Rückblick als Zukunfts-Impuls

Tagung. Mit dem Verhältnis von Staat und Kirche beschäftigten sich die 7. „Seggauer Gespräche“, die Kirchenvertreter und Experten zusammenbrachte. „Das Gespräch zwischen Staat und Religion ist heute dringend geboten“, so Erzbischof Franz Lackner in seinem Grußwort.

Tagung. Mit dem Verhältnis von Staat und Kirche beschäftigten sich die 7. „Seggauer Gespräche“, die Kirchenvertreter und Experten zusammenbrachte.   „Das Ge-spräch zwischen Staat und Religion ist heute dringend geboten“, so Erzbischof Franz Lackner in seinem Grußwort.

Seggau. Die Tagung in Seggau stand unter dem Motto „1918 –2018: 100 Jahre Trennung von Staat und Kirche“. Gerade im heurigen Gedenkjahr würden die Gespräche durch ihren Rückblick auf die Geschichte einen besonderen Impuls für die Zukunft geben, betonte der steirische Gerichtsvikar Gerhard Hörting. Er unterstrich die Bedeutung des Symposiums, über tagesaktuelle Momentaufnahmen hinaus größere Zusammenhänge zu reflektieren. Besonders der Islam stelle heute die Frage der Verhältnisbestimmung von Staat und Religion in einer neuen Weise.

Spielraum der Annäherung

 „Ist Österreich ein christlicher Staat?“: Ausgehend vom Disput in Arthur Schnitzlers berühmtem Werk „Professor Bernhardi“ analysierte der Wiener Staatsrechtler Markus Vasek in Seggau das Modell der Trennung von Staat und Kirche in Österreich und die Autonomie der Religionsgesellschaften. Die weltanschauliche Neutralität des Staates sei im Letzten nicht zwingend, da sie in der Bundesverfassung nicht explizit vorkomme, sagte Vasek. Wohl aber schützten die Grundrechte, und dabei besonderes jenes der Religionsfreiheit, bei einer grundsätzlichen Trennung von Staat und Religion Einzelpersonen und Religionsgemeinschaften. Da die Verfassung zur weltanschaulichen Neutralität schweige, könnte eine demokratisch legitimierte Gesetzgebung, die sich im Verfassungsrahmen bewege, legitime Schwerpunkte setzen, so etwa das Anbringen von Kreuzen in Schulen. Eine enge Anwendung der weltanschaulichen Neutralität als philosophisches und übergeordnetes Prinzip verringere demgegenüber den Spielraum des Staates und bringe gleichzeitig keinen Freiheitsgewinn für die Bürger. „Österreich ist juristisch gesehen kein christlicher Staat, aber es gibt einen Spielraum der Annäherung“, so  Vaseks Fazit.

Die „Seggauer Gespräche“ wurden 2006 vom mittlerweile emeritierten steirischen Diöze-sanbischof und ehemaligen Europareferenten der Österreichischen Bischofskonferenz, Egon Kapellari, ins Leben gerufen. Die Tagung findet alle zwei Jahre im südsteirischen bischöflichen Bildungszentrum Schloss Seggau statt. 

Foto (Sonntagsblatt/Neuhold): Erzbischof Franz Lackner bei den Seggauer Gesprächen, die heuer 100 Jahre Trennung von Staat und Kirche beleuchteten.