Mädchen starb vor der Kirche - und nun?

Nach dem tragischen Unfalltod einer Vierjährigen ringt eine Pfarre um den Umgang mit der Situation

Salzburg-Gneis. Während in der Erzdiözese Erntedankfeste anstehen, ist vielen Menschen in Gneis nicht nach feiern zumute. Zu tief sitzt der Schock, weil ein 90 Jahre alter Autolenker nach dem Sonntagsgottesdienst in eine Gruppe Menschen am Kirchplatz geprallt ist. Ein vier Jahre altes Mädchen erlag seinen inneren Verletzungen im Krankenhaus; eine 45-Jährige wurde schwerst verletzt.

Die Unfallursache ist weiterhin unklar. „Technische Daten werden ausgelesen und Zeugenaussagen abgeglichen. Der beschuldigte Lenker war lange nicht vernehmungsfähig. Ein Ergebnis kann noch dauern“, sagt Polizei-Sprecher Hans Wolfgruber.

Neues zum Gedenken

Rund 25 Menschen wurden Augenzeugen des Unfalls Ende August. Szidonia Lörincz, zu diesem Zeitpunkt Pastoralassistenin in Gneis und nun in Hallein-Rif, sagt: „Ich lebe seither mit den Bildern, die ich nicht aus meinem Kopf bekomme.“ Sie sei als Mensch, aber auch als Theologin sehr betroffen. Im Gedenken an das junge Opfer möchte sie eine Idee umsetzen, die Gemeinschaft stiftet. Lörincz: „Nicht nur Ältere haben Probleme mit der Mobilität, auch Mütter mit Kindern zum Beispiel.“ Ihnen will die Seelsorgerin kostenlose Fahrten zum Gottesdienst ermöglichen, etwa mit Taxigutscheinen oder Fahrgemeinschaften.

Wie klappt ein Weg in die Normalität?

Alois Dürlinger steht der Pfarre Gneis ab Oktober vor. Amtseinführung und Erntedankfest finden gemeinsam statt. „Wir werden feiern. In der Liturgie finden wir sowieso das Gedenken an die Toten. Die letzte Fürbitte ist den Verstorbenen gewidmet“, erklärt Dürlinger. Rund um Allerheiligen will er allerdings einen Gesprächskreis anbieten, in dem Angehörige und Augenzeugen den Unfall aufarbeiten können.

Pfarrer Dürlinger baut indes auf die mitfühlende Hilfsbereitschaft seiner Gemeinde. „Das ist eine erste Brücke zurück ins Leben“, sagt er. Die Eltern des toten Mädchens sind aus Syrien geflüchtet; derzeit sind sie bei ihrer Familie zum Trauern. Zurück in Salzburg werden sie nicht allein sein. „Viele haben zugesagt, für sie da zu sein.“