„So vorurteilsfrei wie nur möglich“

Apostolische Visitation in der Diözese Gurk-Klagenfurt hat begonnen.

Klagenfurt. „So vorurteilsfrei wie nur möglich“ möchte Erzbischof Franz Lackner die Apostolische Visitation der Diözese Gurk-Klagenfurt gestalten, die am vergangenen Montag startete. 

Zunächst gelte es für ihn zu hören und Ursachen zu finden, die zu „dieser sehr leidvollen Entwicklung“ in Kärnten geführt haben. Seine Beauftragung durch die vatikanische Bischofskongregation beziehe sich auf die gesamte Diözese und den Zeitraum ab 2008 und schließe auch die Zeit der Sedisvakanz in Gurk – nach den Wechsel von Bischof Alois Schwarz nach St. Pölten – mit ein. Das betonte Erzbischof Lackner bei einer Pressekonferenz in Klagenfurt. Bis zur Fastenzeit sollen Ergebnisse vorliegen, dies sei aber „kein unverrückbares Fixdatum“. Das Team werde sich bemühen, die Arbeit „so gut und schnell wie möglich“ zu tun und „keine Causa infinita daraus zu machen“. Jedenfalls: „Visitation bedeutet Sachverhaltserhebung, nicht Urteilsfällung“, stellte der Erzbischof klar. „Richter“ sei dann Rom als die nächsthöhere Instanz. 

Erzbischof bittet um Verzeihen

In seinem Statement zum Auftakt der Visitation erklärte der Erzbischof außerdem: „Aus heutiger Sicht werfe ich mir vor, dass ich zwar die öffentliche Verantwortung wahrgenommen habe, indem ich die an mich ergangene Information an die zuständige kirchliche Oberbehörde weitergegeben, es aber zugleich verabsäumt habe, das direkte Gespräch mit Bischof Alois zu suchen.“ Als Metropolit bitte er „all jene, denen Unrecht geschehen ist, aber auch alle, die durch Intransparenz kirchlichen Handelns das Vertrauen in die Kirche verloren haben, aus tiefstem Herzen an dieser Stelle schon um Verzeihung“. 

Diözese zu Neuanfang verhelfen

Die Visitation solle der Diözese Gurk zu einem „vertrauensvollen Neuanfang“ verhelfen. Das könne nur gelingen, „wenn wir uns alle der Wahrheit stellen, aufeinander zugehen“ und als Communio die Sendung der Kirche wieder ins Zentrum rücken, betonte der Erzbischof. Ob er der Richtige sei für diese heikle Aufgabe, „würde ich nie behaupten wollen“, so Lackner, „wahrscheinlich auch nicht der beste“. Er stütze sich auf die Visitations-Gruppe, die dafür sorgen werde, etwaige „blinde Flecken“ auszuleuchten. Rom habe es „sofort akzeptiert, dass wir das in dieser Gemeinschaft gemeinsam machen.“ Dass ein neuer Kärntner Bischof vor Abschluss der Visitation ernannt wird, sei nicht anzunehmen.  kap

Foto: Erzbischof Franz Lackner bei der Pressekonferenz mit einem Teil seines Teams: dem Grazer Spitalsdirektor Christian Lagger, dem Feldkircher Bischof Benno Elbs sowie Elisabeth Kandler-Mayr, Ordinariatskanzler in Salzburg.

Foto:  RB/sonntag/eggenberger