: Wenn Sie an das Durchschnittsalter der Chorsänger denken, sind Sie beruhigt, beunruhigt oder sogar zufrieden?

Gassner: Gesellschaftlich merken wir die Veränderung. Der Eventcharakter von Auftritten nimmt stark zu. Das spüre ich nicht nur beim Chorsingen, sondern generell. Man findet leicht Sänger und Sängerinnen, die für ein einmaliges Ereignis zur Verfügung stehen. 

Regelmäßige Verpflichtungen gehen Menschen hingegen nicht mehr so leicht ein. Dass sich Chorsänger wöchentlich treffen, stärkt den Chor und das Pfarrleben insgesamt. Das ist derzeit schon im Umbruch. Das Kirchenmusikreferat reagiert darauf mit mehreren Projekten. Beispielsweise mit dem „Tag des Neuen Geistlichen Liedes“, zu dem jährlich mehr als 100 Leute kommen. Heuer hatten wir 160 Sängerinnen und Sänger, die den ganzen Tag über mit Freude gesungen und sich mit neuer Kirchenmusik auseinander gesetzt haben.

RB: Ein Projekt des Kirchenmusikreferates, der Kirchenmusikalische Herbst, stammt ja noch aus der Aktionswoche „Offener Himmel Salzburg“ vor mehr als einem Jahrzehnt. Auch heuer waren die einzelnen Veranstaltungen überaus gut besucht. Welche Lehre ziehen Sie aus diesem Interesse für Ihre Arbeit mit den Kirchenchören?  

Gassner: Beim Kirchenmusikalischen Herbst geht es nicht um Konzerte, sondern im weitesten Sinne um liturgische Andachten. Die Zuhörerinnen und Zuhörer schätzen das Angebot der Meditation in Verbindung mit qualitätsvoller Musik und geistlichen, anspruchsvollen Texten. Hier gelingt es, Texte und Musik zu verbinden, Ruhe zu ermöglichen und Zeit zu schenken. 

Wer Veranstaltungen des Kirchenmusikalischen Herbstes besuchte, war nicht passiver Zuhörer in der Kirchenbank, sondern Teil des Ganzen: Man setzte sich nicht nur rein und hörte zu, sondern ließ sich auf die Musik und Texte wirklich ein, kam mit ihnen in einen meditativen Rhythmus. Das spricht heutzutage viele Menschen an: Heuer zählten wir weit mehr als 1.000 Besucherinnen und Besucher.

RB: Was ist die größte Freude eines Chorleiters, was sein bangster Moment?

Gassner: Es ist eine meiner größten Freuden als Chorleiter, wenn ich erlebe, dass das Erarbeitete zur Wirkung kommt, bei der Aufführung die Menschen erreicht und berührt. Viele Chorleiter erzählen von solchen Momenten, die sie an ihre Aufgabe glauben lässt und darin bestärkt, mit ihren Chören auf dem richtigen Weg zu sein. Meine bangen Momente waren jene, in denen Solisten oder Musiker kurzfristig absagen mussten, da hätten Sie meinen Blutdruck nicht messen dürfen!

Foto (privat): Andreas Gassner ist Leiter des Kirchenmusikreferates der Erzdiözese Salzburg.  Er beschreibt die größte Freude eines Sängers bzw. Chorleiters: „Wenn man die Menschen und ihre Herzen berührt.“