Musik, die unter die Haut geht

Kürzlich fanden die Salzburger Kirchenmusikwoche in St. Virgil und die Salzburger Orgelwoche an verschiedenen Orgeln in Stadt und Land Salzburg statt

Salzburg. Laute und leise Töne, fröhliche und nachdenkliche, einstimmiger und mehrstimmiger Gesang, harmonische Klänge und ungewohnte Reibetöne wechselten sich in St. Virgil ab: Über 100 Sängerinnen und Sänger waren der Einladung des Salzburger Kirchenmusikreferates gefolgt, um an der Salzburger Kirchenmusikwoche unter der Leitung von Andreas Gassner, Leiter des Kirchenmusikreferates Salzburg, teilzunehmen. Aus ganz Österreich und vier weiteren europäischen Ländern sind die Singbegeisterten angereist, um eine Woche lang gemeinsam zu singen, zu beten, sich auszutauschen und Neues kennen zu lernen. Neben langjährigen treuen Gästen waren auch neue Gesichter zu sehen. Unter der kompetenten Anleitung der verschiedenen Referierenden entwickelte sich bald ein schöner Zusammenklang des generationenübergreifenden Gesamtchores – vom Teenager bis zu Pensionistinnen und Pensionisten waren alle Altersklassen vertreten.

Während die fleißigen Sangeslustigen unter der fundierten und ruhigen Anleitung des Hauptreferenten Domkapellmeis-ter Janós Czifra das Schrattenbach-Requiem von Michael Haydn und Alma Dei creatoris von W. A. Mozart einstudierten, konnten die Teilnehmenden der parallel stattfindenden Salzburger Orgelwoche, geleitet von Philipp Pelster,  ihre Kompetenzen im liturgischen Orgelspiel erweitern. Als Lehrende begleiteten Melanie Jäger-Waldau und Bettina Leitner durch die Woche. Neben den Orgeln im Borromäum konnten die Teilnehmenden der Orgelwoche auch andere Orgeln im Land Salzburg kennen lernen – unter anderem die neue Franz-Xaver-Gruber-Orgel in der Stadtpfarrkirche Hallein. 

Vielfältige Zugänge zu Gott

Dass Kirchenmusik und Gebet Hand in Hand gehen, war in der Kirchenmusikwoche spürbar und präsent. Jeden Abend fand eine geistliche Abendmusik statt, ein von Musik getragenes Abendgebet, in dem die im Laufe des Tages erlernten Musikstücke ihren liturgischen Ort entdeckten. So vielfältig und individuell die Zugänge der Menschen zu Gott sind, so vielfältig und breitgefächert ist auch die Musik, die Ausdruck der gelebten Gottesbeziehung ist. So wurde den Sängerinnen und Sängern über die beiden Tagesreferenten ein breites Spektrum an kirchenmusikalischen Stilen geboten: das Repertoire auf der Kirchenmusikwoche erstreckte sich vom gregorianischen Choral bis hin zur Christian Contemporary Music, also dem „Neuen geistlichen Lied“. 

Der Salzburger Dom bildete heuer die überwältigende Kulisse des Abschlussabends – eine geistliche Abendmusik, die auch Teil des Festes zur Festspieleröffnung war. Im bis auf den letzten Platz gefüllten Dom wurden unter der Leitung von Janós Czifra die beiden Werke von Haydn und Mozart zur Aufführung gebracht. Bettina Leitner ließ Orgelwerke von Bach und Mozart erklingen. Abgerundet wurde das Programm von einem siebenstimmigen A-cappella-Chorwerk des zeitgenössischen Komponisten Rihards Dubra unter der Leitung von Andreas Gassner. Bereits die Leidenschaft und Hingabe, mit der Andreas Gassner dieses keinesfalls einfache Werk mit dem Gesamtchor in relativ kurzer Zeit erarbeitete, waren beeindruckend. Die Klänge dann nochmal im Salzburger Dom zu hören, war ein Erlebnis, das unter die Haut ging, darin waren sich die Teilnehmenden einig. Dass die Salzburger Kirchenmusikwoche und Orgelwoche für Qualität steht, hat sich wieder einmal gezeigt. Man darf sich schon jetzt auf die nächste Salzburger Kirchenmusikwoche und Orgelwoche freuen, die vom 20. bis 24. Juli 2020 in St. Virgil stattfinden wird. 

Organistischer Frühzünder

Der vierzehnjährige, engagierte Organist Michael Greifeneder aus Teichstätt nahm heuer bereits zum zweiten Mal an der Orgelwoche teil. „Ich besuche die Orgelwoche, weil sie zu meiner musikalischen Karriere beiträgt und es mir große Freude bereitet, auf verschiedenen Orgeln in und um Salzburg zu spielen. Besonders gefallen hat mir heuer der Tag in der Stadtpfarrkirche Hallein, wo wir an der nagelneuen Franz-Xaver-Gruber-Orgel spielen durften “, freut sich Greifeneder. Er hat bereits im zarten Alter von sieben Jahren mit dem Klavier- und dann dem Orgelspiel begonnen. „Musik ist eines der Dinge in meinem Leben, die mir sehr viel bedeuten. Sie gibt mir die Möglichkeit, meine Emotionen auszudrücken“, betont der junge Musiker. Er nimmt jeden Sommer an mehreren Orgelkursen teil, die sich inhaltlich gut ergänzen. „Ich werde voraussichtlich nächstes Jahr wieder an der Salzburger Orgelwoche teilnehmen und bin schon gespannt auf die Referierenden“, sagt Greifeneder.

 

Foto: Junges Talent. Michael Greifeneder spielt seit seinem siebten Lebensjahr Orgel. Hier an der nagelneuen Franz-Xaver-Gruber-Orgel in der Stadtpfarrkirche Hallein.

Foto: RB/ihi