Mit Herz und Effizienz

Libanon. St. Vinzenz in Broumana ist mehr als eine Schule. Mit Herz und Effizienz werden die Kinder hier aufs Leben vorbereitet. In der Gemeinschaft von 357 SchülerInnen sind 115 syrische Flüchtlingskinder. Wie selbstverständlich drücken christliche und muslimische Mädchen und Buben die Schulbank. „Anfangs war es nicht leicht, doch die Integration ist gelungen“, berichtet Marie Ghiya, die Internatsleiterin von St. Vinzenz, einem Haus der Barmherzigen Schwestern im Libanon.

Salzburg/Broumana. Der kleine Libanon hat bei rund vier Millionen Einwohnern mehr als zwei Millionen Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen. Das Land ist damit überfordert. Das Trinkwasser ist knapp, der Strom fällt immer wieder aus, weil die altersschwachen Kraftwerke den Bedarf nicht decken können, das staatliche Schulsystem kann trotz Zwei-Schichtbetrieb die Flüchtlingskinder nicht aufnehmen und die Arbeitslosigkeit steigt immer mehr an. „Die Syrer nehmen Jobs für den halben Lohn an, den ein Libanese bekommt“, berichtet Marie Ghiya, die auch erklärt: „Die Regierung hat keinen Plan. Sie können nichts für die arme libanesische Bevölkerung tun und schon gar nichts für die Flüchtlinge.“

Friedliche Seite des Lebens aufzeigen

Ohne auf Herkunft oder Religion zu schauen, öffnen die Barmherzigen Schwestern in Broumana ihre Türen: für Kinder aus bedürftigen libanesischen und syrischen Familien. Über das mittlerweile selbstverständliche Miteinander von jungen ChristInnen und MuslimInnen sagt Internatsleiterin Marie: „Broumana ist christliches Kerngebiet. Muslimische Kinder aufzunehmen war eine Herausforderung, doch wir haben sie gemeistert. Es braucht einfach Zeit und eine Menge Aufklärung bei Eltern, Nachbarn und Lehrern. Heute sind Freundschaften zwischen christlichen und muslimischen Kindern normal. Die Integration ist gelungen.“  

„Wenn die syrischen Kinder in Broumana ankommen, sollen sie sich willkommen fühlen“, betont Marie Ghiya. Sie berichtet von den Traumata, die Krieg und Flucht hinterlassen haben. „Die Kleinsten haben oft noch nichts anderes kennen gelernt als Bomben, Gewalt, Zerstörung und Tod. Auf ihren Zeichnungen sieht man umgefallene Häuser, getötete Menschen und Blut, Blut, Blut.“ Diesen Kindern bei der Verarbeitung ihrer Erlebnisse zu helfen, sei eine immense Aufgabe. Mit zwei Psychologen versuche sie, den Kindern eine andere, eine friedliche und freudige Seite des Lebens aufzuzeigen. 

Damit die Flüchtlingskinder auch im Unterricht aufschließen können, steht am Nachmittag regelmäßig Nachhilfe am Stundenplan. Der beste Beweis dafür, dass sich diese Förderung bezahlt macht, ist Laith. Der Bub ist mit zwölf Jahren vor den Kämpfen aus dem syrischen Aleppo geflohen. Bis vor drei Jahren sprach er kein Wort Französisch – im Libanon eine Unterrichtssprache. Heute ist er einer der Besten in St. Vinzenz.

„Weil jedes Kind zählt“

Die Caritas Salzburg ist Projektpartner der Barmherzigen Schwestern in Broumana. Gemeinsam geben sie Kindern das, was sie am dringendsten brauchen: Ein sicheres Zuhause, liebevolle Betreuung, Bildung und genügend zu essen. „Bei Millionen Flüchtlingen können wir nicht alle erreichen; unsere Hilfe ist ein Tropfen, aber ein Tropfen, der ins Herz geht und der Hoffnung gibt. Und: Jedes Kind ist Grund genug, sich einzusetzen“, betont Caritas-Direktor Johannes Dines.  

Hintergrund

Armut in der Kindheit hat lang an-haltende Auswirkungen auf das Leben. Die Caritas Salzburg engagiert sich für Kinder im Inland und in ihrer Schwerpunktregion, dem Nahen Osten. Das Straßenkinder-Projekt in Ägypten bietet Kindern, die keine Bleibe haben, wieder ein Zuhause. Im syrischen Lattakia bekommen Mädchen und Buben von Inlandsvertriebenen Zugang zu  Bildung und Versorgung. Und in Broumana im Libanon öffnen die Barmherzigen Schwestern ihre Schule für Flüchtlinge. 

Jede Spende hilft: Raiffeisenverband Salzburg; IBAN AT11 3500 0000 0004 1533; BIC RVSAAT2S; Kennwort: Kinderkampagne 2017 oder Online-Spenden unter www.caritas-salzburg.at

Bilder (ibu): St. Vinzenz in Broumana: Ein Ort der Bildung und der Hoffnung für libanesische und syrische Kinder. Die Caritas Salzburg unterstützt Schule und Internat im Libanongebirge.  

 

 

PK: Start der Caritas Hungerkampagne 2015 Foto: Neumayr/MMV 1.7.2015 Marie Ghiya