So ist Kirche trotzdem da

Kirche in Zeiten von Corona

Salzburg/Tirol. In der Krise zeigen sich zwei Dinge: Die Not derer, die ohnehin wenig zum Leben haben. Und die Spenden- und Einsatzbereitschaft jener, die es besser haben, und die sich gerade jetzt für ihre Mitmenschen ins Zeug legen. Das Rupertusblatt hat sich umgehört.

Für viele Leute ist es eine unangenehme Vorstellung, dass das Handyguthaben ausgehen und man nicht mehr telefonieren oder Nachrichten schreiben kann. Jene, die ohnehin nur wenig zum Leben haben, stehen derzeit unter besonderem Druck. „Deshalb geben wir in der Pfarre Herrnau nicht nur Lebensmittel aus, sondern auch Handyladebons. Die steuert die Aktion ArMut teilen bei“, erzählt Pfarrer Alois Dürlinger. 

Ein einsatzbereites Mobiltelefon sei nicht nur wichtig, um mit Familie und Freunden zu sprechen, erklärt der Priester. Das System in der Herrnau etwa funktioniere nur mit telefonischer Voranmeldung. Im Zehn-Minuten-Takt können sich Leute dort Lebensmittel abholen. Dürlinger bekomme Obst und Gemüse von einem Biosupermarkt. „Mein Kofferraumdeckel geht fast nicht zu, so viel kriegen wir, um andere zu unterstützen“, sagt er.

Not macht erfinderisch 

In der Stadt Salzburg sind es traditionell die Klöster, die Bedürftigen Mahlzeiten anbieten. Franziskaner, Barmherzige Schwestern, der Nonnberg: Sie sind jetzt reduziert für die Frauen und Männer an ihren Pforten da, bis die Regierung erlässt, dass sie sich wieder voll um Besucher kümmern können.

Anders auf dem Mönchsberg. Dort hat Ulrich Walder kürzlich seinen Posten als Geschäftsführer angetreten. Da das Gäste-haus der Pallottiner derzeit allerdings auch stillsteht, schwingt er den Kochlöffel, statt als Manager zu werken. Er versorgt mit seinem Talent nicht nur die Padres mit Hausmannskost, sondern er kocht gleich etliche Portionen mehr. Die liefert er an Schwes-ter Erika, die im Salzachgässchen Obdachlose versorgt.

Tonnen Lebensmittel verteilt

Nudeln, Reis oder auch Konservendosen gehen bei der Caritas-Lebensmittelverteilung an armutsbetroffene Menschen. Möglich macht das die Unterstützung von Firmen, die Waren spenden und das Zusammenspiel von Pfarren und Freiwilligen. „Menschen in Not zu helfen ist unsere tägliche Arbeit – weil es immer die Schwächsten und Ärmsten sind, die es am härtesten trifft. Es ist für mich, für alle Caritas-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und für die vielen Freiwilligen und Netzwerkpartner immer wieder schön, die Dankbarkeit der Menschen zu sehen, denen wir helfen können“, sagt Caritas-Direktor Johannes Dines. 

Überall in der Erzdiözese Salzburg können sich Betroffene an die Caritas wenden. Andrea Wieser, Leiterin des Caritas Zentrums in St. Johann in Tirol berichtet: „Wir unterstützen ganz unbürokratisch, wie zum Beispiel Frau M., die in den Bezirk Kitzbühel übersiedelte. Der Umzug hat alle ihre Ersparnisse verschlungen. Sie hatte die Zusage, dass sie als Rezeptionistin in einem Hotel anfangen kann. Das verhinderte die Coronakrise.“ Danke sagt Wieser an alle, die im „Team Caritas“ mittun: „Angefangen beim Pfarrer von Kufstein, Michael Blassnigg, und Pfarrsekretärin Andrea Treffer und genauso Pfarrprovisor Christian Hauser in Wörgl und Pfarrgemeinderatsobmann Heinz Werlberger. In Kufstein springt sogar Taxi Mirko bei der Verteilung der Pakete ein“, zählt Wieser auf. 

Die Menschen in Not sind dankbar, wie eine Frau in Neumarkt: „Nie hätte ich mir gedacht, dass ich einmal auf andere angewiesen bin. Wenn es mir besser geht, werde ich an die Caritas spenden. Es ist schön, dass es eine Organisation gibt, auf die Verlass ist“.

Beratung und Zuhören, #trotzdemnah

Da sein, zuhören und helfen: Das wollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verschiedener Seelsorgeeinrichtungen in Zeiten, die für viele Menschen besonders ungewiss sind. Sie möchten in Krisensituationen dazu anleiten, Ruhe und Vernunft zu bewahren und gemeinsam mit Hilfesuchenden Lösungsansätze erarbeiten.

Der Gesprächsbedarf ist in Zeiten des Coronavirus stark angestiegen. Unter der Nummer 0800/500 191 ist das Corona-Sorgen-Telefon täglich von 7 bis 23 Uhr erreichbar. Hier hören Frauen und Männer zu, nehmen den Anrufenden den Druck und stehen ihnen mit Rat zur Seite.

Die Telefonseelsorge Salzburg bietet nicht nur unter der Nummer 142 rund um die Uhr Hilfe an, sondern führt auch jeden Tag von 16 bis 22 Uhr einen Live-Chat. Betreut wird das Angebot von rund 130 Ehrenamtlichen. Speziell auf Kinder und Jugendliche ausgerichtet ist die kids-line, die telefonisch unter 0800/234123 oder via Chat (www.kids-line.at) zur Verfügung steht.  

Konflikte in Familien können sich gerade jetzt zuspitzen. Die Partner- und Familienberatung bietet Hilfe und Begleitung – erreichbar unter 0662/8047-6700. 

Unter 0676/8746-6619 ist der  Verein „aktion leben“ auch derzeit für schwangere Frauen und deren Partner da: mit Rat in Konfliktsituationen und psychischen Krisen. Der Verein steht Hilfesuchenden auch per E-Mail zur Verfügung: office@aktionleben-salzburg.at.

Weitere Informationen zu allen Angeboten der Erzdiözese Salzburg gibt es im Internet unter www.trotzdemnah.at

Seelsorgliche Hilfe: Gottesdienste, Vorbereitung auf Sakramente und Seelsorge – das alles findet zurzeit online oder per Telefon statt. Um Brautpaaren trotz Coronakrise die Vorbereitung auf die Ehe zu ermöglichen, gibt es seit Kurzem ein entsprechendes Videoangebot im Internet (www.ehe-familie.at). Zusätzlich zu den Videos hält das Referat für Ehe und Familie Kontak zu den Brautparen. Auch das Jugendzentrum YoCo bietet die Möglichkeit, online an Firmstunden teilzunehmen (siehe S. 8). Verschiedene Inititaiven gibt es in den Pfarren der Erzdiözese. Drei aktuelle Beispiele: Pfarrer Josef Sams aus Hof verschriftlicht Predigten, hängt  sie in der Pfarrkirche aus und stellt sie ins Internet. P. Virgil Steindlmüller aus dem Lammertal schreibt sogar täglich für #trotzdemnah. Geistliche Impulse teilt auch Diakon Albert Hötzer aus der Pfarre Siezenheim. Bei Interesse kann man sich unter den Nummer 0676/8746-5072 anmelden.

Finanzielle Hilfe: Die Katholische Kirche stellte eine Million Euro für den Corona-Nothilfefonds der Caritas zur Verfügung. Zu „Normalzeiten“ wie im Vorjahr hat die Caritas in ihren 36 Sozialberatungsstellen in ganz Österreich rund 65.000 Menschen begleitet und unter die Arme gegriffen: Mietrückstände wurden beglichen, ausstehende Energiekosten übernommen. In den nächsten Monaten ist dieser Einsatz mehr denn je notwendig. Die Sozialberatung ist unter 05/1760 1760 zu erreichen. Auch das pfarrcaritative Projekt  ArMut teilen unterstützt Hilfesuchende in der Coronakrise finanziell. In der Erzdözese Salzburg haben zudem die Plattform für Menschenreche und die Katholische Aktion einen Corona-Solidaritätsfonds gegründet. Eltern und Familien leisten in der momentanen Ausnahmesituation Außergewöhnliches. Der Katholische Familienverband bietet ein kostenloses Corona-Info-Service (coronafamilienhilfe@familie.at) an und beantwortet Fragen wie zum Familienhärteausgleichsfonds. 

Foto: Über die Lastenverteilung wird im alltäglichen Zusammenleben oft gerungen. „Einer trage die Last des anderen“, heißt es im Neuen Testament (Gal 6, 2). Übersetzt in die Coronazeit bedeutet das: helfen, wo Menschen Unterstützung brauchen und füreinander da sein.