Neues Sozialwort als Input für Politik

Erzbischof Franz Lackner lud vor kurzem zum Ökumenischen Empfang ein

Salzburg. Ein neues Sozialwort der Kirchen – das forderten der frühere Diakonie-Direktor Michael Chalupka und Alois Halbmayr, Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät Salzburg, beim Ökumenischen Empfang im Kardinal-Schwarzenberg-Haus.

„Ein ökumenisches Sozialwort wäre ein Gebot der Stunde. Es könnte den politischen Diskurs bereichern“, so Dekan Halbmayr. Das Sozialwort aus 2003 sei bereits 15 Jahre alt. „Es beeindruckt mit der Breite der Themen, es fällt aber auf, dass wichtige Themenbereiche völlig fehlen, etwa Migration, Klima oder Fragen des internationalen Finanzsystems.“ Migration etwa sei ein komplexer Bereich, so Halbmayr: „Dabei braucht es eine breite Diskussion, keine Verkürzung. Wenn die Kirchen das mit einem neuen Sozialwort erreichen, wäre schon vieles geschafft.“ Unabgesprochen plädierte auch Chalupka, Geschäftsführer der Diakonie „Eine Welt“, für ein gemeinsames Wort der Kirchen zur Gerechtigkeit in der pluralen Welt.

Gerechtigkeit sollte für alle gelten, der öffentliche Diskurs gehe aber in eine andere Richtung. Mit dem Thema knüpfte der Ökumenische Empfang der Stiftung PRO ORIENTE anlässlich der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen an deren Leitmotto an. Gerechtigkeit sei ein Grundwort des Zusammenlebens, betonte Erzbischof Franz Lackner vor den Vertretern der christlichen Kirchen. „Gerechtigkeit darf uns nicht selbstverständlich werden.“ 

Eine Frage der Menschenwürde

Chalupka verwies in seinem Referat auf die bekannte „goldene Regel“, mit der Jesus die Bergpredigt zusammenfasst: „Alles, was ihr nun wollt, dass euch die Menschen tun sollen, so tut ihnen auch! Das ist das Gesetz und die Propheten!“ (Mt 7,12). Die öffentliche Diskussion zeige das derzeit nicht: „Gerechtigkeit geschieht im Tun, ethische Verpflichtungen gelten für alle – und sie gelten gegenüber allen. Asylberechtigte etwa sollen bei der Mindestsicherung schlechter gestellt werden, weil sie die Sprache noch nicht ausreichend beherrschen.“

Halbmayr ging in seinem Im-puls auf das brisante Papier des Vatikans „Fragen der Wirtschaft und des Geldes“ zum hochproblematischen gegenwärtigen Weltfinanzsystem ein.Unterschrieben ist es auch vom Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre, Kardinal Luis F. Ladaria: „Das scheint ein Indiz dafür zu sein, dass für Papst Franziskus sozialethische Themen genauso wichtig sind wie die klassischen Fragen des Glaubens und der Sitten, zu denen sich die Glaubenskongregation sonst immer wieder äußert.“ jup

Foto: Ökumene-Empfang: Dietmar W. Winkler, Vorsitzender PRO ORIENTE Salzburg, Dekan Alois Halbmayr, Erzbischof Lackner, Michael Chalupka und Matthias Hohla, Referent für Ökumene und Dialog der Religionen in der Erzdiözese (v. l.).

Foto: RB/Erzdiözese Salzburg