Netze statt Mauern

Auszeichnung. Kleinbetriebeförderer Francisco San Martín aus Peru erhielt für sein Lebenswerk in Oberndorf bei Salzburg den Romero-Preis. 

Oberndorf bei Salzburg. „Investieren wir doch mehr Energie ins Vernetzen als ins Bauen von Mauern“, forderte Francisco San Martín. Er unterstrich beim Festabend in Oberndorf auch, dass die Ehrung doch eigentlich allen gebühre, mit denen er je zusammengearbeitet habe. Vertreterinnen und Vertreter aus Kirche und Politik gratulierten dem Peruaner, der einst in Salzburg mit einem Stipendium des Afro-Asiatischen Instituts studierte und hier seine Entwicklungsorganisation Minka gründete. San Martín erinnerte in seiner Dankesrede an zahlreiche seiner Unterstützerinnen und Weggefährten und erklärte: „In Salzburg fühlte ich mich immer zu Hause, ich war voller Freude und habe gelernt, Österreich zu bewundern; dieses großartige Land, das um das Wohl der Menschen sowie um das Gleichgewicht der Regionen bemüht ist.“  

Der neue Vorsitzende der Katholischen Männerbewegung Österreich (KMBÖ), Ernest Theußl und der Vorsitzende der Erzdiözese Salzburg, Helmut Dachs, überreichten den mit 10.000 Euro dotierten Preis. „Wir leben nicht in einer idealen Welt: Es gibt heute noch Hunger, Gewalt und Ungerechtigkeit. Wir sind alle gefordert, dass es weniger Armut, weniger Ausgrenzung und mehr Gerechtigkeit gibt. Francisco San Martín verkörpert mit seiner Arbeit die Ideale von Oscar Romero. Ich gratuliere ihm ganz herzlich“, betonte Theußl. Er verwies außerdem auf einen zweiten Anlass zur Freude für die Männerbewegung: „Wir feiern den Preisträger und 60 Jahre Aktion SEI SO FREI.“

Gedenken an Glaubenszeugen  

Gedacht wurde am Romero-Abend an die Nacht auf den 16. November 1989 in El Salvador. Ein Streitkräfte-Kommando stürmte vor 29 Jahren die Zentralamerikanische Universität, damals ein Mittelpunkt der Befreiungstheologie. Sechs Jesuiten, eine Haushälterin und ihre Tochter starben. Im Gedenken an die Opfer entzündete Weihbischof Hofer eine Kerze: „Damit zeigen wir, dass diese Glaubenszeugen nicht vergessen sind.“

Stimmen

„Wir verleihen den Romero-Preis an jenem Ort, an dem ,Stille Nacht‘ das erste Mal erklang. Mit dem Lied verbinden wir die Sehnsucht nach Frieden; Frieden ist aber nur möglich, wenn Gerechtigkeit in Bezug auf Ressourcen, Landbesitz und beim Zugang zu Bildung herrscht. Mit unseren Projektpartnerinnen und -partnern wollen wir die Sehnsucht nach Frieden stillen und weiter unserem Motto ,SEI SO FREI für eine gerechte Welt‘ entsprechen.“  Helmut Dachs, Vorsitzender SEI SO FREI und Katholischer Männerbewegung Salzburg.

„Minka, die Organisation von Francisco San Martín, führte hunderttausende Peruanerinnen und Peruaner aus der absoluten Armut heraus, indem sie direkt oder indirekt von den Projekten profitierten. Zugleich wurden die Teams von Minka geschult und viele dieser Leute sitzen jetzt an verantwortlicher Stelle in Peru, besonders in dem sehr wichtigen Wirtschaftsminis-terium.  Denn, was nicht erwirtschaftet wird, kann nicht verteilt werden.“ Josef Erbler, Laudator, Freund des Preisträgers und ehem. Leiter des Afro-Asiatischen Instituts Salzburg.

„Francisco San Martín ermöglicht den Kleinbauern und den Arbeiterinnen und Arbeitern in Trujillo ein selbstständiges Leben mit einem Einkommen, das auf Bio-Landwirtschaft und Handwerk aufbaut. Der Romero-Preis würdigt seinen jahrzehntelangen Einsatz für eine gerechte Welt.“ Andrea Klambauer, Salzburger Landesrätin, für Entwicklungszusammenarbeit zuständig. 

Foto: Freude bei Romero-Preisträger Francisco San Martín und den Ersten in der Gratulantenschar: Oberndorfs Bürgermeister Peter Schröder, Martina Berthold, Grünen-Politikerin und Studienkollegin von San Martín sowie Weihbischof Hansjörg Hofer (v. l.).

Fotos: RB/ibu