„Mit Apropos bin ich erwachsen worden“

Jubiläum. Die Salzburger Straßenzeitung Apropos feiert ihr 20-jähriges Bestehen: Das Medium, das in den ersten Erscheinungsjahren noch „Asfalter“ hieß, schreibt Jahr um Jahr Erfolgsgeschichte. Der Erfolg der Zeitung lässt sich sowohl an den Journalismus- und Sozialpreisen ablesen, als auch an den gelungenen Projekten, die das Team um Chefredakteurin Michaela Gründler durchführte. Ein elementarer Erfolgsparamater ist die Sicht der Verkäuferinnen und Verkäufer von Apropos.

Salzburg. Apropos erscheint in einer Auflage von 10.000 Stück, die Verkäufer bringen sie unter die Leute, hauptsächlich in der Stadt Salzburg. Dass Apropos auch am Land, besonders im Tennengau verkauft wird, verdankt man Evelyne und Georg Aigner. Georg Aigner streut der Straßenzeitung zum 20-Jahre-Jubiläum Rosen: „Erst mit Apropos bin ich erwachsen geworden. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich damals, vor etwas über zehn Jahren, das Gefühl, dass ich jemandem nicht egal bin. Evelyne, meine Frau, und Apropos haben mir gezeigt, dass mein Leben einen Sinn hat. Heute kann ich es selbst sehen, dass sich die Menschen freuen, wenn sie mich treffen.“ Die Chefredakteurin Mag. Michaela Gründler, Redakteurin Mag. Verena Siller-Ramsl, Christine Gnahn und Verkaufsleiter Hans Steininger werden in allen Texten, die die Apropos-Verkäufer in den vergangenen Monaten verfassten, mehr als nur gelobt. „Die vier ermöglichen uns, dass wir ins Theater, zu den Festspielen, ins Museum und vor kurzem auch ins Eisstadion kamen. Ohne die vier hätten wir viele Erlebnisse nicht gehabt, die schauen auf uns“, erzählt Verkäuferin Evelyn. 

 

Geben und Nehmen ist in der Apropos-Redaktion in der Glockengasse eine Selbstverständlichkeit. „Toni, nimm dir nur Zeit, dein Text ist sehr gut, lies ihn in Ruhe“, unterstützt Verkäufer Georg seinen Kollegen Toni. Luise Slamanig sitzt mitten unter ihren Kollegen: „Meinen 60. Geburtstag habe ich mit Apropos im Schmankerl gefeiert.“ Hanna, die für jede Apropos-Ausgabe schreibt, erinnert sich mit Freude und Stolz an die Lesungen; zusammen mit Karl Merkatz zu lesen, hat Eindruck bei der begabten Apropos-Autorin hinterlassen. Verkäufer Kurt Mayer erzählt davon, wie aufgeregt er bei der Verleihung des Salzburger Volkskulturpreises war: „Wir alle standen auf der Bühne im vollen Saal der Salzburger Nachrichten, so viel Publikum hatten wir noch nie.“ 

 

Zuneigung spüren

 

„Zuerst habe ich am Platz verkauft und dabei gelernt, auf meine Kunden zu achten; einmal habe ich in meinem Eifer sogar Luise, meiner Kollegin, die Zeitung angeboten. Hier habe ich zum ersten Mal gespürt, dass ich jemandem abgehe, dass Leute mich mögen, so wie ich bin“, zieht Georg Aigner Bilanz. „Es ist meine Arbeit, die Straßenzeitung zu verkaufen“, sagt Simona aus Rumänien, sie nimmt das Verkaufen, den Deutschkurs und die Schreibwerkstatt bei Apropos ernst. „Ich bin besser beim Schreiben, beim Reden vergesse ich viel von dem, was ich im Deutschkurs gelernt habe“, schmunzelt Aurel Temelin, Verkäufer in Gneis. „Donna Luise hat angeboten, du zu ihr zu sagen. Das ist eine Ehre,  in Rumänien haben wir gro-ßen Respekt vor älteren Menschen“, freuen sich Simona und Elena. 

 

Ein literarisches Denkmal 

 

„Viele unserer früheren Verkäufer sind bereits verstorben, sie fehlen uns und dem Salzburger Straßenbild. Rolf mit seinem Hut in der Linzer Gasse beispielsweise oder Erwin, der so wunderschöne Vogelhäuschen gebaut hat. Sie alle haben Apropos geprägt“, erzählt Verkäuferin Evelyne Aigner und hat ihren verstorbenen Kollegen mit dem Text „Helden der Straße“ ein literarisches Denkmal geschrieben. „Wir kennen uns alle schon sehr lang und sehr gut; wir nehmen die Neuen immer gern auf, soweit sie bereit sind, die Regeln einzuhalten.“ 

 

Regeln? „Sicher haben wir Regeln: Wir sind freundlich zu unseren Kunden, wir halten Abstand zum nächsten Verkäufer ein, betteln mit der Straßenzeitung Apropos in der Hand geht nicht“, sind sich die Verkäufer von Apropos einig. „Apropos ist meine Familie hier in Österreich“, sagt Simona und Georg schmunzelt: „Ich weiß genau, was sie meint. Auch ich habe hier zum ersten Mal Anerkennung erfahren, hier haben mir Menschen zum ersten Mal etwas zugetraut.“