Sonntag: Arbeitstag? – Folge 1

Tag der Ruhe in Gefahr

Alle reden so laut vom Zwölfstundentag, dass der ar-beitsfreie Sonntag im toten Winkel des Interesses gelandet ist. Mit dem Beschluss des neuen Arbeitszeitgesetzes durch ÖVP/FPÖ/neos wurde ab 1. September für Arbeitgeber die Möglichkeit geschaffen, an bis zu vier Sonn- und Feiertagen Arbeit anzuordnen. Warnungen vor einem Dammbruch bei der Sonntagsruhe blieben ohne Wirkung. Gewarnt hatten nicht nur die Allianz für den freien Sonntag, der Zusammenschluss von mehr als 50 vorwiegend kirchlichen und gewerkschaftlichen Gruppen, sondern auch die Bischofskonferenz. Schließlich ist die Sonn- und Feiertagsruhe auch durch einen völkerrechtlichen Vertrag zwischen dem Vatikan und der Republik, das Konkordat, geschützt. Erreicht wurde durch den vom Heiligen Stuhl unterstützten Protest immerhin, dass die Regierung zusicherte, Öffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen für den Handel nicht über das bestehende Ausmaß hinaus auszuweiten und die Freiwilligkeit der Sonntagsarbeit zu gewährleisten. Beruhigen konnte diese Erklärung aber weder die Bischofskonferenz noch die Sonntagsallianz.  

Sonntagsarbeit muss Ausnahme bleiben

Der „Dammbruch“ bei der Sonntagsruhe ist noch immer eine Bedrohung, denn wenn in anderen Be-reichen Sonn- und Feiertagsarbeit angeordnet werden kann, dann könnte sich der Handel bald benachteiligt fühlen und mit einigen Erfolgsaussichten auf Gleichbehandlung klagen. Die Allianz für den freien Sonntag sieht in der zur Zeit geleisteten Sonntagsarbeit (Gesundheitswesen, Sicherheit, Tourismus, Medien) eine gesellschaftlich  notwendige Ausnahme, die auch eine Ausnahme bleiben soll. Es steht viel auf dem Spiel, wenn Politik und Wirtschaft den Sonntag nicht in Ruhe lassen.

Elisabeth Mayer, Präsidentin der Katholischen Aktion Salzburg