Nächstenliebe und Vergebung

Papst Franziskus besuchte Genf zum 70-Jahr-Jubiläum des Ökumenischen Rats der Kirchen. Zum Abschluss seiner eintägigen Reise feierte er außerdem einen Gottesdienst mit mehr als 40.000 Gläubigen in einer Messehalle und rief hier zu mehr Vergebung und Nächstenliebe auf.

Genf. „Keiner von uns ist Einzelkind, jeder muss sich um seine Brüder und Schwestern in der einen Menschheitsfamilie kümmern“, sagte der Papst in seiner Predigt. Er forderte den freien Zugang zu Grundnahrungsmitteln für alle Menschen und mahnte angesichts eines zunehmend beschleunigten Lebens zur Besinnung auf das Wesentliche. Mit Blick auf die Ökumene betonte er besonders die Bedeutung der Vergebung: „Vergebung erneuert, sie wirkt Wunder.“ Der Papst lobte die Fortschritte der Kirchen in den vergangenen Jahren: „Dass wir einander vergeben, dass wir uns nach Jahrhunderten der Kontroversen und Spaltungen als Brüder und Schwestern wiederentdeckt haben – wie gut hat uns das getan und wie gut tut uns das weiterhin!“ Es müsse nun um die Gnade gebeten werden, „dass wir uns nicht mit verhärteter Gesinnung verschanzen und immer von anderen etwas verlangen, sondern dass wir den ersten Schritt tun, im Gebet, in der brüderlichen Begegnung, in konkreter Nächstenliebe“, forderte Franziskus. Mit der Gnade Gottes könne so die Einheit der Kirche erreicht werden. Nach diesen Abschlussworten der Predigt gab es in der Messehalle Palexpo Applaus. 

Meilenstein für die Ökumene 

Der Besuch des Papstes am Sitz des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) sei ein „Meilenstein in der Beziehung der Kirchen“, sagte der Generalsekretär des ÖRK, der lutherische Pastor Olav Fykse Tveit. Als Aufgabe der Kirchen in der Welt nannte er das Engagement für einen „gerechten Frieden“. Die 350 Mitgliedskirchen des Rats seien gemeinsam mit der katholischen Kirche entschlossen, diesen Auftrag „vom Rand der Gesellschaft ausgehend“ zu erfüllen. Tveit verwies auf den Einsatz für Flüchtlinge, wirtschaftliche Gerechtigkeit oder Armutsbekämpfung.

In den Beziehungen der Kirchen seien „noch nicht alle Differenzen und Gräben überwunden“. Mit dem Besuch von Franziskus stellten die Kirchen aber unter Beweis, dass es möglich sei, Spaltungen hinter sich zu lassen, die durch unterschiedliche Traditionen und Glaubensüber-
zeugungen verursacht seien. 

kap

Foto (Peter Williams/WCC): Willkommen – Papst Franziskus kam zum Ökumenischen Weltkirchenrat in Genf, der vor 70 Jahren gegründet wurde.