Mit der Kraft der Sonne

Bolivien. Immer mehr Österreicher absolvieren einen Zivilersatzdienst im Ausland. Einer von ihnen ist Jakob Neumayer aus Salzburg. Noch bis August hat der 20-Jährige seine Zelte in Bolivien aufgeschlagen. In der Stadt Oruro ist er für die Organisation „Complejo Solar Oruro“ im Einsatz. „Wir arbeiten mit solarer Energie.“  Besonders am Herzen liegen ihm die Solarkocher. 

 

 

Oruro/Potosí. Möglich machte den Zivilersatzdienst von Jakob Neumayer neben dem Sozialministerium INTERSOL. Der Salzburger Verein zur Förderung INTERnationaler SOLidarität organisierte im Vorfeld und unterstützt ihn auch während seiner Zeit in Bolivien. Vor Ort in Oruro arbeitet der junge Mann bei „Complejo Solar Oruro“, kurz CSO. Schwerpunkt dieser Organisation ist die Förderung von solarer Energie. Vor allem für die Menschen am Land bedeutet Solarenergie eine Verbesserung ihrer Lebensqualität.  

Hilfe für die Witwen der Minenarbeiter 

CSO ist auch in Potosí tätig. Einst war die Stadt am Silberberg „Cerro Rico“ unvorstellbar reich. Heute ist sie noch immer die höchstgelegene Stadt der Welt, aber eine sehr arme. Hierher hat sich Neumayer für das Rupertusblatt aufgemacht und Frauen besucht, die vom Projekt Solarkocher profitieren. 

In einer fünfstündigen Busfahrt lässt sich Potosí von Oruro aus erreichen. „Angekommen, heißt es aufpassen. Der Name der Stadt bedeutet nicht umsonst Lärm. Die Hupe wird öfter als die Bremse verwendet“, so der Zivildiener, der auch die schwierigen Lebensbedingungen der Menschen kennt: „Der Cerro Rico (reicher Berg) ist die Finanzquelle Potosís. Hier wird nach wie vor Tag und Nacht abgebaut, geschürft und geschwitzt. Die Lebenserwartung der Arbeiter beträgt 35 bis 40 Jahre. Unfälle in den Minen kommen regelmäßig vor. Die Frauen der verunglückten Männer bleiben mit ihren Kindern  auf der Strecke. Sozialleistungen reichen in Bolivien bei weitem nicht zum Leben.“

Solarkocher haben großes Potenzial 

Mit den Solarkochern möchten Jakob Neumayer und das CSO-Team den Witwen der Minenarbeiter ihren Alltag leichter und gesünder gestalten. Das Potenzial durch 300 Sonnentage im Jahr erklärt sich von selbst und die Vorteile liegen auf der Hand: Wegfall des täglichen Brennholzsammelns, kein gesundheitsschädlicher Rauch mehr beim Kochen und dazu Klimaschutz durch verringerte CO2-Emissionen. Wie der Solarkocher funktioniert: „Die einfallenden Sonnenstrahlen werden durch die parabolische Form im Brennpunkt konzentriert, in dem sich ein schwarzer Kochtopf befindet. Es entstehen Temperaturen bis zu 200 Grad Celsius.“ Das Kochen und Backen jedes Gerichtes sei so möglich. Einziger Haken: Zur Finanzierung braucht es Spenden. Ein Solarkocher  kostet rund 1.200 Bolivianos (156 Euro). „Das ist im monatlichen Einkommen einer Witwe leider nicht vorgesehen“, weiß Neumayer, der auf Unterstützung aus seiner Heimat hofft.   

Bild: Das Team des „Complejo Solar Oruro“: die drei Zivis Jakob Neumayer, Jakob Smretschnig, Christoph Anibas sowie Techniker Cirilo Canaviri und Direktor Jhony Cuiza (v. r.).

Fotos: Neumayer

Den Alltag etwas leichter machen

Sepriana Romera Guaya Guapo aus Potosí ist seit acht Jahren Witwe. Die 43-Jährige berichtet, weshalb ein Solarkocher so wertvoll für sie wäre.

RB: Wie alt sind ihre Töchter?
Guapo: Die Älteste ist 17 und schon auf der Universität, die mittlere 14 und die jüngste ist erst neun Jahre. 

RB: Ist es sehr hart, Ihre Kinder alleine durchzubringen?
Guapo: Ich muss sieben Tage die Woche arbeiten – von Montag in der Früh bis Sonntagmittag. Derzeit verkaufe ich Fleisch in einem Geschäft. Normalerweise arbeite ich in der Gemeinde. Ich mache das, was gerade anfällt.

RB: Warum wünschen Sie sich einen Solarkocher? 
Guapo: In unserem Haus haben wir weder fließendes Wasser noch Strom. Wir müssen unsere Wäsche per Hand waschen und das kann durch die Kälte des Wassers in dieser Höhe ziemlich anstrengend sein. Der Solarkocher erleichtert das Waschen und natürlich auch das Kochen. Er kann bis sechs Uhr abends verwendet werden und das an 300 Sonnentagen im Jahr.