„Mitten ins Herz“

Den Kolomanichor, der in St. Koloman beheimatet ist, gibt es bereits seit 1879. Seit 2013 leitet Brigitte Neureiter die Geschicke der Singgemeinschaft

RB: Wie setzt sich der Chor zusammen?

Neureiter: Wir sind 24 Frauen und 9 Männer im Alter zwischen 20 und 75 Jahren. Die Sängerinnen und Sänger kommen alle aus St. Koloman. 60 Prozent sind gebürtige „Taugler“ – so nennt man die Einwohner von St. Koloman, 40 Prozent sind der Liebe wegen nach St. Koloman gezogen. 

RB: Was ist euer Repertoire?
Neureiter: Wir musizieren hauptsächlich kirchliche Liturgie – von lateinischen über deutsche Messen – begleitet von Willi Lochbichler auf unserer neuen Orgel oder mit einem Ensemble der TMK St. Koloman. Wir singen aber auch Volkslieder und weltliche Stücke.

RB: Wie oft tretet ihr auf? 

Neureiter: Wir singen eigentlich an allen kirchlichen Feiertagen. Außerdem bei Hochzeiten und Begräbnissen und alle zwei bis drei Jahre beim Bezirkschorprojekt –  das letzte Mal haben wir gemeinsam mit anderen Tennengauer Chören die Franz-Xaver-Gruber-Messe „Sieh Gott! Vom Himmel nieder“ im Herbst in der Stadtpfarrkirche Hallein aufgeführt.

RB: Wie oft wird geprobt?

Neureiter: Wir proben einmal in der Woche, immer dienstags, um 19.30 Uhr im Probenraum im Pfarrhof St. Koloman.

RB: Ihr singt hauptsächlich in der Kirche. Macht es einen Unterschied, in einer Kirche oder in einem Veranstaltungssaal zu singen?

Neureiter: Wenn wir in einer Kirche singen, ist der Auftrag ein anderer. Da singen wir im Dienst an Gottt und an der Pfarrgemeinde. Bei einem Konzert ist da eine ganz andere Atmosphäre – in beiden Fällen geht es um das Musikalische, um die Feinheiten im Klang. Jedoch bin ich bei Konzerten ganz anders aufgeregt.

RB: Was ist Ihre Motivation als Chorleiterin?

Neureiter: Der Spaß beim Proben – bei jeder Probe muss gelacht werden. Das Herausfordern der Sängerinnen und Sänger durch neue Stücke. Und die Möglichkeit, eine musikalische Gemeinschaft mitzuerleben. Wenn man Ausflüge macht, wächst man zusammen – das ist ein richtig schönes Gefühl.

RB: Was sind die Herausforderungen, was das Schönste an dieser Arbeit?

Neureiter: Herausforderungen sind neue Lieder. Es gibt auch Sängerinnen und Sänger, die keine Noten lesen können, aber trotzdem von Herzen gerne singen. Es macht Freude, wenn das Lied dann funktioniert, wenn es im Kopf und im Herzen der Menschen angekommen ist und wir es mit anderen Menschen teilen können.

RB: Ist es schwierig, Nachwuchs zu bekommen?

Neureiter: Die Leute haben Scheu davor, sich zu verpflichten – egal bei welchem Verein. Insofern ist es schon schwierig. Wir haben einen guten Stammchor, aber es kommen und gehen auch Leute. Wir freuen uns jedenfalls immer über Nachwuchs!

RB: Gibt es Aufnahmekriterien?

Neureiter: Nein. Es kann sich jederzeit jede und jeder bei uns melden oder einfach bei einer Probe vorbeikommen und reinschnuppern.

RB: Geht die Chorgemeinschaft über das Singen hinaus?

Neureiter: Ja definitiv. Wir haben ein paar fixe gemeinsame Aktivitäten: Eine Wanderung auf die Bergalm in St. Koloman, Schifahren in Abtenau, eine Faschingsfeier und die Jahreshauptversammlung unseres Chores. Alle zwei bis drei Jahre machen wir einen größeren Ausflug. 

RB: Sie singen selbst auch im Chor. Wie sind Sie zum Singen gekommen?

Neureiter: Der Kinderchor St. Koloman war mein Einstieg. Dann war ich in der Musikhauptschule Hallein-Burgfried, wo wir auch viel gesungen haben und Aufführungen hatten. Neben der BAfEP nahm ich dann Gesangsunterricht – zuerst klassisch, dann Jazz, dann wieder klassisch. 2011 war ich ein Jahr im Studio-Chor des Musikum, 2012 bin ich zur KlangsCala gekommen und habe mit der Chorleiterausbildung bei Helmut Zeilner begonnen.

RB: Hilft das Singen im Chor bei der Arbeit als Chorleiterin?

Neureiter: Ja, auf jeden Fall! Helmut Zeilner ist ein super Dirigent. Man lernt durch das  Zuschauen sehr viel. Man hat dadurch mehr Verständnis für die Chorsängerinnen und -sänger, man kann sich besser in sie hineinfühlen.

RB: Was bedeutet Ihnen Musik ganz persönlich?

Neureiter: Musik gehört einfach zu meinem Leben. Sie geht mitten ins Herz. Jeder Moment wird verstärkt, wenn Musik dabei ist.

 

Foto 1: Der Kolomanichor bei der Gestaltung einer Firmung auf der Empore der Kirche St. Koloman.

Foto 1: RB/Struber

Foto 2: Bei externen Auftritten trägt der Kolomanichor gerne Tracht. 

Foto 2: RB/Heilinger