So helfen Hunde heilen

Therapiehunde von Kibello besuchen an Orten, die Angst machen können

Salzburg-Lehen. Zögerlich greift eine schmale Hand nach Leonardos Leine. Der Italienische Trüffelhund mit dem milchkaffeebraunen Fell wedelt und schaut das Mädchen erwartungsvoll an. Er wartet auf ihre Kommandos zum Spielen. Ihren Namen will die Jugendliche nicht genannt wissen; sie ist Patientin in der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Christian-Doppler-Klinik (CDK) in Salzburg. Leonardo, der zehn Jahre alte Rüde, ist Teil ihrer Therapie.
„Das Tier nimmt Jugendliche mit Defiziten und Vorzügen an“, erzählt Nannerl Wenger. Indes vollführt Leonardo Kunststücke, welche ihm das Mädchen aufträgt. Der Rüde hat mit Frauchen Eva Maria Hofer die Therapiehunde-Ausbildung gemacht. Ihre Talente bringen die beiden bei Kibello ein. Nannerl Wenger hat den Verein 2007 gegründet; durch ihn können sich Kinder und Hunde im Krankenhaus- und Klinik-Umfeld begegnen.

Lichtblick in der Traurigkeit

Wenger ist überzeugt, dass die tiergestützte Therapie in Sachen Selbstbewusstsein und Selbstwert hilft. Manche der jungen Patienten sind kurz in der CDK, manche mehrere Monate. Ihre Geschichten reichen von Essstörungen über Missbrauchserfahrungen bis zu Suizidversuchen. „Wir sind auch am Landeskrankenhaus auf der Onkologie im Einsatz“, sagt Wenger. Dann seufzt sie. Die Hunde brächten todkranken Kindern Freude und Ablenkung – eine ebenso schöne wie schwere Aufgabe.
Leonardo hat eine ausgezeichnete Nase. Wenn die junge CDK-Patientin ihm ein Leckerchen auf der großen Wiese der Klinik versteckt, hat er es in Windeseile aufgestöbert. Sehr zur Freude der Jugendlichen. Was die halbe Stunde pro Woche mit dem gelockten Hund in ihr auslöst? „Sie merkt zum Beispiel, dass jemand tut, was sie sagt. Meist haben Jugendliche daheim bisher die Erfahrung gemacht, nicht ernst genommen zu werden“, berichtet Wenger. 

Veränderung in 30 Minuten

Als die Einheit endet, greift die Patientin Leonardos Leine. Am Rückweg von der Wiese zur Station führt sie den Trüffelhund. Frauchen Eva Maria Hofer begleitet die beiden mit etwas Abstand. Nur, um Sicherheit zu vermitteln. Mit viel Streicheln verabschiedet sich das Mädchen.
Dann ist der Therapiehund bereit für den nächsten Einsatz an diesem Tag. Ein etwa 15 Jahre alter Bursch erwartet ihn schon.  

 

Foto: Zwei Schnauzen und drei Damen im Therapie-Einsatz: Hund Toby, Iris Briksi, Nannerl Wenger, Hund Leonardo und Eva Maria Hofer (v. l.). RB/Hessenberger