„Papst kommt als Friedensbote“

Kolumbien. Als große Ehre für Kolumbien bezeichnet die Salzburger Missionarin Margaretha Moises den Papstbesuch. Franziskus reist nächste Woche in das von jahrzehntelanger Ge-walt gebeutelte südamerikanische Land.  „Kolumbien befindet sich in einem sehr schwierigen Friedensprozess.  Nach mehr als 50 Jahren Bürgerkrieg gibt es viele Wunden und Verletzungen. Der Papst kommt als Friedensbote.“ Nach Paul VI. (1968) und Johannes Paul II. (1986) ist er der dritte Papst, der Kolumbien besucht.

RB: In wenigen Tagen besucht Papst Franziskus Kolumbien. Wie ist die Stimmung?

Margaretha Moises: Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren.  Es werden die Tage und Minuten bis zum  6.  September gezählt, dem Tag an dem Franziskus in Bogotá landet. Er kommt auch nach Villavicencio, Medellín und Cartagena. Menschen aus dem Norden haben mit Freude und Begeisterung an einer Stola gewebt und geknüpft, die der Papst bei jeder hl. Messe tragen wird. In der Vorbereitung wurden Dokumente wie seine Enzyklika „Laudato si“ studiert – von der Jugend genauso wie von Landarbeitern. Franziskus kommt als Botschafter des Friedens, des Verzeihens und der Vergebung. Die Bischofskonferenz hat in den Medien ein Bild veröffentlicht, das den Papst mutig voranschreitend zeigt. Er sagt: „Machen wir den ersten Schritt.“ Ein erster Schritt für einen Neuanfang, ein erster Schritt zur Vergebung und zum Weitergehen auf dem Friedensweg. Da ich mich zur Zeit in Medellín  befinde, werde ich hier den Papst erleben, genauso wie viele Gläubige, Jugendliche  und Vertreter aus den Pfarren. 

RB: Nach mehr als 50 Jahren Bürgerkrieg haben Regierung und FARC-Guerilla im Vorjahr ein historisches Friedensabkommen unterzeichnet.  Die Umsetzung ist noch lange nicht abgeschlossen. Was kann Franziskus für Frieden und Gerechtigkeit im Land tun?

Gladys Daza Hernández: Im Vorfeld wurde immer betont, es handle sich um eine Pastoralreise. Der Papst wolle den Glauben der Menschen feiern und fördern. Er schließt alle ein: Opfer und Täter, Politiker, Bauern, Ge-schäftsleute, die Armen, die Kranken, Familien, Kinder und Jugendliche. In der aktuellen Situation ist natürlich das Thema Frieden an allen Tagen und Stationen der Reise präsent. Sein Besuch ist eine Stärkung für den Friedensprozess. Die Friedensvereinbarung wurde in den Städten nicht sehr gefeiert, weil der Krieg hier als etwas Fernes erlebt wurde. Doch in den ländlichen Regionen traf die Gewalt die Menschen unmittelbar; bei ihnen ist die Hoffnung auf Frieden groß. Wir wissen, der Aufbau einer Kultur des Friedens ist langwierig. Es wird Generationen dauern, bis der Traum von einem würdigen Leben für alle Realität ist.

RB: Wenn Sie zurückblicken – was haben Sie in mehr als 60 Jahren in Kolumbien erlebt?

Margaretha Moises: Seit meiner Ankunft 1953 als Missionarin  habe ich viel Schönes aber auch viel Trauriges erlebt. Die Befreiungstheologie war im Aufbruch; die Dokumente der lateinamerikanischen Bischofskonferenz von Medellín 1968 waren maßgebend für die Basisgruppen und aktive Arbeit mit den Ärmsten. Der Machtkampf der politischen Parteien scheint aber bis heute kein Ende zu nehmen. Die liberale und konservative Partei  haben sich immer gegenseitig angegriffen. Es gab auch auf kirchlicher Seite extreme Behauptungen. So wurde gepredigt. „Wer einen liberalen Präsidenten wählt, begeht eine Todsünde.“ Kolumbien ist derzeit wieder in einer schwierigen politischen Lage. 2018 sind die Präsidentschaftswahlen, bis jetzt gibt es zwölf Anwärter und enorm viel Propaganda. Ich hoffe, dass der Ausgang der Wahl den Frieden nicht gefährdet. 

RB:  Wohin geht Kolumbien? Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Gladys Daza Hernández: Wir erleben schwierige Zeiten – national und global. Das dominierende Wirtschaftsmodell lässt die Kluft zwischen Arm und Reich weiter anwachsen. Auf dem südamerikanischen Kontinent ist  Kolumbien nach Haiti jenes Land in dem die Ungleichheit am ausgeprägtesten ist. Korruption in Politik und Wirtschaft ist allgegenwärtig. Doch unser Glaube stärkt
uns, damit wir alle Schwierigkeiten überwinden. Der Papst hat darauf hingewiesen, dass Kolumbien sich drei Aufgaben stellen muss: Die Erinnerung aus der Vergangenheit bewahren, aus der Gegenwart Mut und Kraft schöpfen, um sich der Zukunft zu stellen und das Friedensabkommen umzusetzen.

 

Hintergrund

Margaretha Moises ist seit den 60er Jahren in Kolumbien. Unermüdlich und mit offenem Herzen ist sie in dem vom jahrzehntelangen Bürgerkrieg gezeichneten Land für die Ärmsten da. Margaretha Moises engagiert sich mit ihrer Hilfsorganisation CEDAL in der Bildungs- und Friedensarbeit. Sie kümmert sich auch um das Werk ihrer 2006 verstorbenen Schwester Maria Herlinde. Die Arbeit der Moises-Schwes-tern wird seit langem von SEI SO FREI, der entwicklungspolitischen Aktion der Kath. Männerbewegung Salzburg, unterstützt. IBAN: AT10 3500 0000 0001 4100; Verwendungszweck „Sr. Margaretha Moises“.

Bild (ibu): Freuen sich  schon auf den Besuch von Papst Franziskus in Kolumbien: die gebürtige Bad Hofgasteinerin Margaretha Moises, die in den 50er Jahren als Missionarin nach Kolumbien ging und Gladys Daza Hernández. Gemeinsam setzen sie sich seit Jahrzehnten für Frieden und Gerechtigkeit ein.