Luthers Freude über Franziskus

Einen Fortschritt der Ökumene sehen der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, und der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper.

Rom. Vieles, was auch in der katholischen Kirche heute geschehe, sei „in der Ziellinie dessen, was Martin Luther vor 500 Jahren gewollt hat“, sagte Bedford-Strohm auf einer Tagung des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaft in Rom. Kasper, früherer Präsident des Päpstlichen Rats für Einheit der Christen, betonte, Ökumene bedeute keinen Verzicht auf die eigene Identität. Viele bestehende Unterschiede seien „vereinbar oder tolerierbar“. Im Blick auf einen zentralen trennenden Punkt, das Verständnis des Papst-amts, meinte Kasper, die kollegiale Amtsausübung durch Franziskus sei mehr denn je ein Zeichen der Vorsehung.


Kasper unterstrich, die historischen Verletzungen belasteten noch. Ohne „Heilung des Gedächtnisses“ und ohne Bekehrung sei Ökumene nicht möglich. Dieser Ruf zur Umkehr richte sich indessen nicht nur an die Gläubigen, sondern an die Kirchen selbst. Der Kardinal bekräftigte, das Verbindende zwischen Katholiken und Protestanten sei größer als das Trennende. Ziel sei eine Einheit im selben Glauben mit unterschiedlichen Akzenten. In entscheidenden Punkten der Theologie Luthers – dem Aufruf zur Buße, dem Verständnis von Werken der Liebe und der Rolle der Freiheit – gebe es inzwischen ein gemeinsames Verständnis, so der Landesbischof weiter. Eigens hob er auch das Eintreten von Papst Franziskus für Arme und sein Bemühen um Versöhnung hervor. „Luther hätte daran seine Freude gehabt“, so Bedford-Strohm.


Für den richtigen Umgang mit der Reformation vor 500 Jahren ist es in den Augen von Papst Franziskus notwendig, „diese Geschichte anders zu erzählen“: Es müsse geschehen „ohne Spuren eines Grolls wegen der zugefügten Wunden, der unsere Sicht aufeinander verzerrt“, appellierte der Pontifex an die Teilnehmer. Der vor 50 Jahren offiziell gestartete ökumenische Dialog zwischen Katholiken und Protestanten soll eine „Reinigung der Erinnerung“ vollziehen, betonte Franziskus. kap

 

Bildtext: Ökumene ist kein Verzichten auf Identität, so Kurienkardinal Kasper (l.) und Bedford-Strohm meinte, in vielen für Luther entscheidenden Punkten gäbe es heute Übereinstimmung zwischen den Kirchen. Fotos: kathbild/Rupprecht, epd