Singen macht den Kopf frei

Den Kirchenchor Zell am See gibt es bereits seit den 40er Jahren. Josef Faistauer singt seit mehr als 50 Jahren in der Chorgemeinschaft und ist seit 20 Jahren ihr Obmann

RB: Was zeichnet den Kirchenchor Zell am See aus?

Faistauer: Der Kirchenchor Zell am See ist einer der wenigen Kirchenchöre, der ein eigenes Orches-
ter hat. Gemeinsam gestalten wir bei festlichen Gottesdiensten großartige Messen von Mozart, Haydn und vielen anderen. 

RB: Christoph Pichler leitet seit 2001 den Kirchenchor und seit 2000 das Streichorchester Zell am See. Was zeichnet ihn als Dirigenten aus?


Faistauer: Seine hervorragende Ausbildung als Musiker. Er studierte Deutsch und Musikerzie-hung an der PH Salzburg, wo er die Fächer Chor- und Ensembleleitung, Kirchenorgel, Klarinette und Sologesang belegte. Mit Dynamik, Musikalität und feinem Gehör leitet er mit viel Einfühlungsvermögen und Engagement unseren Chor und das Streichorchester.

RB: Was ist Ihr Repertoire? 

Faistauer: Wir haben ein sehr breit gefächertes Repertoire. Wir singen lateinische und deutsche Messen, mit Orchesterbegleitung, Orgelbegleitung oder auch  a cappella. Im Programm haben wir auch viele verschiedene geistliche Lieder und auf Wunsch auch – anlassbezogen – regionale Heimatlieder.

RB: Wie setzt sich der Chor zusammen?

Faistauer: Im Kirchenchor Zell am See singen zwölf Soprane, zwölf Alte, drei Tenöre – ich bin einer davon – und sechs Bässe. Eine unserer Sopranistinnen, die am Mozarteum ausgebildete Sängerin Barbara Fink, übernimmt in großartiger Weise sämtliche solistischen Aufgaben. Das ältes-te Chormitglied ist 82 Jahre alt, das jüngste 15. Der Altersschnitt beträgt 58,3 Jahre. Die Leute kommen großteils aus Zell am See, aber auch aus Nachbargemeinden wie etwa Bruck, Saalbach oder Maishofen. Mittlerweile sind wir auch international aufgestellt: wir dürfen uns über „zugezogenen Nachwuchs“ aus Holland, Irland, England und dem Irak freuen.  

RB: Wie oft und wo proben Sie?

Faistauer: Geprobt wird jeden Donnerstagabend im Probenraum für Kirchenmusik neben dem Pfarrsaal. 

RB: Wie oft treten Sie auf?

Faistauer: Wir haben mindestens zwölf Auftritte zu hohen kirchlichen Festtagen im Jahr. Zusätzlich sind wir etwa sieben Mal im Jahr bei Trauergottesdiensten im Einsatz. Normalerweise singen wir in der Stadtpfarrkirche Zell am See, der Schüttdorfer Kirche oder der Filialkirche Thumersbach. 

RB: Sie sind seit 20 Jahren Obmann des Kirchenchores Zell am See. Was sind Ihre Aufgaben?

Faistauer: Ich kümmere mich einerseits um den musikalischen, andererseits um den geselligen Zusammenhalt des Chores. Ich versuche mit meiner Freude und meinem Enthusiasmus am Singen die Menschen mitzureißen. Ich organisiere einmal im Monat einen Sängerstammtisch, bei dem wir plaudern, aber auch Probleme angesprochen werden. Meine Aufgabe ist es auch, Solistinnen und Solisten einzuladen – beispielsweise junge Sängerinnen und Sänger vom Mozarteum. Ich kümmere mich um die Außenwirkung des Chores, werbe Nachwuchs an und gestalte als Fotograf und Grafiker die Plakate für unsere Auftritte. Außerdem bin ich Ansprechpartner für Pfarrer und Pfarrgemeinderat, Tourismusverband, Kulturamt der Stadtgemeinde und Chorverband.

RB: Sie singen seit über 50 Jahren im Kirchenchor Zell am See. Was ist Ihre Motivation als Chorsänger?

Faistauer: Meine größte Motivation ist die Freude am Gesang. Man bleibt durch das Singen ewig jung. Die Atemübungen, die Körperarbeit und die Disziplin wirken gesundheitsfördernd. 

RB: Was sind die Herausforderungen, was das Schönste am Dasein eines Chorsängers?

Faistauer: Am schönsten ist es, wenn man für einen gelungenen Auftritt gelobt wird. Unsere Messen finden nicht nur bei den Einheimischen, sondern auch bei Gästen großen Anklang. Die größte Herausforderung ist, das zu vollbringen, was wir uns vorgenommen haben und immer wieder Grenzen zu sprengen, über uns selbst hinauszuwachsen. 

RB: Nehmen Sie Gesangsunterricht?

Faistauer: Ich habe einige Jahre bei Wolfgang Fuchsberger am Mozarteum Gesangsunterricht genommen. Ich war bei den Salzburger Sängerknaben, bei den Salzburger Domkapellknaben und habe mehrere Jahre beim Chor Sotto Voce  und beim Extrachor des Landestheaters mitgesungen. Jetzt versuche ich durch die Stimmbildung, die über unseren Chor angeboten wird, meine Stimme im Lot zu halten.

RB: Geht die Chorgemeinschaft über das Singen hinaus?

Faistauer: Ja definitiv. Wir treffen uns einmal monatlich zum Stammtisch, feiern alle Geburtstage unserer Chormitglieder, es gibt immer wieder Ehrungen.

RB: Machen Sie auch Reisen?

Faistauer: Ja, wir verreisen alle zwei Jahre. Wir waren beispielsweise in Laibach, Maestre und  Venedig. Im September gehts nach Udine, wo wir im Dom die Jugendmesse von Haydn mit Chor und Orchester aufführen. 

RB: Was bedeutet Ihnen Musik ganz persönlich?

Faistauer: Musik ist für mich eine großartige Entspannung. Ich kann damit meinen Kopf freibekommen. Es ist mir ein besonderes Anliegen, mit meinem Gesang Menschen Freude zu bereiten.

RB: Wie kann man Mitglied des Kirchenchores Zell am See werden?

Faistauer: Bei Interesse bitte bei der Pfarre Zell am See melden. Voraussetzungen sind eine gewisse gesangliche Begabung und das Singen nach Noten. Wir freuen uns über jedes neue Mitglied! 

 

Foto: Der Kirchenchor Zell am See bei der Jahresabschlussmesse vor der Sommerpause 2018 in der Pfarrkirche St. Hippolyt in Zell am See.   

Foto: RB/Faistauer