Mit viel Witz und Wissen

Martin Dürnberger erhielt den Staatspreis "Ars Docendi" für exzellente Lehre

Auszeichnung. Wie reagieren, wenn der Ministerialrat vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung anruft und zum Staatspreis für exzellente Lehre gratuliert? Martin Dürnberger, Assistenzprofessor an der Theologischen Fakultät Salzburg, fand das „natürlich großartig“, und „eigentlich unglaublich“.

Claudia Höckner-Pernkopf

RB: Herr Dürnberger, herzliche Gratulation zum Staatspreis „Ars Docendi“ für exzellente Lehre. Was bedeutet der Preis für Sie und Ihre Arbeit?

Martin Dürnberger: Im Wesentlichen ist es eine Anerkennung und Wertschätzung; es freut mich, dass die Bemühungen um eine gute Lehre anerkannt werden. Zum anderen ist es auch die Ermutigung, die Idee weiterzuverfolgen, dass Studierende Spaß haben sollten am kritischen Hinterfragen, am Lernen, am Fabulieren, an der Theologie. Studienanfänger müssen sich sehr rasch viel Wissen aneignen. Neben dem Aufbauen von Druck gibt es auch die Möglichkeit, einen Unterdruck zu erzeugen, einen Sog sozusagen, eine Faszination und Anziehungskraft, damit die Studierenden sagen: „Hey, das ist so spannend, da les‘ ich mehr dazu.“ Und das ist etwas, das man in der Lehre gerade mit spielerischen und witzigen Elementen anregen kann.

RB: Ihre Kurse Theologie und Glaube I & II verhandeln lustige Fallbeispiele. Von Heiligenerscheinungen auf Toastbroten bis zur Liebespille für den Schistar und Mädchenschwarm Marcel H....

Dürnberger: Ja, anhand der Fallbeispiele sind die Studierenden herausgefordert, theologische Positionen durchzudiskutieren. Das kritische Hinterfragen anderer Positionen und auch der eigenen halte ich für eine, wenn nicht die zentrale Grundkompetenz. Ich darf mich heute nicht vorschnell vor einem Argument verschließen. Es braucht Offenheit und Lernbereitschaft – sowohl für das, was aus dem Glauben kommt, aus der Tradition, als auch für das, was vom Denken kommt; das ist ein Habitus, den man kultivieren muss. Kritisches Hinterfragen und vernünftige Argumente können nie im Widerspruch zum Glauben stehen. Manchmal braucht es das geduldige Ausharren, weil nicht gleich, ad hoc, Lösungen parat stehen. Aber diese Wartezeit müssen wir aushalten können.

RB: Was ist für Sie gelungene Lehre? 

Dürnberger: Mir ist wichtig, dass die Studierenden  zent-rale Inhalte wissen, verstehen, anwenden und analysieren können. Gelungene Lehre ist sicherlich eine Kombination aus klassischer Wissensaneignung und der Freude an der kritischen Auseinandersetzung. Spielerische Elemente sind nichts ohne die Grundkenntnis zentraler Wissensinhalte. Und zugleich ist Lernen mehr als bloßes Reproduzieren von Wissen. 

RB: Warum sollte man sich heute für ein Theologie-Studium entscheiden?

Dürnberger: Weil es um Fragen geht, die es wert sind, reflektiert zu werden;  die Frage nach dem guten Leben zum Beispiel. Kein Roboter wird uns diese Fragen abnehmen. Im universitären Umfeld werden diese Themen sauber diskutiert. Ich bin überzeugt: Die Zeit war nie besser für ein Theologiestudium. 

 

Hochschulwochen: „Ich will die besten Köpfe“

Martin Dürnberger ist nicht nur Lehrender an der Katholisch-theologischen Fakultät, sondern seit 2005 auch Obmann der Salzburger Hochschulwochen. „Ich will die besten Köpfe für die Hochschulwochen gewinnen“, sagt Dürnberger. Thematisch ist die internationale und interdisziplinäre Sommeruniversität am Puls der Zeit und beschäftigt sich dieses Jahr mit der „Angst“ als „unsichtbare Weltmacht“. 

Den Festvortrag hält Zeit-Journalist Bernd Ulrich am 5. August, 10.30 Uhr, in der Großen Aula der Universität. 

Klimaökonom Ottmar Edenhofer, Astronomin Lisa Kaltenegger und Standard-Journalistin Gudrun Harrer sind dieses Jahr u.a. zu Gast. „Die Vorlesungen und auch das Rahmenprogramm bieten Stoff und Gelegenheit zum Austausch“, ist sich Dürnberger sicher. Seit 1931 gibt es die „smarte Sommerfrische“. 

Erzbischof Franz Lackner lädt im Rahmen der Hochschulwochen auch dieses Jahr zum Sommerfest in den Bischofsgarten. 

 

Ars Docendi: Der Preis wird seit 2013 in fünf Kategorien vergeben und ist bundesweit die einzige Auszeichnung für herausragende Lehrleistungen an Universitäten und Fachhochschulen. Dürnberger ist der erste Theologe, der den mit 7.000 Euro dotierten Preis in Wien entgegennahm. 

Foto: Martin Dürnberger bekommt von Iris Rauskala vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung den Ars Docendi für exzellente Lehre überreicht. / Fotonachweis: BMFBWF/Lusser