Nie aufgeben

Der gebürtige Vorarlberger Pater Markus Inama SJ half vier Jahre lang in Bulgarien, Europas ärmstem Land. 

Wien. Dort setzte er sich mit den CONCORDIA-Sozialprojekten für Kinder und Jugendliche ein, die auf der Straße und in Armenvierteln leben. Damals war er maßgeblich am Aufbau des Sozialzent-rums Sveti Konstantin in Sofia beteiligt. Bis Sommer 2018 war er Rektor am Jesuitenkolleg Innsbruck, heute ist er Superior der Jesuiten in Wien und ehrenamtlich im  CONCORDIA-Vorstand tätig, P. Markus reist regelmäßig  zu den Hilfsprojekten. Im Gespräch gibt er Einblick in seine Arbeit in Bulgarien und erzählt, warum er immer weiter macht und nicht aufgibt, zu glauben. 

RB: CONCORDIA-Sozialprojekte und Sie setzen sich seit Jahren für das ärmste Land der EU ein – Bulgarien, und da vor allem für Roma-Kinder. Braucht es hier überhaupt noch finanzielle Unterstützung?

P. Markus: Bulgarien steckt leider mehr als 25 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs noch immer in einem Transformationsprozess – und kommt nicht wirklich voran. Es könnte ein stabiles Land sein, aber im Verteilungskampf ist die Korruption ein Riesenproblem. Einige wenige bereichern sich, die vielen von Armut betroffenen Menschen bleiben auf der Strecke. Es wird oft behauptet, die Roma bekämen so viele Sozialleistungen, dass für arme Nicht-Roma nichts mehr übrig bleibe – was definitiv nicht stimmt. Aber man hat halt gern einen Sündenbock.

RB: Gibt es eine Geschichte, die Sie besonders berührt hat?

P. Markus: Ich habe in meiner Zeit in Bulgarien einen Jugendlichen namens Zvetan kennen gelernt. Damals verbrachte er den Großteil seiner Zeit auf der Straße und sammelte Altwaren. Von dem bisschen Geld, das er damit verdiente, lebte er mit seiner Freundin in einer baufälligen Garage. Ich habe ihn und seine Freundin eingeladen, ins Sozialzentrum Sveti Konstantin zu kommen. Heute arbeitet er im „Sveti Konstantin“ als Rezeptionist. Solche Erlebnisse gehen mir unter die Haut und motivieren mich immer wieder aufs Neue, weiterzumachen.

RB: Und das tun Sie! In Bulgarien entsteht ein neues Projekt in Orlandovtzi. Worum handelt es sich genau und wie geht es voran?

P. Markus: In Orlandovtzi wird ein neues Tages- und Sozialzent-rum gebaut, ein großes Herzens-projekt von mir. Es richtet sich unter anderem an Kinder und Jugendliche, die misshandelt werden oder auf der Straße leben, aber auch an Schulabbrecher und Familien in existenzieller Not. 

Foto: Der Bau in Orlandovtzi schreitet zügig voran, nächstes Jahr sollen dort die ersten Kinder betreut und medizinisch versorgt werden sowie zu essen bekommen, berichtet P. Markus. Er feiert mit den bulgarischen Kindern auch Andacht. Foto: RB/CONCORDIA