Menschen- und Umweltschützer

Amazonien. Papst Franziskus hat kurz vor Weihnachten das Rücktrittsgesuch des Bischofs von Xingu, Erwin Kräutler, angenommen. Als Nachfolger des Austro-Brasilianers ernannte er den Franziskaner Joao Muniz Alves.

Altamira. Er gilt als streitbarer Kirchenmann, der sich in Fragen der Menschenrechte, der Ausbeutung Amazoniens wie auch in Kirchenthemen kein Blatt vor den Mund nimmt. Der gebürtige Vorarlberger hatte bereits im Vorjahr das vorgesehene Emeritierungsalter von 75 Jahren erreicht. Seit 1980 leitete er die Prälatur am Xingu-Fluss. Im Rückblick auf die Anfänge seines Wirkens sagt er: „Eine Fülle von Problemen stürzte auf mich herein.“ Schließlich stehe er als Bischof inmitten der „gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kirchenpolitischen Auseinandersetzung“ und könne nicht so tun, als ob ihn „alles nichts angeht“. Hieß es, er solle bei seiner „religiösen Mission“ bleiben, wies er dies zurück: Es gehe um Menschenwürde und oft „um Leben und Tod“: „Ich kann das Evangelium ja nicht den Toten verkünden.“

Was Kräutler Feinde bescherte, war vor allem sein unbeugsamer Einsatz für Indios, Kleinbauern und Landarbeiter in der Verteidigung ihrer Rechte gegenüber Großgrundbesitzern und Landspekulanten. Weltweit bekannt wurde er durch sein hartnäckiges Eintreten gegen das Mega-Kraftwerk „Belo Monte“ am Xingu, nahe der Bischofsstadt Altamira. Sein Engagement trug ihm weit über Kirchenkreise hinaus Anerkennung ein: 2010 wurde Kräutler mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Der laut WWF „wichtigste Menschen- und Umweltschützer Brasiliens“ betonte mehrfach, die Welt dürfe sich im Amazonas keine Atempause gönnen, wolle sie der Zukunft „mehr als nur Kahlschlag, Wüste und Chaos“ hinterlassen.

Zukunft in Brasilien und Österreich

Bischof Kräutler will – wie er im Buch „Mein Leben für Amazonien“ ankündigte – in seinem „Ruhestand“ teils in Brasilien, teils in Österreich leben, für Firmungen und Einkehrtage zur Verfügung stehen, das Diözesanarchiv in Altamira ordnen oder eine „Geschichte des Xingu“ schreiben. Sein Nachfolger wird der Franziskaner Joao Muniz Alves. P. Alves ist 54 Jahre alt und aktuell Guardian der Franziskanerkommunität im nordbrasilianischen Sao Luis do Maranhao, wo er auch als Pfarrer und Theologieprofessor wirkt.
kap

Bischof Erwin Kräutler feierte im vergangenen Juli sein goldenes Priesterjubiläum im Salzburger Dom. Vor kurzem hat Papst Franziskus seinen Rücktritt angenommen und einen Nachfolger für die Diözese Xingu ernannt. Foto: eds