Musik vertieft Gefühle

Der „Kufsteiner Singkreis“ blickt bereits auf eine 160-jährige Geschichte zurück. Gudrun Windhofer singt bereits seit 24 Jahren im Chor und ist seit 2010 dessen Obfrau

RB: Was zeichnet den „Kufsteiner Singkreis“ aus?

Windhofer: Zum einen unsere musikalische Vielfältigkeit, zum anderen, dass wir schon seit mehr als 160 Jahren eine starke freundschaftliche Gemeinschaft pflegen. Und schließlich dass wir sehr gerne, sehr viel und sehr weit reisen. Wir sind auf unseren Konzert-reisen schon bis nach Südafrika, Brasilien und Kuba gekommen.

RB: Was ist ihr Repertoire?

Windhofer: Es reicht vom alpenländischen bis zum internationalen Volkslied. Wir singen Popmusik, Musicals, Gospels, geistliche, klassische Musik, sowie zeitgenössische, weltliche Musik.

RB: Wie setzt sich der Chor zusammen? 

Windhofer: Der „Kufsteiner Singkreis“ zählt etwa 40 Mitglieder: Davon haben wir 12 Männer- und 28 Frauenstimmen. Unsere Sängerinnen und Sänger kommen hauptsächlich aus Kufstein und Umgebung und sind zwischen 20 und 65 Jahre alt.

RB: Wie oft tretet ihr auf?

Windhofer: Wir treten etwa fünf Mal im Jahr auf: Wir singen je ein Jahreshauptkonzert zu einem größeren Thema, einmal im Jahr bei der Seniorenweihnacht und alle zwei Jahre ein feierliches Adventkonzert. Weiters werden wir auch immer wieder von anderen Chören eingeladen. Auch bei Beerdigungen und Hochzeiten treten wir gelegentlich auf, wenn eine Verbindung zu einem unserer Chormitglieder besteht. Wir treten sowohl in Kirchen als auch in Konzertsälen auf. Bei unseren Konzertreisen singen wir vorwiegend in Kirchen. Die Akustik und die Atmosphäre sind in Kirchen weltweit sehr besonders.

RB: Seit wann gibt es den „Kufsteiner Singkreis“? Seit wann leitet ihn Drummond Walker?

Windhofer: Unser Chor wurde 1859 als „Liedertafel“ gegründet. Seit etwa 50 Jahren heißt er „Kufsteiner Singkreis“. Wir feiern also heuer das 160-Jahr-Jubiläum. Zu diesem Anlass veranstalten wir an einem Wochenende ein Chöretreffen der Partnerstädte Kufsteins (Langenlois in NÖ, Rovereto in Italien und Frauenfeld in der Schweiz). Am Samstag, 19. Oktober singen wir auf der Festung Kufstein ein gemeinsames Festkonzert, am Sonntag gibt es einen Festgottesdienst, der von den Partnerchören gestaltet wird und bei dem der „Kufsteiner Singkreis“ die Missa Brevis von Josef Haydn aufführt. Der Schotte Drummond Walker leitet unseren Chor seit mittlerweile fünf Jahren.

RB: Was zeichnet Drummond Walker als Chorleiter aus?

Windhofer: Sein unglaublicher Elan – er ist ein Wirbelwind – und seine Motivationsgabe. Er sagt, man müsse die Freude beim Singen spüren. Als ehemaliger Operntenor weiß er genau was er tut, wenn  er unseren Chor leitet. Wir profitieren stark von seiner langjährigen Bühnenerfahrung. Walker hat in London Gesang studiert, war anschließend lange Jahre als Operntenor in Bielefeld engagiert und kam schließlich 2011 durch ein Engagement nach Erl und ist geblieben. Aus familiären Gründen hat er seine Karriere als Operntenor beendet und widmet sich seither dem Chorleiten. 

RB: Sie sind seit 2010 Obfrau des „Kufsteiner Singkreises“. Was sind Ihre Aufgaben?

Windhofer: Ich bin für die Organisation des ganzen „Chorjahres“ zuständig. Ich arbeite auf musikalischer Ebene  eng mit dem Chorleiter zusammen – wir wählen beispielsweise gemeinsam neue Stücke aus – und ich organisiere das Vereinsleben, also Auftritte, Feste und Reisen.

RB: Was sind die Herausforderungen, was das Schönste an dieser Arbeit?

Windhofer: Das Schönste ist, mitzuerleben, wie die unterschiedlichsten Menschen, sei es altersmäßig oder auf beruflicher Ebene, durch die Freude am Gesang eins werden. Herausforderung ist, dass man immer vorangeht, nie stehen bleibt. Dass man in der Auswahl des Jahresrepertoires jedem und jeder gerecht wird und sich alle Chormitglieder wohl fühlen.

RB: Sie singen seit 24 Jahren beim „Kufsteiner Singkreis“. Was ist Ihre Motivation als Chorsängerin?

Windhofer: Die pure Freude am gemeinsamen Singen. Ich habe von klein auf in der Familie gesungen – die Musik begleitet mich seit jeher.

RB: Wie ist Ihr musikalischer Werdegang?

Windhofer: Neben der musikalischen Förderung in meinem Elternhaus kam schon früh das Chorsingen hinzu: Ich sang im Schülerchor der Hauptschule Abtenau, im Volksliedchor Abtenau und wirkte bei verschiedenen Chorprojekten an den Ursulinen mit. Ich habe auch immer wieder privaten Gesangunterricht genommen und beispielsweise mit meinem beiden Schwestern im Dreigesang gesungen. Mittlerweile mache ich als Volksschullehrerin verschiedene Gesangsprojekte mit meinen Schülerinnen und Schülern. 

RB: Was beudeutet Ihnen Musik ganz persönlich?

Windhofer: Musik ist fähig, große Gefühle wie Freude und Schmerz auszudrücken. Musik vertieft diese Gefühle und begleitet den Menschen im ganzen Lebenskreis, von der Geburt bis zu Tod.

 

Foto: Der „Kufsteiner Singkreis“ bei seinem Konzert „Schenkt man sich Rosen in Tirol“ 2016 im Stadtsaal Kufstein.                                                                                                                            

Foto: RB/Reiner