„Meine Welt dreht sich“

Bruder Konrad lebt in der Stille und Einsamkeit

Kufstein. Langsam nimmt unser gesellschaftliches Leben wieder Fahrt auf.  Doch zahlreiche Einschränkungen prägen uns nach wie vor. Einer, für den sich im Alltag kaum etwas verändert hat, ist Bruder Konrad.

Seit mittlerweile sieben Jahren lebt Bruder Konrad Maria Stromsky als Einsiedler auf dem Thierberg bei Kufstein. Sein Leben hat er Gott und dem Gebet verschrieben. „Meine Welt dreht sich nach wie vor. Ich gehe sonst auch nicht essen, ins Kino oder zu Veranstaltungen. Mein ganzes Leben ist der Thierberg. Hinunter komme ich nur selten, um Lebensmittel einzukaufen, zur Bank zu gehen oder, wenn es sein muss, zum Arzt. Meine Gebetszeiten, mein Arbeitsplatz, mein Kochplatz, mein Schlafplatz – alles ist hier oben und nach wie vor gleich“, erzählt der 52-Jährige, für den es eine Berufung ist, so zu leben. 

Das Gebet bestimmt seinen Alltag. Momentan nimmt er sich dafür noch mehr Zeit. Sein Lieblingsplatz ist unter dem Kreuz in der Thierberg-Kapelle: „Gerade die Kar- und Ostertage machten mich wieder besonders dankbar: für meinen Glauben, meine Gesundheit, die Kraft, die ich jeden Tag habe, die Liebe, die ich erfahre, die Menschen, die mich unterstützen. Ein wertvolles Leben braucht nicht viel.“

Bruder Konrad hat beobachtet, dass vor den Beschränkungen drei Mal so viele Wallfahrerinnen und Wallfahrer auf den Thierberg kamen als üblicherweise im Frühjahr.

Disziplinierte Pilgerinnen und Pilger

„In den vergangenen Wochen waren es viel weniger Menschen, die das Gebet und das Gespräch gesucht haben. Jetzt sind es schon wieder mehr. Man merkt zwar die bedrückte Stimmung und dass jene aus dem bayerischen Raum ausbleiben. Die Pilgernden kommen, um Danke zu sagen, dass wir die Pandemie so im Zaum halten können, und sie bitten um finanziellen Schutz“, beschreibt der Eremit. Bruder Konrad ist stolz auf „seine Pilger“, wie er sagt: „Alle sind sehr diszipliniert, jeder geht für sich, bewusster und sehr andächtig. Einige mit Masken, obwohl hier die Abstandsregeln sehr gut eingehalten werden können. Sie nutzen die Zeit intensiver. Sie gehen langsamer und nehmen sich mehr Zeit für das Gebet auf dem Thierberg. Ich bin überzeugt, dass die meisten ganz genau wissen, was sie suchen“, sagt er. 

Einsamkeit betrachtet der Eremit als ein Geschenk, das er freiwillig angenommen hat. Sein Zugang: Er „darf“ einsam leben. „Dieses aktuelle ‚Ich-muss-zu-Hause-Bleiben‘ ist eine ganz andere Ausgangsposition“, gibt Bruder Konrad zu bedenken. Trotzdem empfiehlt er, die gegenwärtige Zeit zu nutzen, um zur Ruhe zu kommen sowie den Druck und den Stress des Alltags zumindest für eine Weile hinter sich zu lassen. 

Tipps des Einsiedlers in der Einsamkeit

Zwei Dinge liegen ihm besonders am Herzen. Er rät dazu, die Leere neu zu füllen, und sich allen voran mehr und bewusster Zeit für die Familie zu nehmen. „Es ist auch eine Chance, Nähe zu Familienmitgliedern und Gott zu suchen, sich auf Gott neu oder intensiver einzulassen, auf seine Hilfe zu vertrauen, die Sorgen zu übergeben – einfach frei zu werden“, regt der Einsiedler an. „Und: Den Fokus auf das Wesentliche im Leben legen und vieles, das so selbstverständlich geworden ist, wieder schätzen. „Jeder redet über Geld. Die ganze Welt verliert aktuell so viel. Aber worauf können wir uns wirklich verlassen? Geld können wir nicht essen. Wir müssen sinnvoll mit unserem Planeten umgeben, nicht nur von Nächstenliebe reden, sondern sie auch leben, und wir dürfen nicht alles mit Geld messen“, appelliert er für ein bewussteres Leben aller während und nach Corona.

Daniela Pfennig

Foto: Bruder Konrad  sagt: „Ein wertvolles Leben braucht nicht viel.“ Er  suchte die Stille und die Einsamkeit.  Am Thierberg bei Kufstein hat er beides gefunden. Der Eremit  hat sich hier dem Gebet verschrieben.

Foto: RB/Pfennig

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