SEKEM lässt die Wüste blühen

SEKEM heißt – aus dem Ägyptischen übersetzt – „Kraft der Sonne“ und steht für biologisch-dynamische Landwirtschaft in der Wüste. Mit SEKEM ist die Vision von nachhaltiger Entwicklung in der Wüste Realität geworden.

 

 

Salzburg. „Nachhaltige Entwicklung für eine Zukunft, in der jeder Mensch sein individuelles Potenzial entfalten kann; in der die Menschheit in sozialen Formen lebt, welche die Würde des Menschen widerspiegeln; und in der alle wirtschaftlichen Tätigkeiten im Einklang mit ökologischen und ethischen Prinzipien stehen“, so die Vision von Ibrahim Abouleish, der SEKEM 1977 in Ägypten gegründet hat. Sein Sohn und SEKEM-Geschäftsführer Helmy Abouleish stellte in Salzburg die SEKEM-Initiative vor.

Ägypten in den 70er-Jahren: die Bevölkerung wächst sehr schnell, es herrscht große Wasserarmut, Ägypten ist das am zweitstärks-
ten vom Klimawandel betroffene Land der Erde, das am meisten mit Pestiziden verschmutze Land weltweit und es hat ein desolates Bildungssystem. An dieser Situation wollte Ibrahim Abouleish etwas ändern. Und er gebar, noch in Österreich ansässig, die Vision, mitten in der ägyptischen Wüste eine Gemeinschaft zu gründen, wo Menschen zusammen leben, lernen und arbeiten, wo sie ökologische und soziale Produkte herstellen und ihr individuelles Potenzial entfalten können. Einerseits wollte Vater Abouleish biologisch-dynamische Landwirtschaft betreiben, andererseits rief er eine „Wirtschaft der Liebe“ aus – eine Wirtschaft, die transparent gerechte Preise gestaltet, in der Geld nicht als Spekulationsprodukt, sondern als Gegenwert zu einem realen Wert gehandelt wird, eine Wirtschaft, in der es um ökologische und soziale Werte geht. Der Mehrwert, der erwirtschaftet werden soll, soll zu je zehn Prozent der Gemeinschaft, den Mitgliedern und der Forschung zugute kommen. 

Biologisch-dynamische Landwirtschaft, „Wirtschaft der Liebe“ und Gemeinschaft. Das sind drei wichtige Säulen von SEKEM, es ist aber noch nicht alles, denn Ibrahim Abouleish war auch Bildung und Kultur ein großes Anliegen. Und so stand noch bevor SEKEM ein Gebäude hatte, ein Flügel in der Wüste. Teil des Wunders von SEKEM ist dieses Bild.

Und das Wunder ist Wirklichkeit geworden: Mittlerweile zählt SEKEM etwa 500 Vertragsbauern, 1.500 MitarbeiterInnen, über 40.000 Menschen in der Umgebung, die mit der SEKEM-Initiative verbunden sind beziehungsweise von ihr profitieren, mehrere Schulen mit 525 Schülern, eine Universität mit 1.294 Studenten und ein medizinisches Zentrum auf dem Gelände des Agrarbetriebs.

Für das Betreiben von biologisch-dynamischer Landwirtschaft ist Kompost, auch schwarzes Gold genannt, ausschlaggebend. „Die Kompostwirtschaft mit biologisch-dynamischen Präparaten hat einen großen Anteil daran, dass man aus totem Sand lebendige Böden macht. Und die lebendigen Böden sind die Grundlage für alles was wir tun“, so Helmy Abouleish. Land- und Forstwirtschaft waren in der Vergangenheit und sind noch immer die größten Verursacher des Klimawandels, da die Böden ständig Kohlenstoff abgeben, wenn man sie falsch behandelt. Durch Kompost dreht man den Prozess um: „Wir haben in den letzten 40 Jahren über 20 – 25 Millionen Tonnen Kohlenstoff in unseren Böden fixiert“, bestätigt Helmy Abouleish.    

Auch für die nächsten 40 Jahre gibt es große Ziele bei SEKEM: Helmy Abouleish möchte, dass Ägypten 2057 zu 100 Prozent nachhaltige Landwirtschaft betreibt und dass sich die biologische Vielfalt im Land wieder regeneriert und stabilisiert. Außerdem soll Ägypten klimapositiv werden, alle Firmen sollen Kreislaufwirtschaft betreiben, und Ägypten soll über ein ethisches Bankwesen verfügen. Überdies ist es Helmy Abouleish ein großes Anliegen, dass in Ägyptens Bildungswesen die Förderung der individuellen Fähigkeiten ganz oben steht, dass Komplementärmedizin ein Begriff ist und dass sich mehr Menschen für die Entwicklung Ägyptens engagieren. 

 

Wer helfen will: IBAN: DE27 4306 0967 0071 6682 00 BIC: GENODEM1GLS

 

Foto: SEKEM

Foto: Seit 40 Jahren: Jeden Tag um halb  sieben in der Früh treffen sich die SEKEM-Mitglieder, bilden einen großen Kreis und stellen sich die Frage, was sie heute neu machen werden.