Priestermodell zum Auswählen?

Deutsche Theologiestudenten wollen laut einer Umfrage gerne zwischen verschiedenen Modellen für das Priesteramt wählen können.

Bonn. Bei der Vorstudie zeigte sich ein Großteil skeptisch gegenüber der für katholische Priester geltenden Verpflichtung zum ehelosen Leben. Mehr als die Hälfte der männlichen Studierenden hat sich mit der Frage befasst, ob der Priesterberuf eine Lebensoption für sie ist. Knapp 30 Prozent der Männer gaben an, wegen des Zölibats einen anderen Beruf als das Priesteramt anzustreben. Für mehr als 60 Prozent ist der Zölibat demnach „kein zentrales Element ihres Verständnisses von einem katholischen Priester“, und zwar „weder aus traditionell-religiösen noch aus praktischen Überlegungen“. Unter Frauen ist diese Ansicht verbreiteter als unter Männern.

Mehr als zwei Drittel aller Befragten halten das Priesteramt für vereinbar mit Ehe und Familie. Bei den Studentinnen waren es sogar 88 Prozent. 70 Prozent sehen ein Miteinander von zölibatär und nicht zölibatär lebenden Priestern als ein kirchliches Zukunftsmodell. 30 Prozent der männlichen Studenten, die nicht Priester werden wollen, sehen im „Priester im Zivilberuf“ eine Option für das eigene Leben. Dieses Modell gibt es bislang in der katholischen Kirche nur für Diakone.

Die Befunde legen aus Sicht der Wissenschaftler nahe, dass die „gängigen Begründungen der berufungs- und sakramententheologischen Frage nach dem Verhältnis von Berufung zum priesterlichen Dienst, Lebensform und hauptamtlichen Priesterberuf unter den Studierenden katholischer Theologie offener diskutiert werden sollen“. Die Möglichkeit einer doppelten Berufung – sowohl zum Priestertum als auch zur Ehe – könne sich nach der Studie „auf eine gewisse Akzeptanzbasis berufen“.

Hinter der bislang unveröffentlichten Untersuchung stehen der emeritierte Tübinger Religionspädagoge Albert Biesinger sowie der Bonner Moraltheologe Jochen Sautermeister. 2015 hatten sie 479 Studierende – 298 Frauen und 181 Männer – in verschiedenen Studiengängen schriftlich befragt. Zwar sind die Ergebnisse der Fragebogenstudie statistisch nicht repräsentativ, die Wissenschaftler sehen sie aber „aufgrund der hohen Datenmenge als bemerkenswerte Tendenzaussagen“. kap

Foto: Deutsche Theologiestudenten hätten laut Studie ein größeres Interesse am Priesteramt, wenn es nicht mit einer Verpflichtung zum Zölibat einherginge.

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