Reise zur Lebensfreude

Einen Advent anders als sonst erlebten Dominik Elmer, Leiter des Infopoints Kirchen und Referent für Stadtpastoral in der Erzdiözese, und sein Bruder Ludwig im Dezember. Sie fuhren einen dringend benötigten Krankenwagen 7.700 Kilometer weit bis nach Sierra Leone. Die Hilfsbereitschaft vor und während ihres Abenteuers nahmen sie dankbar und beeindruckt an.

Salzburg/Bayrisch Gmain/Freetown. „In Sierra Leone in Westafrika ist Genitalverstümmelung unabhängig der Religion kulturell verankert. Sie führt aber bei Geburten zu einer hohen Mutter- und Säuglingssterblichkeit, wenn es die Frauen nicht rechtzeitig ins Krankenhaus in der Hauptstadt Freetown schaffen. Meine Kinderärztin engagiert sich in Sierra Leone und erzählte, dass ein zweiter Krankenwagen für das Umland dringend benötigt wird“, berichtet Elmer vom Grund der Reise. Über Adventveranstaltungen und Hoffeste zugunsten der Aktion und Crowdfunding kam schnell genug Geld zusammen. 

 

Da Sierra Leone keinen guten Hafen hat und nachdem ein kleiner Defekt am Krankenwagen behoben war, ging die Fahrt Anfang Dezember los – über den Gardasee, Gibraltar, Tanger, Casablanca, Westsahara, Mauretanien, Senegal, Guinea bis nach Sierra Leone. „In Gibraltar merkt man: Du verlässt nun Europa“, erzählt Elmer. Der ewige Sand in der Sahara wurde nicht langweilig, die Straßen waren asphaltiert und in gutem Zustand – im Gegensatz zu denen in Guinea: Schlaglöcher, so groß, dass die Brüder für eine Weiterfahrt Bretter legen mussten, vom Regen ausgewaschene Wege. „Wir hatten Angst, dass dem Auto etwas passiert, aber alles ging gut.“ Dennoch brauchten sie dann für 120 Kilometer elf Stunden.

 

Gelebte Sklaverei

 

In Mauretaniens Hauptstadt Nouakchott trafen sie den katholischen Bischof Martin Happe aus dem deutschen Münsterland. „In Mauretanien sind 0,1 Prozent Christen. Der Bischof hat neun Priester für das ganze Land, sie wollen offene Orte schaffen in einer islamgeprägten Welt und sind sehr in der Flüchtlingsbetreuung engagiert. In der Öffentlichkeit tragen sie kein Kreuz – sie wollen nicht provozieren. An der Wand hängt aber ein Fisch, getreu dem Bibelspruch ,Gebt ihr ihnen zu essen‘.“ 50 Prozent der Bevölkerung Mauretaniens sind An-alphabeten, es herrscht lebendige Sklaverei. „Es gibt zwar Gesetze und der Staat sagt, dass keine Sklaverei existiert. Aber sie ist in der Gesellschaft anerkannt und wird praktiziert. Es ist erschreckend, wenn man merkt wie mit Menschen umgegangen wird. Mir war nicht bewusst, dass es Sklaverei noch gibt. Das beschäftigt dich schon weiter.“ 

 

Der Bischof half ihnen auch über den gefürchtetsten Grenzübergang Afrikas bei Rosso in den Senegal. „Dort sieht man, dass die Infrastruktur viel bewegen kann. Aber viele internationale Fabriken produzieren im Land, sie nehmen das Wasser ohne sich weiter zu kümmern. Es entsteht viel Müll, viel Plastik wofür kein Verwertungssystem existiert. Es gibt keine Mittelschicht, aber eine völlig verarmte unterste Schicht. Jeder ist begeistert vom Fußball: Fußball ist für jeden Einzelnen die Hoffnung, es heraus zu schaffen.“ 

 

Überspringendes Kinderglück

 

In Guinea besuchten die Bayern eine Schule. „Die Kinder waren so begeistert von den Stiften und Fußbällen. Ihre Freude und Dankbarkeit über eine Kleinigkeit berührt, ihr Glück zieht dich selber in den Bann.“ In der Christmette wurde der Krankenwagen schließlich an die Caritas übergeben. „Die Hilfsbereitschaft im Vorfeld war sehr groß“, ist Elmer dankbar. „Es blieb sogar Geld übrig. Damit wird ein Großteil vom Bau eines Waisenhauses unterstützt. Im Bürgerkrieg, bei der Ebola-Epidemie und einem Erdrutsch verloren viele Kinder ihre Eltern. Da ist das Geld gut angelegt“, freut er sich.

 

Bildtext: Freude bei der Schlüsselübergabe: Ludwig übergab den Krankenwagen an den Caritas-Direktor in Freetown, Father Peter Konteh; sobald es geht, kaufen sich die Jugendlichen ein Fußballtrikot; Schlaglöcher in Guinea mussten mit Brettern geebnet werden; Müll ist ein großes Problem; die Kinder hatten keine Angst und freuten sich sehr über die kleinen Geschenke. Fotos: Elmer