Menschliches auf den Tisch gelegt

Erzbischof Franz Lackner überreichte kürzlich den Kardinal-König-Kunstpreis an Kerstin von Gabain. Der mit 11.000 Euro dotierte Preis gehe an eine Künstlerin, die den Betrachter herausfordere Position zu beziehen, so Jury-Mitglied Angelika Nollert in der Laudatio.

Salzburg. Im preisgekrönten Kunstwerk gehe es um „Verfremdung, Assoziation und Künstlichkeit“, so Nollert: Mit seidig-glatten Abgüssen menschlicher Knochen, Armen oder Beinen leitet die Künstlerin den Blick der Betrachter auf die Verletzlichkeit des Körpers. Nollert würdigte die direkten und schonungslosen Zugänge der Künstlerin. Im Gesamtwerk finden sich immer wieder humorvoll-freche Blicke auf Alltagsgegenstände, die einen Perspektivenwechsel eröffnen. Von Gabain fordere zur Stellungnahme heraus und konfrontiere mit konkreten Fragen: „Sie möchte von uns wissen: Was ist unser Gesellschaftsbild und was ist unsere Verfasstheit“, kommentierte die Direktorin der Neuen Sammlung-The Design Museum in München. 

 

Von Gabain nimmt in „Symposium on the dark ages“ Bezug auf Hieronymus Boschs „Weltgerichtstriptychon“ und übersetzt Emotion und Formensprache des Altarbildes aus 1504 in die Gegenwart. Bosch formulierte mit „mittelalterlichen“ Mitteln für seine Zeit zukunftsweisende Themen – wie das Ringen des Individuums um die ihm eigene Verantwortung für sich und sein Leben; ebenso entwerfe von Gabain mit zeitgenössischen Mitteln das Bild eines gefährdeten Wesens auf der Suche nach Heilung.

 

Prälat Johannes Neuhardt be-dankte sich bei Erzbischof Franz Lackner für das Engagement bei der Förderung zeitgenössischer Kunst: „Die Kirche braucht die Kunst und zwar die von Heute. Sie kann sich nicht mit der von Gestern begnügen, weil ihr Auftrag für Heute und Morgen gilt“, so der Initiator des Kardinal-König-Kunstpreises. Kerstin von Gabain, geboren 1979 in Palo Alto, USA, studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Sie arbeitet insbesondere mit Fotografie und Skulptur. Werke aller 23 nominierten Künstlerinnen und Künstler sind in einer Ausstellung bis 2. Februar in St. Virgil Salzburg zu sehen.

 

Bildtext: Bei der Verleihung Antonia Gobiet (Geschäftsführerin Kardinal-König-Kunstpreis), Margit Zuckriegl (Jurymitglied), Preisträgerin Kerstin von Gabain und Erzbischof Franz Lackner (v. l.). Foto: Probst