Österreichs Kreuz mit den Muslimen

Islam-Studie aus Salzburg bestätigt, dass Muslimen oft mit Misstrauen begegnet wird. 

Salzburg. Die Studie der Universität Salzburg mit mehr als 1.200 Befragten zeigt, dass für die Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher der Islam nicht zu Österreich gehört. Knapp 70 Prozent der Bevölkerung sind überzeugt, dass der Islam nicht in die westliche Welt passt, nur ein Viertel sieht im Islam eine kulturelle Bereicherung. Und fast die Hälfte der Befragten ist überzeugt, dass Muslime – mittlerweile immerhin rund 700.000, nicht wenige von ihnen sind österreichische Staatsbürger – nicht die gleichen Rechte haben sollten wie österreichische Bürgerinnen und Bürger. Ein Drittel der Befragten steht Musliminnen und Muslimen ganz ausdrücklich negativ gegenüber.

Das alles vor dem Hintergrund, dass der Islam bereits seit 1912 eine staatlich anerkannte Religion ist, und die Glaubensgemeinschaft eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Deshalb sorgt der Staat für deutschsprachigen islamischen Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen und beaufsichtigt die Ausbildung der Religionslehrer. Von Toleranz gegenüber dem Islam im öffentlichen Leben kann trotzdem keine Rede sein. Stichworte: Kopftuchverbot, oder auch Bauverbote für Moscheen in mehreren Bundesländern. Die in der Studie dokumentierte Haltung gegenüber dem Islam berge vielmehr „die Gefahr, dass die in Österreich bereits lange etablierte Religionsfreiheit von Muslimen Einschränkung erfährt“, fürchtet der Autor der Studie, Wolfgang Aschauer, Soziologe an der Universität Salzburg.

Politik, Medien und Muslime in der Pflicht

Der Vorsitzende der Islamischen Religionsgemeinde in Salzburg, Ahmet Yılmaz, findet es „traurig, dass die Gesellschaft gegenüber dem Islam sehr abgeneigt ist.“ Für ein friedliches Miteinander sei aber der gegenseitige Respekt und die Religionsfreiheit von großer Bedeutung. Die Gründe dafür sieht er im politischen wie medialen Diskurs der vergangenen Jahre. „Wenn Politiker versuchen mit antiislamischen Parolen zu punkten und diese Haltung von den Medien mitgetragen wird, und noch dazu Aspekte wie das Kopftuch, die Moschee generell oder islamische Bildungseinrichtungen immer in einem negativen Kontext Erwähnung finden, dann ist die Angst vor dem Islam in der Gesellschaft keine Überraschung mehr.“ 

Was dagegen zu tun ist? Yılmaz: „Zuallererst muss die Politik endlich damit aufhören, auf dem Rücken der Muslime politisches Kleingeld zu schlagen, denn dies erzeugt nur tiefe Gräben innerhalb der Gesellschaft. Auch die Medienlandschaft muss hier mitgehen und den journalistischen Anstand nicht länger der Aufmerksamkeitsmaximierung auf Kosten der Muslime opfern.“ 

Aber auch die Muslime seien gefordert, sagt Yılmaz. Sie müssen in der Gesellschaft mutiger auftreten und durch beständige Arbeit dazu beitragen, dass der Islam als das akzeptiert und verstanden wird, was er nun einmal ist: Eine heimische Religion.    roi

 

Foto: Miteinander essen, wie hier beim Fastenbrechen in der muslimischen Gemeinde Röcklbrunn-straße in Salzburg, ist eine gute Gelegenheit, einander besser kennen zu lernen.

Foto: RB/hohla