Libanon ist doppelt getroffen

Die Coronakrise verschärft Lage im Libanon – ICO hilft

Beirut/Ajeltoun. Im Libanon kommt zum drohenden Staatsbankrott nun auch noch Corona. Wie die doppelt hart getroffenen Menschen damit umgehen und was die Projektpartner vom Hilfswerk  Initiative Christ-
licher Orient (ICO) tun können, darüber spricht Stefan Maier mit dem Rupertusblatt.

Immer wenn sich ICO-Referent Stefan Maier die vergangenen Monate bei seinen Projektpartnern über die Lage im Libanon informierte, hatte sich die Lage noch einmal verschlechtert. Das mit einer schweren Wirtschaftskrise kämpfende Land steuerte auf den Staatsbankrott zu. Strom gab es nur mehr für wenige Stunden am Tag, Treibstoff und Heizöl waren nur gegen Dollar zu bekommen – für die meisten Menschen unerschwinglich. Wer noch einen Job hatte und Lohn erhielt, konnte trotzdem nur 400 Dollar pro Monat vom Konto abheben. „Unvorstellbar, aber die Coronakrise verschärfte die Situation jetzt noch“, sagt Maier. 

Hilfspakte für die Ärmsten  

Offiziell sind im Libanon nur 668 Personen mit dem Coronavirus infiziert. Da aber kaum Tests durchgeführt werden, ist von einer weitaus höheren Zahl von Erkrankten auszugehen. Es braucht nur mehr ganz wenig und das Gesundheitssystem kollabiert. 

Wie in Österreich sind auch im Zedernstaat seit mehreren Wochen die Schulen und Universitäten zu. St. Josef, Schule und  Internat der Barmherzigen Schwestern in Ajeltoun,  hat viele Kinder aus bedürftigen Familien. Für sie sei es besonders schlimm, weiß Sr. Zahia Franjieh. Die Hausoberin schnürte deshalb Hilfspakete mit Lebensmitteln und Hygienartikeln, die sie ihren Schützlingen mitgab. „Meine Mitschwes-tern und ich sind gut versorgt“, berichtet  Sr. Zahia, die sich aber Sorgen um ihre Angestellten macht. „Die Gehälter für März konnten wir noch auszahlen, für April steht das in den Sternen.“ Ein Lichtblick sei die Solidarität in der libanesischen Bevölkerung. So haben sich Jugendliche spontan organisiert, den Älteren und Armen im Dorf zu helfen.       

Das christliche Hilfswerk ICO aus Österreich setzt die Unterstützung im Nahen Osten  in Coronazeiten natürlich fort. „Einerseits ist das die Nothilfe: Mit Lebensmittel- und Hygienepaketen möchten wir den Menschen unbürokratisch unter die Arme greifen. Andererseits denken wir an die Zeit, wenn die Schulen wieder aufmachen. Mit unseren Bildungspatenschaften bekommen Kinder und Jugendliche aus bedürftigen Familien die Chance zum Lernen und damit eine bessere Zukunft“, betont ICO-Referent Stefan Maier. 

Spenden: Hypo Oberösterreich IBAN: AT42 5400 0000 0045 4546. Online: www.christlicher-orient.at

 

Fotos: Klassenzimmer ohne Kinder, das ist auch im Libanon derzeit die neue Normalität. Die Lage im Land ist prekär – das war schon vor Corona so. 

Marie Ghia, Internatsleiterin in St. Josef, befüllt Hilfspakete für die Familien bedürftiger Schüler.

Fotos: RB/Maier