Sonntag: Arbeitstag? – (letzte) Folge 4

Tag des Herrn

Im Lateinischen heißt der Sonntag dominica – Tag des Herrn. In den romanischen Sprachen heißt er deshalb auch heute noch domenica (ital.) oder domingo (span.). „Ohne den Sonntag können wir nicht leben“, bekannten die ersten Christen. Und damals war der Sonntag im Römischen Reich noch ein Werktag, der erste Tag der Woche. 

Ohne den Sonntag zu leben, hätte für die Christen damals bedeutet, ohne den Herrn, ohne Christus zu leben. Am ersten Tag der Woche ist Christus von den Toten auferstanden und seinen Jüngern erschienen. Am ersten Tag der Woche ging der Auferstandene mit den Jüngern nach Emmaus, schloss ihnen die Schrift auf, deutete ihnen die Zeichen der Zeit und brach ihnen das Brot. So wird der erste Tag der Woche für die Christen zum Tag des Herrn, an dem ihnen der lebendig-gegenwärtige und erhöhte Herr begegnet. Und zugleich ist der erste Tag, an dem Gott durch die Auferweckung seines Sohnes das Leben neu geschaffen hat, der Tag der Neuschöpfung – an dem Christus sein Volk in seine Nähe ruft, es stärkt und neu belebt und so erneuert und neu geschaffen in die Welt und damit in den Alltag sendet.

Somit ist der Sonntag als Tag des Herrn nicht ein Tag, an dem ich etwas tun MUSS, sondern an dem ich sein DARF: in der Gegenwart Gottes, in der Gemeinschaft der Glaubenden, an der Hand des Evangeliums, an der Seite des Auferstandenen. Am Sonntag geben wir Gott den Freiraum und die Zeit, damit SEINE Gnade an uns wirken kann. Deshalb können wir ohne Sonntag nicht leben.

P. Virgil Steindlmüller OSB, Pfarrer in Abtenau, Annaberg und Lungötz