„Mit Glocken läuten ist es nicht getan“

Dommesner. Sie sind Hausmeister und doch viel mehr – die vier Dommesner nehmen uns mit an ihren Arbeitsplatz.

Salzburg. Ein Raunen geht durch das Gemäuer, staunend deuten Menschen in die Kuppel, machen Fotos, andere zünden Kerzen an. 20.000 Besucher sind es, die in den Spitzenzeiten im Sommer täglich durch den Dom streifen. Dass dabei auch alles seine Ordnung hat, darauf schauen die Mesner: Sie sind Ansprechpartner für alle, die es in das Gotteshaus zieht, beantworten geschichtliche Fragen, lauschen ganzen Lebensgeschichten. Sie achten aber auch darauf, dass die Menschen dem Ort geziemend gekleidet sind und weisen lärmende Touristengruppen zurecht. Kurz: Die Mesner sind die „Hüter des Heiligtums“. 

Für Obermesner Dietmar Koisser beginnt
ein Arbeitstag um 6.00 Uhr, wenn er den Dom für die heilige Messe aufsperrt. Danach bereitet er alles für den ersten Gottesdienst um 6.30 Uhr vor und ist während der Messe sogar Ministrant. „Mit Glocken läuten und Kerzen anzünden, wie viele meinen, ist es längst nicht getan“, betont Roland Hellrigl. „Als Mesner ist man ein Hausmeister, der liturgisch gebildet ist.“ Auch er ist einer der vier Dommesner. Sie achten darauf, dass die Vorräte an Hostien, Wein und Kerzen nicht zur Neige gehen, übernehmen Lektorendienste, die Tafelsammlung und die zeitintensive Reinigung des Domes. Sie betreuen Fremdveranstaltungen und organisieren den Einlass bei den Domkonzerten – zu tun gibt es genug. 

Eine Sonderrolle nehmen die Domschweizer Wolfgang Liko und Mariano Vargas ein, die bei Messen des Erzbischofs im Salzburger Dom dafür sorgen, dass alles reibungslos abläuft. Man erkennt sie an ihrer außergewöhnlichen Uniform: rote Kappe, weißes Hemd mit Kragen, roter Umhang, Handschuhe und Stab.

Der schönste Arbeitsplatz der Stadt

Als Kirchendiener sind Menschen mit vielen Interessen gefragt: Man muss wissen, wie man Silber, Gold, Marmor und die verschiedenen Stoffe der Messgewänder pflegt, das Haus und seine Eigenheiten kennen: Wenn es etwa im Sommer heiß ist, muss mitunter kübelweise Wasser aus der Krypta getragen werden – Kondenzwasser aus der Entlüftungsanlage. Roland Hellrigls Steckenpferd ist als gelernter Florist der Blumenschmuck. Vor zwölf Jahren entschied er, dass es Zeit für einen beruflichen Neustart sei. Schon als Bub hatte er ministriert, unterstützte den Heimatmesner, war in der Jungschar, später Dekanatsleiter und im Domchor – der Bezug zur Kirche war immer da, wie bei allen in dem Team, zu dem außerdem Matus Mraz und Maximilian Bekmann gehören.

„Man muss sich für das Haus verantwortlich fühlen, sonst ist man fehl am Platz“, betont Hellrigl, der an seiner Arbeit besonders die großen Festtage liebt: Amtseinführungen, Ostern, wenn alles groß und weit wird – dann wird einmal mehr deutlich, dass er und seine Kollegen den schönsten Arbeitsplatz in ganz Salzburg haben. Das sehen sie nicht anders als die Touristen.