Priester brauchen Freunde

Über echte Freundschaft und faule Christen hat Papst Franziskus vor kurzem im Vatikan vor der Laienvereinigung „Serra International“ gesprochen, die sich die Begleitung von Priestern und Ordensleuten zur Aufgabe gemacht hat.

In seiner Ansprache an die 75. Tagung von „Serra International“ rief er zu einer Kultur der Begegnung zwischen geistlichen Berufen und Laien auf und ermunterte zu einer selbstkritischen und kreativen Pastoral. Auch Priester und Ordensleute brauchen jemanden aus Fleisch und Blut, bei dem sie auftanken können: Der Papst deklinierte in seiner Audienz für „Serra International“ die Merkmale echter Freundschaft durch. Mit formalem Kontakt im Alltag oder der Anhäufung virtueller Freundschaften habe diese wenig zu tun, erinnerte Franziskus: „Er (ein echter Freund, Anm.) ist diskret und sanft an meiner Seite, hört mir wirklich zu, versteht es, über Worte hinauszugehen, ist barmherzig angesichts von Schwächen und hat keine Vorurteile, versteht es, meinen Weg zu teilen und lässt mich die Freude spüren, nicht allein zu sein. Er gibt mir nicht immer Recht, sondern sagt mir – weil er mein Bestes will – ehrlich, was er nicht gut findet. Er ist bereit, mich jedes Mal wieder aufzurichten, wenn ich stürze.“


Das Wort sei heute ein wenig „abgegriffen“, merkte der Papst an. Und er plädierte für eine Freundschaft, die sich wirklich einbringt für den anderen – wie bei Jesus, der bis zum Selbstopfer ging. Von echter Freundschaft könne so nur die Rede sein, „wenn die Begegnung nicht äußerlich oder formell bleibt, sondern wenn man das Schicksal des anderen teilt, mitfühlt und sich einbringt und für den anderen hingibt“. An die Priester und Ordensleute wandte sich Franziskus zugleich mit einem Appell zur Selbstreflexion und Reife. Eine Kirche, die sich nicht selbst in Frage stelle, könne nicht vorangehen und sich nicht zum Guten wandeln, erinnerte er: „Auch die pastoralen Strukturen können dieser Versuchung verfallen, sich selbst zu bewahren statt sich in den Dienst des Evangeliums zu stellen“, so Franziskus wörtlich. „Ich habe Angst vor den Christen, die nicht laufen und sich in der eigenen Nische verschließen. Es ist besser, humpelnd voranzugehen, humpelnd, manchmal hinfallend, aber immer im Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes, als ‚Museums-Christen‘ zu sein, die Veränderungen fürchten und die, nachdem sie ein Charisma oder Berufung empfangen haben, sich selbst und ihre eigenen Rollen verteidigen, statt sich in den Dienst der ewigen Neuigkeit des Evangeliums zu stellen.“


Dagegen gelte es, mit „Mut“, „Kreativität“ und „Kühnheit“ neue Herausforderungen anzunehmen, so Papst Franziskus. Dies könne auch mit sich bringen, bestehende Strukturen zu verändern oder Verantwortung abzugeben: „Wie traurig ist es, zu sehen, dass manchmal gerade wir Kirchenmänner unseren Platz nicht räumen können und es nicht schaffen, uns von unseren Aufgaben mit Frohsinn zu verabschieden – wir legen mit Mühe die Werke, die der Herr uns anvertraut hat, in andere Hände.“ Wie bei den „Olympischen Spielen“ sollte die Kirche stets dazu bereit sein, Verantwortung „vor allem an zukünftige Generationen“ abzugeben und „die Fackel“ weiterzureichen, formulierte der Papst mit Blick auf die Berufungen. Die internationale katholische Laiengemeinschaft „Serra International“ widmet sich der Förderung der geistlichen Berufe und des kirchlichen Nachwuchses. Die ursprünglich 1935 in Seattle in den USA gegründete Vereinigung wurde 1951 in das Päpstliche Werk für geistliche Berufe der Kongregation für das Katholische Bildungswesen eingegliedert. Seit 1986 sind auch Frauen als Mitglieder zugelassen. Der Name der Vereinigung leitet sich vom spanischen Franziskaner-Missionar Junipero Serra ab. red

 

Bildtext: „Freunde sind Gottes Entschuldigung für Verwandte“, ist ein Zitat, das dem irischen Dramatiker, Politiker und Satiriker George Bernard Shaw zugeschrieben wird, der 1925 den Nobelpreis für Literatur erhielt. Foto: Archiv