Ringen um Erneuerung

Martin Luther stand im Mittelpunkt einer ökumenischen Studienreise. Erzbischof Franz Lackner und der evangelische Superintendent Olivier Dantine leiteten die Fahrt zu Luthers Wirkstätten in Deutschland. 

Salzburg/Tirol. „Wer in Rom den Papst und Luther in Wittenberg nicht gesehen hat, der hat, so glaubt man, überhaupt nichts gesehen.“  Dieses  Zitat aus der lesenswerten Biografie von Heinz Schilling „Martin Luther: Rebell in einer Zeit des Umbruchs“ beschreibt sehr anschaulich die vor Ort spürbare Präsenz  des  großen Reformators. Eine ökumenische Bildungsreise folgte am Vorabend des weltweit  begangenen 500-Jahr-Reformationsjubiläums 1517/2017 den Spuren Luthers.

Die von der Erzdiözese Salzburg und der evangelischen Diözese Salzburg-Tirol organisierte Reise mit Erzbischof Franz Lackner sowie Superintendent Olivier Dantine an der Spitze führte 62 Interessierte nach Erfurt, Eisenach, Helfta, Eisleben, Mansfeld, Wittenberg und Augsburg. Das Ziel der Reise habe nicht nur im Besuch der historisch interessanten Lutherstätten bestanden, sondern „im Austausch, im Miteinander-Beten und Unterwegs-Sein von evangelischen und katholischen Christinnen und Christen“, so  Matthias Hohla, Referent für Ökumene und interreligösen Dialog in der Erzdiözese.

Neben den Häusern und Kirchen, in denen  Martin Luther gelebt und gewirkt hatte, standen Meister Eckhart, Elisabeth von Thüringen, Gertrud von Helfta und Johann Sebas-tian Bach mit deren Wirkungsstätten auf dem Reiseprogramm. Die entsprechenden Museen vor Ort vermittelten einen lebendigen Eindruck vom Leben dieser großartigen Menschen. „Die wichtigste Botschaft Luthers, dass wir uns aufs Wesentliche – auf Christus – berufen sollen, sollte wieder mehr ins Gedächtnis gerufen werden. Das fasziniert mich“, betonte Erzbischof Franz Lackner.

Miteinander beten und unterwegs sein

Die Andachten und Gottesdienste im Erfurter Dom, im ehemaligen Augustinerkloster Erfurt, im Ursulinenkloster Erfurt, in der neu errichteten Zisterzienserinnenkirche Helfta sowie in der Schlosskirche zu Wittenberg brachten diese beeindruckenden Räume zum Klingen. 

In den ökumenisch besetzten Podiumsdiskussionen war spürbar, wie Vertreter und Vertreterinnen der Kirchen, der Universität Halle-Wittenberg sowie der Politik um die Erneuerung einer großteils säkularisierten ostdeutschen Gesellschaft ringen. „Den Leuten aufs Maul schauen.“ Dieser Leitsatz Martin Luthers ist heute gefragter denn je, will man das Interesse der Menschen in den „Neuen Bundesländern“ für die Geschichte der Reformation begeistern.

Domkapitular Franz Padinger und der evangelische  Pfarrer von Hallein, Peter Ga-
briel, informierten während der Busfahrten über historische Hintergründe und theologische Auseinandersetzungen, die bis in die Gegenwart hereinwirken. Der Grundtenor am Ende der fünftägigen Reise lautete: Die Mühen des Unterwegs-Seins haben sich gelohnt. Eine ökumenisch besetzte Bildungsreise dieser Art sollte es in Zukunft bald wieder geben.      

EDS/M. Hohla

Bilder (Lochschmidt): Ökumenische Bildungsreise mit Erzbischof Franz Lackner und Superintendent Olivier Dantine zu Luthers Wirkungsstätten in Deutschland.