Recht auf religiöse Bildung

Schule ist mehr als Wissensvermittlung. Das sagt der neue Direktor des Katechetischen Amtes der Erzdiözese Salzburg: Anton Lettner. Mit dem Ru-pertusblatt spricht er über seine Schwerpunkte, Herausforderungen, das Recht auf religiöse Bildung und warum guter Religionsunterricht an den Lebenserfahrungen der Kinder und Jugendlichen ansetzen muss.

RB: Sie leiten seit September das Katechetische Amt. Wo werden Ihre Schwerpunkte liegen?

Lettner: Ich sehe meine Schwerpunkte verstärkt im Bereich der Weiterentwicklung des Religionsunterrichts, besonders in Hinblick auf die Anforderungen im interkonfessionellen und interreligiösen Dialog. Besonders wichtig erscheinen mir auch die Ausbildung und die Begleitung der jungen ReligionspädagogInnen in den ersten Dienstjahren.

RB: Das neue Schuljahr beginnt. Was bringt es Neues für die 17 Katholischen Privatschulen in der Erzdiözese?

Lettner: Vor allem bringt es einen weiteren Zuwachs bei den Schülerzahlen. Unsere Schulen sind sehr innovativ und haben bei den Eltern ein sehr renommiertes Ansehen. Zeichen der Lebendigkeit gibt es viele, so wird zum Beispiel das Privatmissionsgymnasium St. Rupert in Bischofshofen von den Steyler Missionaren an die Vereinigung von Ordensschulen in Österreich übergeben. 

RB: Wo sind derzeit die Herausforderungen im Schulbereich; insbesondere auch für die Katholischen Privatschulen?

Lettner: So wie alle Schulen sind auch die Katholischen Privatschulen durch die Bildungsreform und die neuen Gesetze im Schulbereich gefordert. Wenn Eltern ein Schulgeld bezahlen, dann erwarten sie zu Recht die bestmögliche Ausbildung und pädagogische Konzepte, die am neuesten Stand sind. Daran muss ständig gearbeitet werden. Auch die Entwicklung von Schwerpunkten ist wichtig, um sich im Wettbewerb mit anderen Schulen durchsetzen zu können. Neben diesen vielen Ansprüchen von außen wollen wir gewährleisten, dass unsere katholischen Schulen ein Lebensraum bleiben, in dem der Geist der Freiheit und die Liebe des Evangeliums spürbar sind.

RB: Das Katechetische Amt ist auch für alle Fragen rund um den Religionsunterricht zuständig. Was sagen Sie Kritikern des konfessionellen Religionsunterrichts, die meinen: Glaube und Religion haben an Schulen nichts verloren?

Lettner: Schule hat die Aufgabe junge Menschen ganzheitlich zu bilden. Dazu bedarf es nicht nur der Vermittlung von Wissen und der Aneignung von Kompetenzen. Kinder und Jugendliche sollen befähigt werden, an den sozialen, religiösen und moralischen Werten orientiert, Verantwortung für sich selbst und ihre Umwelt übernehmen zu können. Glaube und Religion sind dabei integraler Bestandteil einer Person, der nicht einfach an der Schuleingangstüre abgegeben werden kann. Gewissens- und Religionsfreiheit in einem demokratischen Staat beinhaltet für mich auch das Recht auf religiöse Bildung. In puncto konfessioneller Ausrichtung bin ich felsenfest davon überzeugt, dass es ohne ein gewisses Mindestmaß an religiöser Erfahrung mit Religion auch kein Verstehen von Religion geben kann. Gerade hier besteht ein Mehrwert des konfessionellen Religionsunterrichts. 

RB: Sie waren selber lange Religionslehrer. Was macht guten Religionsunterricht aus?

Lettner: Zuallererst lebt er von der Beziehungsarbeit zu den SchülerInnen. Sie wollen individuell mit ihren Erfahrungen und Ansichten wahrgenommen werden. Religionsunterricht muss als ein Frageraum/eine Lernform angelegt sein, die zur persönlichen Stellungnahme herausfordert. Didaktisch müssen die Themen des Religionsunterrichts bei den Interessen und Lebenserfahrungen der Kinder und Jugendlichen ansetzen. Wenn es hier zu einer Verschränkung der Lebenserfahrung mit der Lernerfahrung kommt, wird der existenzielle Mehrwert des Religionsunterrichts spürbar. Für die Lehrperson gilt mit den Worten des heiligen Augustinus: „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst!“

Foto (Erzdiözese Salzburg): Dekretübergabe von Erzbischof Franz Lackner an Anton Lettner zum Amtsantritt als Direktor des Katechetischen Amtes. Der Erzbischof ist überzeugt: „Mit Anton Lettner wurde eine Weichenstellung für die Zukunft des Religionsunterrichtes getroffen.“

Hintergrund

Mag. Anton Lettner (43) steht mit September an der Spitze des Katechetischen Amtes, das für alle Fragen des Religionsunterrichts, der kirchlichen Kindergärten und der Katholischen Privatschulen verantwortlich ist. Aufgabe ist die Sicherstellung, Beaufsichtigung und zukunftsorientierte Weiterentwicklung des konfessionellen katholischen Religionsunterrichts im Auftrag des Erzbischofs. Das Katechetische Amt koordiniert die Lehrtätigkeit und Aus- bzw. Fortbildung von rund 800 ReligionslehrerInnen in 505 Schulen in der Erzdiözese Salzburg. Insgesamt werden 17 Katholische Privatschulen und 25 Kindergärten von Orden, der Caritas und der Erzdiözese erhalten bzw. geführt.