Maturantinnen aus dem Armenviertel

Zukunft. Wenn alles gut geht, schließt die dreizehnjährige Mary in einigen Jahren die Schule mit der Matura ab. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Das Mädchen kommt aus Haggana, einem riesigen Elendsviertel am Stadtrand von Kairo. Die Eltern sind Analphabeten. Mary bekommt an der Schule der Barmherzigen Schwestern die beste Ausbildung, sie spricht fließend Französisch, lernt Englisch… Möglich machen das Patinnen und Paten der Caritas Salzburg.

Haggana/Salzburg. Täglich schlängelt sich der Schulbus auf der staubigen, holprigen Straße bis nach Haggana, sammelt die Schülerinnen ein und bringt sie in den Kairoer Stadtteil Abbassieh. Am Nachmittag geht es  retour. Das bedeutet jeweils eine Stunde Fahrzeit. Mittlerweile sind 50 Kinder auf diesem täglichen Schulweg. Ihre Eltern sind stolz. Sie wissen, Dank der guten Ausbildung bei den Barmherzigen Schwestern haben ihre Mädchen die Chance, dem Elend zu entkommen und ihre Zukunft selbstbestimmt zu gestalten. Haggana ist ein riesiges Elendsviertel am Stadt­rand von Kairo, nicht weit vom internationalen Flughafen der ägyptischen Hauptstadt entfernt, mit geschätzten 900.000 Einwohnern. Armut, Arbeitslosigkeit und Analphabetismus prägen den Alltag der Bewohner. Mehr als Gelegenheitsjobs finden die wenigsten.

Mädchen besonders fördern

Die Caritas Ägypten ist bereits seit mehr als 20 Jahren in Haggana präsent. Sie betreibt im Slum ein Jugendzentrum. Es ist der einzige neutrale Begegnungsort für Kin­der aller Konfessionen. Hierher kommen auch viele der Mädchen, die bei den Barmherzigen Schwestern in Abbassieh zur Schule gehen. Die Caritas Salzburg unterstützt beide Projekte, die vor allem Mädchen im Fokus haben. „Laut einer Studie ist Ägypten das Land in der arabischen Welt mit den schlechtesten Lebens­bedingungen für Frauen“, berichtet Stefan Maier, Leiter der Caritas-Auslandshilfe in Salzburg. Mit Bildung ist er überzeugt, können die Mädchen den Teufelskreis von Analphabetismus und Armut durchbrechen. Dabei werden auch die Eltern in die Pflicht genommen. „Sie unterschreiben, ihre Kinder nicht vorzeitig aus der Schule zu nehmen, um sie zu verheiraten oder arbeiten zu schicken.“ Bis jetzt sei kein Vertrag gebrochen worden.

Kinderkampagne

Mit mehr Bildung gegen Armut

Kinder machen ein Drittel der Weltbevölkerung aus. Beinahe die Hälfte von ihnen ist von extremer Armut betroffen. Sie haben keinen Zugang zu Gesundheitsversorgung, Schule, Nahrung und Schutz. Kinder, die in Armut aufwachsen, haben kaum die Chance, ihren Lebensstandard einmal zu verbessern. Sie sind öfter krank und haben eine schlechte oder gar keine Ausbildung. Die Auslandshilfe Salzburg unterstützt Kinder in Ägypten, Syrien und im Libanon. Ein Beispiel ist das Schulprojekt für Mädchen aus dem Elendsviertel Haggana im ägyptischen Kairo. Mary und weitere 50 Kinder lernen in der Schule der Barmherzigen Schwestern für eine bessere Zukunft.

☛ Im Februar lenkt die Caritas die Aufmerksamkeit auf die Not von Kindern und wie durch Hilfe etwas verändert werden kann. Die Caritas Salzburg hat ihre Schwerpunkte im Nahen Osten. Vor allem Bildungsprojekte sind der Schlüssel zur Entwicklung. Weitere Infos und Online-Spenden unter dem Kennwort „Kinderkampagne 2016“ unter www.caritas-salzburg.at

Mädchen sind in der arabischen Welt häufig benachteiligt. Mit Bildung will die Caritas gegensteuern und schickt Mädchen aus einem Elendsviertel in Kairo zur Schule. Foto: Stefan Maier

Ein eigenes Zimmer hat Mary nicht. Aber es reicht ein freier Platz am Esszimmertisch. Hier hat sie schon als Siebenjährige (Bild oben) Hausaufgaben gemacht. Heute ist sie dreizehn Jahre alt.