Ort zum Lernen und Wachsen

Libanon. Stundenlang aufmerksam die Schulbank drücken – ohne etwas im Magen zu haben.  Das konnte Sr. Zahia Frangié nicht hinnehmen. Heute bekommen die Kinder in St. Vinzenz in Broumana im Libanongebirge täglich ein warmes Mittagessen und eine Jause. 

Broumana. Seite an Seite lernen libanesische und syrische, christliche und muslimische Kinder in der Schule der Barmherzigen Schwestern. Die Auslandshilfe der Caritas Salzburg unterstützt St. Vinzenz seit langem. Seit der großzügigen Aufnahme und der Integration syrischer Flüchtlingskinder werden unter anderem der Förderunterricht und das Schulessen finanziert. 

Oberin Sr. Zahia Frangié teilt selbst den Nachtisch aus. Der Lärmpegel ist zwar hoch, doch es geht trotzdem diszipliniert zu, wenn sich die Kinder zu Mittag im Saal einfinden. Sie essen mit großem Appetit und plaudern dazwischen mit den Sitznachbarn. Die Jüngsten aus der „Kindergartenklasse“ bekommen noch Hilfe, damit Reis, Gemüse und alles andere im Mund und nicht auf dem Boden landen. Wohl keine andere Schule im Libanon hat in Relation zur GesamtschülerInnenzahl so viele syrische Flüchtlingskinder aufgenommen wie St. Vinzenz. Im laufenden Schuljahr sind unter den 357 Kindern 115 aus Syrien. Seit Ausbruch des Bürgerkrieges vor sechs Jahren sind Millionen Menschen aus Syrien geflüchtet. Im benachbarten Zedernstaat  sind rund zwei Millionen gestrandet. 

Christliche und muslimische Kinder

„Wir haben schon immer Mädchen und Buben aus sozial bedürftigen und aus muslimischen Familien aufgenommen. Seit einigen Jahren sind es vermehrt syrische“, berichtet die Ordensoberin. Sie erzählt, dass die Kinder mittlerweile gut integriert seien. Das sei jedoch kein Selbstläufer gewesen, sondern habe Überzeugungsarbeit bei Eltern wie Lehrkräften erfordert. Broumana sei christliches Kernland. Zudem hätten die Syrer die Libanesen noch als Besatzungsmacht in Erinnerung. „Die Kinder sind Opfer. Sie sollen nicht den Preis für die syrisch-libanesische Vergangenheit zahlen müssen“, unterstreicht Sr. Zahia. Sie ließ sich nicht vom Weg des Miteinanders abbringen und gab syrischen – vorwiegend muslimischen – Kindern in Schule und Internat einen Platz zum Lernen und Leben.  

Damit die Flüchtlingskinder schnell auf das Niveau ihrer libanesischen KlassenkollegInnen kommen, ist am Nachmittag Nachhilfe angesagt. „Da viele aufgrund ihrer Flucht- und Kriegserlebnisse traumatisiert sind, werden sie von einer Psychologin betreut“, erzählt Internatsleiterin Marie Ghiya. Und weil die meisten Eltern nicht in der Lage seien, ihre Kinder ausreichend zu ernähren, „bekommen sie bei uns ein warmes Mittagessen und eine Jause am Vor- und Nachmittag“.

Der beste Schüler ist ein Flüchtlingsjunge

 Die syrischen Mädchen und Buben haben sich gut eingelebt – das zeigen nicht zuletzt die Lernerfolge. Der beste Schüler von St. Vinzenz ist der syrische Flüchtlingsjunge Laith. Mit zwölf Jahren flüchtete er vor den Kämpfen aus Aleppo. Obwohl er damals vor drei Jahren kein Wort Französisch sprach – im Libanon eine Unterrichtssprache  – hat er sich mit enormem Fleiß an die Spitze gearbeitet. Auch die elfjährige Miryam und ihre vierjährige Schwester Christina fühlen sich wohl in St. Vinzenz. Hier können sie die schlimmen Kriegserlebnisse verarbeiten und wieder Kinder sein, die lachen und lernen dürfen. „Wir lernen jeden Tag etwas Neues“, sagt Daniel, der auf die Frage, was ihm in der Schule am besten gefällt, dann aber doch antwortet: „Das Essen.“ Seine Zukunft als Erwachsener malt er sich bereits mit acht Jahren ziemlich konkret aus: „Ich möcht einmal in einer Bank arbeiten.“    

Zukunft ohne Hunger

Alle zehn Sekunden stirbt ein Kind – außer wir tun etwas dagegen. Die Caritas Österreich richtet ihren Fokus diesen Sommer auf Ostafrika. 20 Millionen Menschen drohen zu verhungern. Caritas-Mitarbeiter versorgen die Menschen in der Krisenregion mit Trinkwasser und Essen. Neben dieser Nothilfe unterstützt die Caritas Salzburg weiter ihre Schwerpunktprojekte in Ägypten, Syrien und im Libanon. In der Schule St. Vinzenz im Libanon wird eine Schulausspeisung finanziert. 

Spenden: Raiffeisenverband Salzburg, IBAN AT11 3500 0000 0004 1533, BIC RVSAAT2S. Kennwort: Meine Spende gegen Hunger 

Foto (Caritas Salzburg): Lernen, Essen und dazu eine sichere und liebevolle Atmosphäre zum Aufwachsen – das alles bietet Sr. Zahia Frangié den Kindern in Broumana. „Jedes Kind zählt“, unterstreicht die Ordensschwester.