Schmähliches Verbrechen

Papst Franziskus hat beim Angelusgebet auf dem Petersplatz am vergangenen Sonntag  mehr Engagement im Kampf gegen den Menschenhandel gefordert.

„Es liegt in der Verantwortung aller, Ungerechtigkeiten anzuzeigen und entschieden gegen dieses schmähliche Verbrechen vorzugehen“, sagte Franziskus mit Blick auf den Welttag gegen Menschenhandel, der am Montag begangen wird. Die UN-Generalversammlung hatte 2013 den 30. Juli zum „Welttag gegen den Menschenhandel“ erklärt. Auch Migrationsrouten würden oft von Menschenhändlern genutzt um neue Opfer zu finden, sagte der Papst. Im Zusammenhang mit Menschenhandel stünden weitere Verbrechen wie Organhandel oder die sexuelle Ausbeutung von Kindern, Männern und Frauen.

Kinderhandel hat alarmierendes Ausmaß

Laut der Hilfsorganisation „Jugend Eine Welt“ hat der weltweite Handel mit Kindern und Jugendlichen ein alarmierendes Ausmaß angenommen. Mit Jahresumsätzen von geschätzten 29,4 Milliarden Euro zähle der Handel mit Kindern und Jugendlichen zu den einträglichsten Bereichen des organisierten Verbrechens, berief sich die Organisation in einer Aussendung auf Zahlen der Europol aus dem Jahr 2015. 

„Leider ist den wenigsten Menschen bewusst, welche gigantischen Ausmaße das Problem Menschenhandel erreicht hat“, sagte Geschäftsführer Reinhard Heiserer. Betroffen seien geschätzt 40 Millionen Menschen, zwei Drittel davon jünger als 18 Jahre. „Sie werden zum Betteln oder Stehlen gezwungen, als Arbeitssklaven, Kindersoldaten oder Prostituierte ausgebeutet, müssen nackt vor Webcams posieren und werden als Kinderbräute an viel ältere Männer verkauft.“ In einem „dramatischen Ausmaß“ seien aktuell vor allem junge Flüchtlinge und Migranten auf dem Weg nach Europa von Menschenhandel betroffen. „75 Prozent der Migranten- bzw. Flüchtlingskinder, die über die zentrale Mittelmeerroute nach Europa kommen, sind von Missbrauch, Ausbeutung und Menschenhandel betroffen“, sagte Heiserer.  Menschenhandel komme praktisch in allen Ländern der Welt vor. Österreich gelte beispielsweise als besonders wichtiges Transitland. Rund 95 Prozent der Opfer hierzulande seien weiblich und stammen aus Rumänien, Bulgarien, Ungarn, der Slowakei, Bosnien und Serbien sowie aus Nigeria, Südasien, China und Südamerika, erläuterte der Geschäftsführer. 

Österreich gehe bei der Bekämpfung von Menschenhandel zwar couragiert vor, doch es gebe weder sichere Schutzunterkünfte noch bundesweit einheitliche Standards für die Betreuung betroffener Kinder, sagte Heiserer. Insofern brauche es mehr Schutz und Hilfe sowie verstärkte Aufklärungsprogramme. Die Organisation setzt deshalb in mehreren afrikanischen Ländern verstärkt auf Bildungs- und Aufklärungskampagnen, um zu verhindern, dass Jugendliche blauäugig auf die Versprechen von Menschenhändlern hereinfallen. Denn, je geringer der Bildungsgrad eines Jugendlichen ist, desto gefährdeter sei er.

 „Sklaverei-frei“-Gütezeichen

Auch der Malteserorden hat Regierungen, Zivilgesellschaft und Geschäftsleute zu einer besseren Bekämpfung des Menschenhandels aufgerufen. „Für Waren und Dienstleistungen sollten ‚Sklaverei-frei‘-Label geschaffen werden“, forderte Michel Veu-they, Vertreter der Malteser in Genf, zum Welttag gegen Menschenhandel. Durch diese „tragische Form moderner Sklaverei“, eine schwere Bedrohung der Menschenwürde, würden jährlich weltweit schätzungsweise 150 Milliarden US-Dollar (129 Milliarden Euro) Gewinne gemacht. kap

 

Bildtext: Menschenhandel ist ein Verbrechen und eine Bedrohung der Menschenwürde; wie etwa an dieser ehemaligen Kinderprostituierten in Freetown/Sierra Leone. Foto: Jugend Eine Welt