Papstempfang wird „Weckruf“

Mit dem „Heiligen Jahr“ ist die „Barmherzigkeit“ in die katholische Kirche zurückgekehrt und hier nunmehr erneut „präsent und wirksam“: Dieses Vorab-Resümee hat Erzbischof Rino Fisichella, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung, zum „Jubiläum der Barmherzigkeit“ gezogen, das in einem Monat zu Ende geht.

Vatikan. Über Jahrzehnte von Theologie, Katechese und Predigt und damit auch vom Leben vieler Christen an den Rand verbannt, sei Barmherzigkeit nun erneut „das pulsierende Herz des Lebens der Kirche geworden“, so der Chef-Organisator des „Heiligen Jahres“.Fisichella äußerte sich im Vorfeld zweier vatikanischer Höhepunkte im Barmherzigkeits-Jahr: der Jubiläums-Feiern mit dem Papst für die Häftlinge (6. November) sowie für die Obdachlosen (11. bis 13. November).


Beim ersten Termin, an dem Strafgefangene und ihre Familien ebenso wie Polizisten, Gefängnisseelsorger und freiwillige Helfer teilnehmen werden, soll aufgezeigt werden, „dass die Barmherzigkeit über die Gerechtigkeit hinausschaut“ und auf die „Wiedereingliederung in das soziale Leben“ abziele, so der Kurienerzbischof. Papst Franziskus habe dies bereits oft zum Ausdruck gebracht und erhalte dafür viele Dankesbriefe von Häftlingen. Das Jubiläumstreffen eine Woche darauf, zu dem 6.000 Obdachlose aus ganz Europa erwartet werden, ist in den Augen des Heiligjahr-Organisators ebenfalls „ein Weckruf“.

 

Verständlich gemacht werden soll, dass Obdachlose in einer Notlage leben, gleichzeitig aber auch einen Mangel an Würde leiden. Wenn die Kirche hier ihre Solidarität zeige, so müsse dies ein „Schock für die Gesellschaft, die Regierungen und die Institutionen sein“; man müsse versuchen, die Ursachen für Obdachlosigkeit zu verstehen, die die Gesellschaft ebenso wie Arbeitslosigkeit und Krankheit nicht an den Rand drängen dürfe. Obdachlose seien die „neuen Armen“, so Fisichella. Besondere Bedeutung maß der Erzbischof dem Termin des Obdachlosen-Jubiläums zu. Er sei schließlich „unmittelbar vor jenem Sonntag, an dem in der Weltkirche die Heiligen Pforten sich schließen“ angesetzt. „Das Heilige Jahr endet, aber die Armen, die haben wir immer bei uns. Die Barmherzigkeit lebt weiter, über die Schließung der Pforten hinaus.“ kap

 

Bildtext: Der Papst rückt mit seiner Einladung für mehrere tausend Obdachlose und Bedürftige, die in den Vatikan pilgern, die Barmherzigkeit zu den Menschen in den Mittelpunkt, die von der Gesellschaft oft ausgegrenzt würden. Foto: Bildpixel/pixelio.de