Sich Hilfe zu holen, ist keine Schwäche

Die Geburt eines Kindes ist die größte Freude, stellt aber alles auf den Kopf. Das bestätigt  Ulli Sams. Als sie vor 28 Jahren ihren Sohn bekam, hatte sie in Salzburg kein familiäres Umfeld. „Ich hätte Unterstützung gebraucht.“ Heute ist sie es, die mit ihrem Dasein Eltern und vor allem Müttern für einige Stunden in der Woche Zeit schenkt: zum Erholen oder für Notwendiges wie Einkaufen. Sams ist Freiwillige bei Calimero, dem Caritas-Projekt für wachsende Familien.    

Salzburg. Opa wohnt weit weg, Oma ist selber noch berufstätig oder aus anderen Gründen bei der Kinderbetreuung nicht präsent. Wenn das familiäre Netz löchrig oder gar nicht vorhanden ist, hat die Caritas Salzburg ein Angebot: Freiwillig Engagierte begleiten Eltern und Neugeborene bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr des jüngsten Kindes. Sie übernehmen kleine Aufgaben, die große Entlastung bringen: Mit dem Baby spazieren gehen, damit  die Mama mit dem Bruder für das Diktat üben kann oder sie spielen mit den Geschwisterkindern, damit das Baby in Ruhe gestillt werden kann. Und Calimero-Freiwillige wie Ulli Sams sorgen für Auszeiten, die jede Mutter braucht. „Ich begleite eine Familie mit drei Buben. Der Kleinste ist jetzt neunzehn Monate. Vergangenen Sommer waren wir alle im Freibad. Ich hab aufgepasst, damit die Mama auch einmal schwimmen konnte.“ 

Freiwillige für Familien gesucht

Helga Rabl-Stadler, Präsidentin der Salzburger Festspiele und Mutter zweier Söhne, steht als Schirmherrin hinter dem Caritas-Projekt. „Aus Erfahrung weiß ich wie Kinder das Leben der Eltern durcheinanderbringen und herausfordern. Calimero lässt Familien mit ihren Problemen nicht alleine.“ Rabl-Stadler macht außerdem Mut: „Zu sagen, mir wächst das über den Kopf und sich Hilfe zu holen, ist keine Schwäche. Das ist die richtige Haltung.“  Die Stadt unterstützt das Projekt finanziell und stellt die Büroräume im Bewohnerservice Lehen zur Verfügung. Leiterin Manuela Summer freut sich über neue Freiwillige: „Wir sind laufend auf der Suche nach Menschen, die ihre Zeit zur Verfügung stellen wollen.“ Summer erklärt auch, was Calimero nicht ist: „Kein Ersatz für Hebammen oder Sozialarbeiterinnen. Und: Calimero ist keine Vermittlung von Reinigungskräften.“

Infos für interessierte Freiwillige unter 0676/848210 447 oder per Mail an manuela.summer@caritas-salzburg.at. Am 15. Mai 2018 findet von 15.30 bis 17.30 Uhr eine Infoveranstaltung im Bewohnerservice Lehen, Strubergasse 27A, Salzburg statt.

Interview 

mit Calimero-Leiterin Manuela Summer 

RB: Calimero möchte Väter und Mütter entlasten. An welche Familien richtet sich das Angebot konkret?

Summer: Wir helfen allen Familien, unabhängig vom Einkommen oder der Nationalität. Ziel ist es, Müttern bzw. Eltern Freiräume zu schaffen. Die Freude am Baby soll erhalten bleiben. Mit Calimero setzen wir präventiv an: das heißt, wir bieten Unterstützung an, bevor es zur Überforderung kommt. Wir wollen Druck wegnehmen. Die Familien sollen wissen: Wir sind nicht alleine. Die Hilfe durch die Freiwilligen richtet sich nach dem jeweiligen Bedarf und dauert maximal bis zum zweiten Geburtstag des jüngsten Kindes. Wenn es der Familie möglich ist, zahlt sie einen Selbstbehalt, 55 Euro pro Monat.

RB: Wie kommen Freiwillige und Familien zusammen?

Summer:  Wichtiger Faktor ist die gute Begleitung aller Beteiligten. Vor dem Start steht ein Erstgespräch zwischen der Calimero-Koordinatorin, der oder dem Freiwilligen sowie Mutter oder Vater. Halbjährlich erfolgt ein Besuch der hauptamtlichen Mitarbeiterin, die schaut, ob alles passt. Derzeit sind neun Freiwillige aktiv, darunter ein Mann. Weitere sind sehr willkommen, denn alleine in der Stadt und im Ballungsraum Salzburg begleiten wir  bald 15 Familien, zehn sind in der Warteschleife. Bedarf ist im ganzen Bundesland.

RB: Was müssen Freiwillige mitbringen?

Summer: Das ist neben Zeit ein gutes Gespür für Familien und Kinder. Sie sollten offen sein für Fortbildungen und Schulungen wie Erste-Hilfe-Kurse für Babys und Kleinkinder. Sie sind in ein Teamgefüge eingebunden, erhalten Supervision, sind während ihres Einsatzes versichert. Das Schönste, so sagen mir die Freiwilligen, sei die Anerkennung durch die Familien.

Fotos (Caritas Salzburg): 

Ulli Sams ist eine Freiwillige der ersten Stunde. Sie  ist für Familien da, die Hilfe brauchen. Mit Karolina versteht sie sich blendend. Während Sams mit der Kleinen spielt, hat die Mama Zeit für sich.

Calimero-Leiterin Manuela Summer mit Schirmherrin Helga Rabl-Stadler und Caritas-Direktor Johannes Dines bei der Projektpräsentation.