Raus mit unnötigem Ballast

Susanne Hirschbichler weiß: „Entrümpeln befreit!“

Schritt für Schritt sagt Susanne Hirschbichler sei beim Entrümpeln angesagt.  „Die Sachen haben sich ja auch nicht an einem Tag angesammelt.“ Die Erwachsenenbildnerin ist mit ihrem Vortrag „Entrümpeln befreit!“ in Frauentreffs und Katholischen Bildungswerken zu Gast. Sie ist mit dem Thema am Puls der Zeit und in bester Gesellschaft: Die Japanerin Marie Kondo begeistert mit ihren Büchern und TV-Dokus gerade weltweit Millionen Menschen fürs Entrümpeln und Putzen. Das Rupertusblatt hat mit Susanne Hirschbichler gesprochen, der erfrischenden und bodenständigen „Aufräumerin“ aus dem Pinzgau.   

RB: Welche Auswirkungen hat das Ordnungschaffen? Hat das Aufräumen der „äußeren“ Welt Einfluss auf unsere „innere“ Welt?

Hirschbichler: Ich habe für meinen Vortrag intensiv recherchiert, gelesen und ausprobiert. Deshalb kann ich sagen, ja es stimmt, das Entrümpeln kann zum inneren Gleichgewicht beitragen, es bringt Klarheit ins Leben. Sehr häufig verbinden uns die Dinge, die wir angesammelt haben, mit der Vergangenheit. Die Frage ist: Lebe ich in der Vergangenheit oder im Jetzt? Was will ich aufheben, damit ich gut in Balance leben kann? Darum geht es. Dazu kommt, Chaos und Unordnung können krankmachen. Der Stresspegel steigt, wenn wir ständig am Suchen sind und Studien haben gezeigt, dass die Lernfähigkeit in einer solchen Umgebung sinkt und es sogar zu Depressionen kommen kann. 

RB: Welche praktischen Tipps haben Sie?

Hirschbichler: „Jedes Ding hat seinen Platz.“ „Mach es gleich, dann ist es leicht.“ „Loslassen, um Platz für Neues zu schaffen.“ In all diesen Sätzen steckt viel Wahres. Wer sich entschieden hat: Ich will etwas verändern, der sollte es zwar nicht aufschieben, aber sich keinen Stress machen. Wichtig ist es, Schritt für Schritt vorzugehen: Was ich in zehn Jahren angehäuft habe, kann ich nicht an einem Tag aufräumen und ausmisten. Ein Tipp ist, sich nacheinander, jeden Tag fünf Minuten, die „Hot Spots“ vorzunehmen: die unübersichtliche Schublade, den angestaubten Zeitungsstoß oder das vollgestopfte Schrankfach. Dann, alles ausräumen, jedes Teil begutachten und entscheiden: kommt es in den Mist-kübel oder hebe ich es auf?  Wer sich schwer tut, der kann sich fragen: Würde ich es auch behalten, wenn ich nur ein Zimmer hätte? 

Eine andere Methode heißt, der „27-Dinge-Boogie“. Dazu erst einmal gute Musik auflegen, einen Korb nehmen, damit durch die Wohnung oder das Haus gehen und Dinge einsammeln, die ich weggeben möchte. Übrigens: Wir tun uns alle leichter, Sachen loszulassen, wenn andere noch einen Nutzen daraus ziehen. Bücher können wir zum Beispiel auf den Flohmarkt geben, verschenken oder in einem öffentlichen Bücherschrank deponieren. Ein anderes Beispiel: Ich bin Brillenträgerin, wenn ich mir eine neue anschaffe, hebe ich mein altes Modell nicht auf, sondern bringe es zum Optiker, der sie sammelt. Meine Brille geht schließlich samt einem Ersatzrahmen zu Menschen in Entwicklungsländer in Afrika oder Asien, die sie gut brauchen können. 

RB: Sie sind gut gebuchte Vortragende in Frauentreffs und Katholischen Bildungswerken. Was sagen die Leute zu Ihren Vorschlägen?

Hirschbichler: Der Frühling ist die Zeit des großen Aufräumens. Deshalb bin ich mit meinem Vortrag momentan gefragt. Die Reaktionen sind sehr gut, die Leute sind froh, wenn sie ein Handwerkszeug bekommen. Manchmal braucht es nur einen Anstoß wie bei einem Mann, der nicht wusste wie er mit mit den Schachteln voller Dias umgehen sollte. Die Idee: Von jeder Reise nur drei aufheben. Die Erinnerungen bleiben sowieso im Herzen. Es kann auch eine Hilfe sein, das Entsorgen zu delegieren.  

RB: Wie schwer oder leicht fällt Ihnen das Ausmisten ganz persönlich?

Hirschbichler: Alles was mit Wissen zu tun hat, zu reduzieren, fällt mir schwer. Also Bücher, Texte oder Zeitschriften wegzugeben, ist gar nicht meins. Ich hatte in der Küche immer einen Platz wo sich Zeitungen oder einzelne Artikel stapelten, die ich noch lesen wollte.  Der Stoß ist immer höher geworden. Jetzt nehme ich mir regelmäßig fünf Minuten und schaue alles durch. Das ist ein schnelles, kleines Erfolgserlebnis, wenn ich das Aussortierte dann zum Altpapier bringe. Sich neue Routinen zu schaffen, trägt übrigens dazu bei, dass keine neuen Stapel mehr anwachsen. 

 

Hintergrund

Susanne Hirschbichler ist in Mittersill daheim. Die gebürtige Wienerin hat drei Söhne, drei weitere „Bonus“-Kinder und fünf Enkel (zwei weitere sind unterwegs). Sie lebt und arbeitet auf einem Bauernhof, führt eine Pension, ist in der Gemeindepolitik aktiv und derzeit mit ihrem Vortrag „Entrümpeln befreit“ gut gebuchte Vortragende in Katholischen Bildungswerken und Frauentreffs.

Die nächsten Termine:  Mi., 24. 4., 9 Uhr, Frauentreff Salzburg-St. Andrä, Pfarrheim; Mi., 8. 5., 19 Uhr, Katholisches Bildungswerk Nußdorf, Gemeinde; Do., 16. 5., 19 Uhr, Katholisches Bildungswerk Bad Hofgastein, Pfarrzentrum. 

 

Foto: Gerümpel zieht Unordnung an und tut uns nicht gut, also raus mit dem Ballast, rät Susanne Hirschbichler: Aber: Kein Stress und das Ausmisten mit Humor und Leichtigkeit angehen.

Foto: RB/ibu