Nein zum Nationalismus

Die Ökumene verpflichtet Christen dazu, sich gemeinsam für Versöhnung, ein friedliches Miteinander, eine Eindämmung des Nationalismus und das Abtragen von Mauern einzusetzen. Das sagte der katholische Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann, Vorsitzender der Ar-beitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), in der Lutherstadt Wittenberg.

Wittenberg. In der dortigen Stadtkirche, der früheren Predigtkirche des Reformators Martin Luther, fand der zentrale Gottesdienst zur weltweiten Gebetswoche für die Einheit der Christen statt. Wiesemann betonte in seiner Predigt, Europa stehe heute vor einer großen Herausforderung. Angesichts erstarkender Nationalismen und zunehmender Abgrenzung hätten Christen die besondere Verantwortung, die Botschaft von Frieden und Versöhnung gemeinsam zu bezeugen. „Wir haben, und es treibt uns heute die Schamröte ins Gesicht, auch eine blutige Geschichte hinter uns, die selbst vor dem Mittel des Krieges nicht gescheut hat und die Waffen gegen Brüder und Schwestern des gemeinsamen christlichen Glaubens richtete.“


Vor dem Hintergrund der aktuellen globalen Entwicklungen werde erst richtig bewusst, was die in den vergangenen Jahrzehnten erzielten ökumenischen Erfolge bedeuteten. „Wir sind dankbar und froh, dass wir das Reformationsjubiläum 2017 gemeinsam als Christusfest begehen können“, so Wiesemann. Das Verbindende zwischen den Kirchen sei mittlerweile stärker als das Trennende. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, erinnerte daran, dass Luther keine neue Kirche habe gründen wollen. „Er wollte einen neuen Frömmigkeitsimpuls geben.“ Der Ratsvorsitzende äußerte die Hoffnung und Sehnsucht, dass es weitere sichtbare Schritte zur Einheit der Kirchen geben könne. „Nicht mit einem bestimmten Zeitplan, aber ich weiß, dass der Heilige Geist Dinge tun kann, die wir uns nicht zu erträumen wagen.“


Die Gebetswoche wird weltweit vom 18. bis 25. Jänner begangen. Im Gottesdienst in Wittenberg wurde in Erinnerung an die Versöhnung nach dem Fall der Mauer in Deutschland eine symbolische Mauer errichtet und wieder abgetragen. Am Gottesdienst wirkten zudem die mitteldeutsche Landesbischöfin Ilse Junkermann und der Ökumene-Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Gerhard Feige, mit. kap

 

Bildtext: Während des Gottesdienstes in der Stadtkirche St. Marien in Wittenberg wurde eine symbolische Mauer der Schuld aufgebaut und wieder eingerissen. Foto: ACK