Pfarrer-Mumie genau erforscht

Untersuchung: Ein internationales Forscher-Team hat nun das Geheimnis um die rätselhafte Mumifizierung des so genannten „Luftg‘selchten Pfarrers“ aus der oberösterreichischen Pfarre St. Thomas am Blasenstein gelüftet.

 

 

Linz. Eine Computertomografie zeigte: Die Leibeshöhle des Toten wurde mit Hobelspänen, Astwerk und Stoffstückchen ausgefüllt und dessen Haltbarmachung mit Chemikalien unterstützt. Danach müsse der Leichnam längere Zeit unter Luftabschluss gelegen haben. Eine Erdbestattung schließen die Experten aus. 

Neue Erkenntnisse gibt es auch zur Identität des Toten. Demnach soll es sich dabei um den 1746 im Alter von 37 Jahren verstorbenen Pfarrvikar Franz Xaver Sydler von Rosenegg handeln. Und auch das Rätsel um eine im Jahr 2000 bei Röntgenaufnahmen gefundenen „Kugel“ im Unterbauch der Mumie konnte geklärt werden. Forscher gingen damals von der Einnahme giftiger Medikamente oder sogar einem Giftanschlag aus. Die Tomografie zeigte nun, dass es sich bei der Kugel um eine Glasperle handelt.

Die Mumie des „Luftg‘selchten Pfarrers“ war seit Oktober 2017 für zehn Monate in München. Dort wurde sie vom Pathologen und Mumienexperten Andreas Nerlich und vom Rechtsmediziner Oliver Peschel, der auch Konservierungsbeauftragter für die Gletschermumie „Ötzi“ war, naturwissenschaftlich-medizinisch untersucht. 

Die Wissenschaftler teilten unter anderem mit, dass die Mumie 1,71 Meter lang ist und rund zehn Kilogramm wiegt. Der Körper ist über Brust, Bauch und Rücken ausgezeichnet erhalten. An Gesicht und Beinen sind jedoch postmortale Zerstörungszeichen sichtbar. Zähne, Gefäße und Schädel deuten auf ein jung-erwachsenes Alter hin. Die Untersuchung von Haut und Lunge weist auf eine längere Krankheit hin, wahrscheinlich eine chronische Lungen-Tuberkulose. Ein akuter Blutsturz kann daher als Todesursache vermutet werden. Eine Radiokarbon-Datierung einer Gewebeprobe legt den Sterbezeitpunkt zwischen 1734 und 1780 fest.      

Foto 1: Detail der Mumie mit Brustkreuz: Die Mumie ist 1,71 Meter lang und wiegt rund 10 Kilogramm.

Foto 2: Der neue Gruftraum unterhalb der Pfarrkirche in St. Thomas am Blasenstein.

Fotos: Judith Wimmer