Leihmutterschaft boomt in Indien

Vor dem expandierenden Geschäft mit der Leihmutterschaft allen voran in Indien warnt die Katholische Frauenbewegung Österreich (kfbö). Derzeit werden dort in mehr als 3.000 Kliniken Kinder vornehmlich ausländischer Paare von indischen Frauen ausgetragen.

Wien. Den jährlichen Umsatz schätzt die indische NGO „Center for Social Research“ laut kfbö auf zwei Milliarden Euro. Angesichts dieser Ausmaße ruft die Bewegung dazu auf, die weltweiten Bemühungen auf allen Ebenen zu bündeln, um ein globales Verbot der kommerziellen Leihmutterschaft zu erwirken. Denn, „gewerbsmäßig betriebene Leihmutterschaft verstößt nicht nur gegen die Kinderrechtskonvention, sondern vor allem gegen die Menschenwürde der Frauen“, kritisiert kfbö-Vorsitzende Veronika Pernsteiner.

Die indische Fertilitätsindustrie sei mittlerweile integraler Bestandteil des expandierenden medizinischen Marktes sowie der medizinischen Tourismusbranche des Landes, zitiert die kfbö in ihrer Aussendung Jennifer Liang, Mitglied des kfbö-Netzwerks in Indien. „In 90 Prozent aller Fälle handelt es sich bei den Leihmüttern um arme, sozial stigmatisierte oder anderwertig marginalisierte Frauen.“ Zwischen zehn und 30 Prozent der Summe, die ein Paar für ein Kind bezahlt, gehen an die Leihmutter – in Indien sind das zwischen 5.000 und 10.000 US-Dollar –, sofern es keine Komplikationen gibt und ein gesundes Kind geboren wird.

Eine geschätzte fünfstellige Zahl ist laut der kfbö in den vergangenen 30 Jahren auf diese Weise zur Welt gekommen, „die damit einhergehende Industrie wächst ständig und boomt vor allem in den armen Ländern der Erde“. „Unsere Forderung nach einem weltweiten Verbot von kommerzieller Leihmutterschaft heißt auch, dass wir an den Europarat appellieren, sich klar dagegen auszusprechen“, so Veronika Pernsteiner. Im Gegensatz zum EU-Parlament, das eine eindeutige Aussage getroffen habe, seien auf Ebene des Europarats die Diskussionen noch im Gange, und auch bei der Haager Konferenz für Internationales Privatrecht gebe es derzeit Gespräche hinsichtlich einer Standardisierung des globalen Geschäfts mit Leihmutterschaft.
kap

Nicht nur in Indien, sondern auch in Ländern wie die Ukraine oder in achtzehn US-Staaten, basiert das legale Geschäft mit Leihmutter-schaft auf sozialem Gefälle. Mit dem indischen Dumping-Preis können die Länder nicht mithalten. In den USA etwa beträgt der Preis für ein Kind 100.000 US-Dollar, in der Ukraine 30.000. Foto: Cornelia Menichelli/pixelio.de