Preis erstmals an Muslim vergeben

„Zekirija Sejdini ist ein Modell für das Gelingen interreligiöser Verständigung und Zusammenarbeit“ – Laudatorin Martina Kraml, Professorin am Institut für Praktische Theologie an der Universität Innsbruck, beschrieb bei der Verleihung des Kurt-Schubert-Gedächtnispreises für interreligiöse Verständigung den Preisträger als „Pionier, Wegbereiter und Brückenbauer“. 

Salzburg. „Es geht dir darum, ins Gemeinsame zu kommen, nicht bei den Differenzen stehen zu bleiben“, so Kraml an den Preisträger gerichtet. Die zunehmende Polarisierung, der Antisemitismus, die Islamfeindlichkeit und die Christenverfolgung zeigen die Notwendigkeit des interreligiösen Dialogs, ist sich Preisträger Sejdini sicher: Es gelte, gemeinsame Werte zu kultivieren, sich zur Vielfalt zu bekennen und „den je eigenen Beitrag für eine plurale Gesellschaft zu leisten“. Voraussetzung dafür sei „ein ehrlicher und zielführender Dialog auf Augenhöhe“, so Sejdini. Konkret gelte es, Verschiedenheiten zu artikulieren und zu akzeptieren sowie Gemeinsamkeiten zu entdecken. 

„Es ist in Zeiten wie diesen ein besonderes Zeichen, dass eine muslimische Person, Zekirija Sejdini, für diesen Preis ausgewählt wurde“, unterstrich Kraml. „Mögen wir alle dazu beitragen, dass der Dialog nicht im luftleeren Raum schwebt, sondern konkrete Früchte in unserem Alltag trägt, dass sich die Politik und Gesellschaft durch unsere Arbeit und unser aller Engagement verändern.“  Sejdini erhält die Auszeichnung für seine „Verdienste um eine zeitgemäße Erforschung und Vermittlung islamischer Glaubenslehren“, so das „Forum für Weltreligionen“ (FRW), das den Preis 2010 ins Leben rief. Die Verleihung an Sejdini sei Zeichen dafür, dass „Dialog und Zusammenarbeit über die Grenzen von Religionen hinweg fruchtbar werden“.

Der Kurt-Schubert-Gedächtnispreis würdigt akademische und gesellschaftliche Beiträge zu vertieften interreligiösen Beziehungen. Schubert, Akademiker und Katholik, setzte sich nach dem II. Weltkrieg für die Erhaltung und Weiterführung des Universitätsbetriebs in Wien, die Einführung der Judaistik als universitäre Disziplin und interreligiöse Verständigung ein. eds

 

Bildtext: Ehrung: Sigrid Jalkotzy-Deger (Österreichische Akademie der Wissenschaften) überreichte den Kurt-Schubert-Gedächtnispreis an den Islamwissenschaftler Zekirija Sejdini. Foto: eds