„Ohne Rücklagen ist es schwer“

St. Virgil Salzburg kämpft mit den Folgen des Coronavirus:

Die wirtschaftliche Lage ist schwer, weil das Haus nicht auf Gewinn ausgerichtet ist. Daher hat es kaum Rücklagen. Im Interview berichten Direktor Jakob Reichenberger und Wirtschaftschef Reinhard Weinmüller von der Sorge um ihre Mitarbeiter und ihrem Blick in eine trotzdem positive Zukunft.

RB: Seit 16. März ist St. Virgil geschlossen. Wie groß ist die Unsicherheit, auf welche Weise und vor allem wann es weitergehen kann?
Weinmüller: Den Beginn der Coronakrise haben wir als Horrorerfahrung erlebt. Hotel und Gastronomie sind komplett zu, es geht nicht anders. Wir sorgen uns um unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wirtschaftlich ist es für uns als Non-Profit-Unternehmen sehr schwer, weil wir keine Reserven aufbauen können.
Reichenberger: Es war lange unklar, ob Kurzarbeit bei uns geht oder nicht. Nun sind die Anträge bei Arbeitsmarktservice und Wirtschaftskammer für unser Team für den Zeitraum ab 1. April eingereicht.

RB: Wie steht es um Seminare und Kurse?
Reichenberger: Unser Veranstaltungsbüro und das Sekretariat befinden sich im Homeoffice, sie nehmen zum Beispiel Umbuchungen an. Die Pädagoginnen und Pädagogen arbeiten einstweilen am Programm für die zweite Jahreshälfte. Wir planen so, als ob vieles möglich wäre.

RB: Mit welchen Veränderungen?
Reichenberger: Wir hoffen, ab Mai wieder einiges durchführen zu dürfen, etwa normale Seminare mit der Anwesenheit einer gewissen Personenanzahl. Derzeit passiert viel im Internet, Lehgänge haben sich inhaltlich auch bei uns dorthin verlagert.
Weinmüller: Gemeinsam glauben wir an die Zukunft. Wir vertrauen auf Menschen, die nach der Krise mutig unsere Angebote buchen, die vorbeischauen, sobald es möglich ist. Denn St. Virgil ist seit jeher der Ort in der Erzdiözese, an dem Gemeinschaft gelebt wird – auch, wenn die Vorzeichen sich in den vergangenen Wochen geändert haben.

RB: Corona wird sich wohl auch im kommenden Virgil-Programm niederschlagen.
Reichenberger: Selbstverständlich. Es ist unser Job, mit Erwachsenenbildung Menschen zu begleiten. Sie kann hinweisen und anleiten, wie wir mit Krisen umgehen. Aus welchen unserer eigenen Ressourcen wir schöpfen und wie wir sie mit der Zeit aufbauen können, um sie dann abzurufen, wenn es notwendig ist.
Weinmüller: Daneben wird auch der gesellschaftspolitische Bereich weiter gestärkt. Schauen wir nur auf unser Klima. St. Virgil war und bleibt der Ort des offenen Dialogs.
Reichenberger: Wir begleiten die gesellschaftliche Entwicklung und blicken auf Solidarität in Zeiten der Krise. Denn was ist Solidarität? Ist es das Daheimbleiben zum Wohle anderer, das Einkaufengehen für andere? Außerdem stellen sich ethische Fragen. Etwa, was es mit Kranken oder Älteren macht, wenn sie keinen Kontakt zu ihrer Familie haben dürfen.

RB: St. Virgil ist nicht nur für Bildung, sondern auch für Kulinarik bekannt. Was tun bei Entzugserscheinungen?
Reichenberger: Montag bis Freitag gibt es ab sofort den „Virgil-Drive-in“. Wer Hunger hat, kann sich Mittagsmenüs nach Vorbestellung abholen oder haltbar Gemachtes wie Sugo. Die Virgil-Kugel fehlt auch nicht.

 

Die Zeit des Wartens zehrt auch am Team im Tagungshaus Wörgl: „Veranstaltungen, bei denen es möglich war, haben wir ins Internet verlegt. Andere wurden verschoben, einige abgesagt“, so fasst Direktor Herwig Ortner die Lage in dem Tiroler Bildungshaus zusammen. Je nachdem, was die Bundesregierung veranlasst, hofft er darauf, mit Gastveranstaltungen im Juni zu starten. Bis Mitte Mai sei das Haus wohl jedenfalls geschlossen. „Komplett zum Verzweifeln ist die bei uns Lage nicht, auch wenn sie schwierig ist. Ein großer Unterschied zu St. Virgil ist, dass wir weder Gastronomie noch Hotelerie betreiben“, sagt Ortner.