Sonntag: Arbeitstag? – Folge 3

Um meine Seele geht’s 

 

 

„Wie es uns geht? Mehr dürfte nicht mehr los sein. Früher war Weihnachten, dann Ostern und dazwischen war es etwas ruhiger. Heute geht es ständig dahin“, erzählt eine Handelsangestellte.

Eine Mitarbeiterin in der Pflege: „Personell ist es schon sehr eng, du bist ständig unterwegs, für Menschlichkeit und Zeit zum Reden ist keine Zeit mehr.“

Besonders wer im Handel oder in der Pflege arbeitet, der kann die zunehmende Bedrängung spüren, die sich seit Jahren auf den Arbeitsalltag legt. Und wer das kennt, weiß auch: die Sonntage werden in dem Maße wichtiger, in dem es unter der Woche stressiger wird.

„Oft arbeite ich nur noch auf das Wochenende hin, ich kann dann mit den Leuten zusammensein, die mir wirklich wichtig sind und ich kann ausschlafen. Unter der Woche bin ich – auch daheim – nur ein Rädchen im Getriebe“, das sagen auch Leute, die in anderen Branchen arbeiten.

Chronomedizinische Forschungen belegen heute, was die Bibel im Schöpfungsbericht schon seit tausenden von Jahren sagt: der Wochenrhythmus ist im menschlichen Organismus grundgelegt (Prof. Max Moser, Graz).

Und nun erlauben wir unserer Regierung, ein Gesetz zu machen, das in diesen Wochenrhythmus eingreift wie kein anderes jemals zuvor: ein Gesetz, das den Unternehmen eine Flexibilität schenkt, die eigentlich den ArbeitnehmerInnen gehört, weil sie jahrzehntelang dafür gekämpft haben; und ohne deren Meinungen und Einwände und die der Verbände und Kirchen zu hören.

Die Regierung verschenkt also etwas, was ihr gar nicht gehört und das die ArbeitnehmerInnen nie einfach so aufgeben würden: weil sie wissen, dass es an ihre Gesundheit geht – und vielleicht sogar an ihre Seele.

Heiner Sternemann, Betriebsseelsorge in der Erzdiözese Salzburg