Oase für die Hoffnungslosen

Bei einer Messe im größten Marienheiligtum der Welt – der Basilika von Guadalupe – betonte Papst Franziskus die besondere Vorliebe Gottes und der Kirche für die Armen, Kleinen und Benachteiligten.

Mexiko-Stadt. Niemand dürfe aus der menschlichen Gemeinschaft ausgeschlossen bleiben, sagte Franziskus in der Basilika von Guadalupe, die mit 20 Millionen Besuchern jährlich als das größte Marienheiligtum der Welt und zugleich als mexikanisches Nationalheiligtum gilt. Alle Menschen seien notwendig, vor allem diejenigen, die normalerweise nichts gelten, weil sie „den Gegebenheiten nicht gewachsen sind oder nicht das nötige Kapital für deren Aufbau einbringen“. Diese besondere Erwählung der Kleinen und Leidenden richte sich gegen niemanden, sondern sei zum Nutzen aller.
Die Messe in Guadalupe, das für die Christianisierung der Ureinwohner und der Mestizen in Lateinamerika eine zentrale Rolle spielte, bildete den Abschluss des ersten Besuchstags von Franziskus in Mexiko. Am Abend zuvor war er, von Kuba kommend, zu seinem fünftägigen Besuch in dem größten katholischen Land der spanischsprachigen Welt eingetroffen. Bei seiner Ankunft in Guadalupe begab sich Franziskus zunächst zur alten Kathedrale und zog dann in einer Prozession zu der modernen, 12.000 Personen fassenden Basilika, wo er die Messe feierte. Zum Abschluss wollte er im „Camarin“, wo sich das verehrte Bild der Gottesmutter befindet, in Stille beten.

Das Heiligtum von Guadalupe, das auf Marienerscheinungen im Dezember 1531 für den inzwischen heilig gesprochenen Indio Juan Diego zurückgeht, sei ein „echtes Wahrzeichen der Liebe und der Gerechtigkeit“ geworden, betonte der Papst. Die Gottesmutter habe den kleinen Indio als ihren „sehr vertrauenswürdigen Botschafter“ ausgewählt, um den Bau des zu errichtenden Heiligtums zu beaufsichtigen, zu betreuen, zu bewachen und anzutreiben. Juan Diego habe die Aufgabe ablehnen wollen, weil er sich dafür für nicht geeignet hielt, aber die Gottesmutter habe insistiert, betonte der Papst. Damit habe die Gottesmutter in ihm und damit in allen Kleinen, Vertriebenen und Ausgeschlossenen erstmals Hoffnung geweckt und gezeigt, was die Barmherzigkeit Gottes ist. Guadalupe sei somit zum Heiligtum auch für Jugendliche geworden, die für sich keine Zukunft sehen. Hierhin kämen viele, die keine Kraft mehr hätten, die keinen Raum für Hoffnung, für Veränderung und für Verwandlung spürten.

Als Geste der Verehrung schenkte Franziskus der Wallfahrtskirche eine Krone für die Madonna aus Silber und Gold; das flache, diademartige Geschmeide trägt die Aufschrift: „Mater mea spes mea“ – „Meine Mutter, meine Hoffnung“.
kap/kna

Franziskus beim Einzug zum Gottesdienst in der Basilika von Guadalupe. Foto: KNA