Lernen ohne Hunger

Schule. Montagmorgen in Kairo: Die Mädchen und Buben drängeln sich in ihren blauen Schuluniformen durch das schmale Ein­gangstor von St. Lwanga. Bevor es in die Klassen geht, holen sie sich erst einmal ein Sandwich ab. Früher kam es vor, dass Kinder im Unterricht vor lauter Hunger ohnmächtig wurden. Das ist zum Glück Vergangenheit. Die Comboni-Missionare führen in der ägyptischen Hauptstadt die Schulen für sudanesische Flüchtlinge. Die Caritas finanziert das Schulfrühstück.

Kairo/Salzburg. Andere Konfliktherde auf der Welt lassen dem Südsudan keinen Platz in der medialen Aufmerksamkeit. Dabei versinkt das Land im fünften Jahr seiner Unabhängigkeit weiter in einer Spirale aus Gewalt und Hunger. Die Menschen flüchten. In Ländern wie Ägypten schlagen sie sich mit illegalen Gelegenheitsjobs durch. Großfamilien leben oft in einem Zimmer. Das Geld ist immer knapp und die Kinder können nicht ausreichend ernährt werden. Unter solchen Umständen wächst auch die achtjährige Aya in einem der Slums der Metropole Kairo heran. Ihre Mutter muss als Haushaltshilfe den Lebensunterhalt für die sechsköpfige Familie alleine bestreiten. Seit einem Jahr besucht Aya die St.-Lwanga-Schule der Comboni Missionare. Seit dem kann das kleine Mädchen wieder lächeln und träumen – von einem besseren Leben für sich und seine Familie.

Schulfrühstück für 900 Kinder

Rund 900 Kindern in zwei Schulen der Comboni-Missionare ermöglicht die Caritas Salzburg ein Schulfrühstück mit Milch oder Fruchtsäften. Für den Ordensmann, Pater Jemil Araya, eine direkte Investition in die Gesundheit und somit Zukunft der Mädchen und Buben: „Anämie und Kalziummangel waren vorher keine Seltenheit. Die Kinder sind jetzt fröhlicher, aufnahmefähiger und können sich besser auf den Unterricht konzentrieren. Für manche ist das tägliche Essen sogar ein Anreiz, regelmäßig zu uns in die Schule zu kommen.“ Und nicht nur P. Jemils junge Schützlinge profitieren. Das Zubereiten des Schulfrühstücks ist für einige sudanesische Frauen eine kleine aber wichtige Verdienstquelle.

Kinderkampagne

Die Chance, Kind sein zu dürfen

„Laut UN-Kinderrechtskonvention hat jedes Kind das Recht auf Sicherheit und Schutz, Zugang zu Bildung, Hilfe und ein Aufwachsen in der Familie. 60 Millionen Kinder weltweit haben nichts von alldem. 30 Millionen Kinder sind auf der Flucht. Auch sie müssen eine Chance bekommen“, betont Caritas-Direktor Johannes Dines. Mit ihrer Kinderkampagne im Februar hat sich die Caritas zum Ziel gesetzt, 50.000 Kindern zu helfen. Die Caritas der Erzdiözese Salzburg konzentriert sich auf ihre Schwerpunktländer Libanon, Syrien und Ägypten. Verschiedenste Bildungsprogramme eröffnen Kindern aus armen Familien oder Flüchtlingskindern eine Perspektive – ein Beispiel ist das Schulfrühstück für sudanesische Buben und Mädchen in Kairo (siehe Bericht links.)

☛ Ausstellung „Beschützt und geborgen. Kinder finden Zuflucht“: Stefan Maier, Caritas-Nahost-Koordinator und Fotograf Philipp Benedikt besuchten gemeinsam Bildungsprojekte im Libanon. Dabei entstanden eine ausdrucksvolle Fotoserie und mehrere Kurzvideos. Ausgestellt sind die Bilder noch den ganzen Februar im „Schweiger Deli“, Itzlinger Hauptstr. 93, Salzburg. Sie können für eine Mindestspende von 50 Euro erworben werden. Der Reinerlös kommt der Caritas oder besser gesagt, den Kindern im Nahen Osten zugute.

Ohne Magenknurren, konzentrierter und gesünder für eine bessere Zukunft lernen. Das Schulfrühstück ist für die sudanesischen Kinder in Kairo ein nahrhafter Lichtblick. Foto: Stefan Maier