Qualität darf etwas kosten

KAV kontrovers. Nie zuvor war es möglich, Nachrichten so rasant zu verbreiten wie heute. Doch welchen Medien können wir überhaupt glauben? Damit beschäftigte sich der Katholische Akademikerverband (KAV).

 

 

Salzburg. „Sind die Medien (an allem) schuld?“ war die Frage, um die sich das Thema – gesellschaftspolitische Rolle der Medien – drehte. Dr. Alexandra Föderl-Schmid, ehemalige Chefredakteurin des Standard und nun Korrespondentin der Süddeutschen Zeitung, brachte ihre Erfahrungen aus der Praxis ein: Sie sieht starke Veränderungen im LeserInnenverhalten. Während sie in einem Elternhaus groß wurde, in dem Tageszeitungen einfach dazu gehörten, wachse die heutige Generation nicht mehr mit der Selbstverständlichkeit der täglichen Zeitung auf. Junge Menschen würden zu wenig auf die Informationswelt vorbereitet, deshalb seien Projekte wie „Zeitung in der Schule“ des Verbandes Österreichischer Zeitungen (VÖZ) enorm wichtig. 

Der Spardruck in Redaktionen sei groß und die Finanzierung von Qualität eine zunehmende Herausforderung. Das führe zu einem Erosionsprozess der kritischen Berichterstattung. In Österreich fehle – im Vergleich zu Deutschland – der Wettbewerb um Qualität. 

Univ.-Prof. Dr. Josef Trappel, Leiter des Fachbereiches Kommunikationswissenschaft und Leiter der Abteilung Medienpolitik und Medienökonomie an der Universität Salzburg, ergänzte, dass Qualitätsjournalismus seinen Preis habe. Qualitätszeitungen entwickeln sich zu „Elitemedien“, während viele zu den billigeren oder kostenlosen Boulevardmedien greifen. Ähnlich elitär sei die Situation bereits vor 200 Jahren gewesen, als nur wenige Menschen lesen konnten – und der Großteil der Bevölkerung keinen Zugang zu Informationen hatte.

Einig war man sich über die Problematik der sozialen Medien: Das Internet sei kein rechtsfreier Raum, die Gewährleistung der Persönlichkeitsrechte sei in Österreich stark ausgeprägt.  Hetzkampagnen und „Hate speech“ seien aber keine neuen Phänomene der sozialen Medien. Neu sei nur, „dass alles rasant verbreitet wird und alle zuschauen können und mitlesen.“ Man könne in den neuen Medien alles loswerden im „virtuellen Stammtisch“.

KAV/Zlanabitnig-Leeb

Bildtext: Dr. Alexandra Föderl-Schmid diskutierte mit Univ.-Prof. Dr. Josef Trappel und dem Theologen Ass.-Prof. Dr. Martin Dürnberger (v. r.).

Foto: KAV