Schon auf einem guten Weg

Integration.  Mehdi, Sohrab,  Jawad und Ehsan sind auf den ersten Blick ganz  „normale“ Bewohner des Kolpinghauses.  Ihre Geschichten zeigen, dass sie schon viel mitgemacht haben: Verlust von Heimat, Flucht und Neubeginn ohne Familie in der Fremde. Heute sind die vier Afghanen auf einem guten Integrationsweg, den das Kolpinghaus mit günstigem Wohnen unterstützt. Ohne diese Hilfe könnten sich die jungen Leute ihr Leben in Salzburg gar nicht leisten. Sorgen bereitet einigen ihr noch offenes Asylverfahren.   

Salzburg. Mehdi und Sohrab teilen sich ein Zimmer im Kolpinghaus. Sie sind beide in Afghanistan geboren. Sohrab in Herat – „der schönsten Stadt überhaupt“, schwärmt der 19-Jährige. Er sei aber sehr froh, in Salzburg zu sein. „Afghanistan ist nicht sicher und viele Menschen sind ohne Arbeit.“ Er hat bereits ein Jahr lang Metalltechniker gelernt. Dann der Schock. Mit einem negativen Asylbescheid in erster Instanz musste er diese Stelle aufgeben. „Obwohl es mir sehr gefallen hat.“ Seit sechs Monaten ist er nun in einem Adeg-Markt beschäftigt. Hier darf er eine Lehre machen, weil der Einzelhandel auf der Mangelliste des AMS steht. Jetzt hofft er, dass nach einer Berufung sein Asylbescheid doch noch positiv ausfällt, er seine Ausbildung beenden darf und sein Integrationsweg nicht jäh endet. 

Gelebtes Miteinander im Kolpinghaus

Mehdi (19) hat ein Freund die Lehrstelle als Installateur vermittelt. Die Arbeit sei anstrengend, doch er weiß seine Chance zu schätzen und bezeichnet sein Leben in Salzburg als perfekt. „In Afghanistan gibt es keine Perspektive.“ Das sieht der 18-jährige Jawad ähnlich, der die aktuellen Nachrichten über Anschläge verfolgt. „So viele Menschen sterben. Das schmerzt sehr. Ich bin in Afghanistan geboren. Es ist mein Land.“ Seit zwei Jahren ist er nun in Österreich und er fühlt sich wohl. Er weiß, die Sprache ist das Um und Auf. Er spricht schon sehr gut und will sein Deutsch weiter verbessern. „Ich bin auch offen für die Kultur. Das ist wichtig für die Integration“, so Jawad, der vor kurzem in einem Restaurant Probe gearbeitet hat. „Schon nach einem Tag hat der Chef gesagt: Du bekommst die Stelle.“

Im Kolpinghaus in Salzburg-Itzling leben sechs junge Asylbewerber und noch einmal sechs junge Leute aus Afghanistan, die bereits einen bewilligten Aufenthaltstitel in Händen haben. Sie gehen zur Schule oder machen eine Ausbildung. Doch finanziell reicht es trotzdem nicht. „Da sind wir eingesprungen“, erklärt Kolpingshaus-Leiter Karl Zallinger.  Er schildert, dass Lehrlinge, die älter als 18 Jahre sind, keine Unterstützung mehr bekommen. Damit sie sich das (Über)Leben in Salzburg leisten können, verrechne ihnen das Kolpinghaus für den Heimplatz nur den Tarif für die Halbpension. Das sind rund 190 Euro im Monat. Damit ist  von der Miete bis zum Essen alles abgedeckt. Leisten kann sich das Kolpinghaus das dank der „wirtschaftlichen Hilfsbetriebe“ – also Hotel und Hostel. 

„Das sind klasse und talentierte Leute, die lernen und arbeiten wollen“, unterstreicht Zallinger mehrmals. Der Alltag funktioniere gut. Die Hausgemeinschaft setzt sich derzeit aus rund 190 jungen BewohnerInnen zusammen. Anfangs hätten einige der Eltern Bedenken angemeldet. Diese seien mit viel Reden und vor allem durch die gelebte, prob-lemlose Praxis schnell verschwunden wie Andreas Kücher und Anja Hermann bestätigen. Die beiden sind für die Betreuung der SchülerInnen und Lehrlinge im Kolpinghaus zuständig. Sie wissen: „Spätestens auf dem Fußballplatz oder beim Billard spielen Herkunft oder Sprache keine Rolle mehr.“ 

Ausbildung als Fundament fürs Leben

Eshan ist öfters beim Fußballspielen anzutreffen. Seit zwei Jahren ist der 18-jährige Afghane in Österreich. Am Anfang der Flucht war er noch mit seiner Familie zusammen. Eshan hat einen Bruder. „Wo er heute ist, weiß ich nicht.“ Sein Traumberuf ist Friseur. Er hatte schon Aussicht auf einen Platz. Doch weil Friseur nicht auf der Mangelliste steht, muss er sich anders orientieren. Er habe bis jetzt 50 Bewerbungen als Tischler verschickt. „Ich hoffe, dass ich eine gute Lehrstelle finde. Entscheidend für mich ist der positive Asylbescheid“, zählt er seine Wünsche auf, zu denen noch einer dazu kommt: „Hoffentlich gibt es ein Wiedersehen mit meiner Familie.“

Foto (Kolpinghaus): Haben im Kolpinghaus Salzburg ein „Zuhause auf Zeit“ gefunden und sich gut in die Gemeinschaft eingelebt: Mehdi, Jawad, Ehsan und Sohrab. 

Hintergrund

Adolph Kolpings (1813 –1865) Idee war es, jungen Handwerksgesellen, die keine Bildung und Beheimatung hatten, ein „Zuhause auf Zeit“ zu geben. Auch heute gibt es junge Leute, die wegen ihrer Ausbildung (weit) weg von zu Hause einen Wohnplatz brauchen und eine Gemeinschaft suchen.  Im Kolpinghaus Salzburg – seine Geschichte reicht 160 Jahre zurück – leben heute rund 190 Lehrlinge, SchülerInnen, BerufsschülerInnen und StudentInnen. www.kolpinghaus-salzburg.at